Seligkeit
Verfasst von entdinglichung am 30. Oktober 2007
Papst Ratzinger hat 498 römisch-katholische „Märtyrer“ selig gesprochen: spanische Priester, Mönche, Nonnen und Laien, welche aus kirchlicher Sicht der Republik in der Zeit von Revolution und Krieg 1936 bis 1939 zum Opfer gefallen sein sollen. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bleibt sich damit durchaus treu, hatte der von ihm geleitete Verein doch von der Niederlage der spanischen Republik in kaum zu übertreffender Weise profitiert, die durch die Republik 1931 bewirkte Trennung von Kirche und Staat und die Enteignung von kirchlichem Landbesitz wurde von Franco & Konsorten rückgängig gemacht und gaben der römisch-katholischen Kirche eine privilegierte Stellung, welche sie in kaum einen Staat im 20. Jh. (vom Vatikan einmal abgesehen) inne hatte.

Die damalige Haltung der römisch-katholischen Kirche wird auch deutlich durch eine Bilderserie auf der Webseite La Bataille Socialiste dokumentiert, welche auch uninformierte Menschen vielleicht erahnen lässt, warum viele Institutionen und Persönlichkeiten der römisch-katholischen Kirche nicht unbedingt bei allen Menschen in Spanien beliebt waren und sind. Nicht selig gesprochen wurden (die sehr viel zahlreicheren) Opfer des rechten Terrors, v.a. aus der Zeit nach 1939 oder baskische republikanische KatholikInnen (darunter 16 vom Franco-Regime ermordete baskische Priester, welche, ebenso wie die kleine protestantische Minderheit in Spanien keinen Repressalien durch die Republik ausgesetzt waren). Allerdings sollte einen derartige Seligsprechungen bei einer Organisation, welche sich einen Inquisitor und antijüdischen Hetzer als Schutzheiligen der Anwälte hält und diesen am 23. Oktober feiert, BefreiungstheologInnen Lehrverbote erteilt und gleichzeitig die reaktionären Lefebvre-AnhängerInnen umwirbt und auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gestalten wie Christian von Wernich (siehe auch hier) hervorbringt, nicht gross wundern. Kein Zufall scheint auch, dass die Seligsprechung kurz vor der Verabschiedung des Ley de Memoria stattfindet, welches (wenn auch in einer ungenügenden Weise) die Opfer des Franco-Regime und eines von der römisch-katholischen Kirche als Kreuzzug legitimierten Gemetzels rehabilitieren und teilweise entschädigen wird.
Einen ausführlicheren, lesenswerten Kommentar zu der ganzen Angelegenheit findet mensch hier.



Vermischtes zur Vergangenheitspolitik « Entdinglichung sagte
[...] von entdinglichung am 26. Januar 2009 1.) Wieder einmal Unsägliches von Papst Ratzinger: Nach der Seligsprechung frankistischer Geistlicher (nebst Ablehnung des Gesetzes Ley de Memoria, welchen den Putsch von 1936 als illegal einstuft), [...]