Für mehr Feiertage!
Verfasst von entdinglichung am 16. Januar 2008
Traditionell gab es in vorkapitalistischen Gesellschaften (auch weil die Konzepte von Ferien oder Urlaub nicht bekannt waren) eine Reihe von Feiertagen mehr als heute (dies darf allerdings kein Grund sein, jene Gesellschaften zu romantisieren), verschiedene arbeitsfreie Tage wurden in der BRD im Laufe der letzten Jahrzehnte (auch weil an ihnen nicht wirklich (mehr) gefeiert wurde, so am Buss- und Bet(t)tag) in den letzten Jahrzehnten abgeschafft oder in Britannien zu “Bank Holidays” umgewidmet. Während zwar die gesetzliche Urlaubszeit (ohnehin primär als Periode vorgesehen, in welcher die teilvernutzte Ware Arbeitskraft durch Erholung regeneriert wird) nicht beschnitten, sondern zuweilen sogar ausgeweitet wurde, kann insgesamt konstatiert werden, dass die meisten Lohnabhängigen in den imperialistischen Metropolen, soweit sie nicht “freigesetzt” wurden, unter spätkapitalistischen Bedingungen auf Grund der Verdichtung des Arbeitsprozesses insgesamt mehr arbeiten, als vor beispielsweise 100 Jahren, wo die Sechstagewoche und ein Arbeitstag von zehn Stunden gängige Praxis waren. Da stellt sich durchaus die frage, ob es nicht sinnvoll wäre, dadurch ein wenig Sand ins kapitalistische Getriebe zu streuen und sich das Leben ein wenig zu verschönern, indem mensch sich einfach (und wenn möglich kollektiv) einige Feiertage quasi als Vorschein auf den Kommunismus mehr aneignet. Anregungen dafür kann mensch u.a. im Interkulturellen Kalender 2008 (pdf-File) des Beauftragten für Integration und Migration Berlin finden, welcher mehrere Dutzend Feier- und Gedenktage unterschiedlicher Herkunft enthält, welche vielfach (nicht alle) durchaus geeignet sind, durch Fernbleiben von der Lohnarbeit gewürdigt zu werden.


