Die LINKE Österreich: Tragödie, Farce oder eher Tragödie und Farce?
Verfasst von entdinglichung am 25. Juli 2008
Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte)
Vergleichbares spielt sich derzeit in der Alpenrepublik ab (abgesehen, dass es schwer fällt, das Attribut “weltgeschichtlich” zu verwenden) … nachdem sich in den letzen Jahren in der BRD mit “Die LINKE” eine auf Wahlebene leidlich erfolgreiche reformistische (Massen)-Partei konstituiert hatte – welche leider nun einmal die Angewohnheit hat, im parlamentarischen Sumpf zu versinken und einen populistischen Schaumschläger wie Lafontaine an ihre Spitze stellt anstatt auf ausserparlamentarischer Ebene eine positive und letztendlich radikale und emanzipatorische Rolle zu spielen – wollen Teile der österreichischen Linken es dem deutschen Vorbild nachtun und haben in Torschlusspanik für die vorgezogenen Nationalratswahlen Ende September das Wahlbündnis LINKE ins Leben gerufen. Im Vergleich zur deutschen [sic!] LINKEN ereignete sich aber schon ein schwerer Geburtsfehler … die österreichische PDS namens KPÖ (immerhin die mit Abstand mitgliederreichste Gruppe links von SPÖ und Grünen) entschloss sich zu einer Alleinkandidatur, auch fanden sich von ein bis zwei Handvoll Einzelpersonen abgesehen kaum österreichische WASGlerInnen (Ex-SPÖlerInnen oder prominente Gewerkschafts- oder BewegungsaktivistInnen) die mitmachen wollten (siehe dazu auch die schon vor einigen Wochen verfasste Stellungnahme von GenossInnen der SOAL zu dem ganzen Kram), was das Ganze dann zu einer Elefantenhochzeit von den FreundInnen voluntaristischer Durchbruchstrategien SLP (in der BRD SAV) und LSR (in der BRD Gruppe Arbeitermacht) – welche nach aussen das Bild des Haufens bestimmen – unter Beteiligung von Gruppen wie der stalinoiden Kommunistischen Initiative und einer Reihe von Einzelpersonen und Noch- und Ex-Mitgliedern anderer linker Organisationen werden liess. Und wie es sich gehört, fing gleich nach der ersten Pressekonferenz des Wahlbündnisses das öffentlich ausgetragene interne Gehacke an, da offenbar eine Vertreterin der LSR gegenüber der Weltpresse eher das Programm ihrer eigenen Organisation als dasjenige der “LINKEN” vorstellte (die ganzen Hackereien gibt es gesammelt auf LabourNet Austria zu lesen). Jedenfalls ist zu erwarten, dass die Halbwertzeit des Projektes eher derjenigen schwererer Transurane gleichen wird, was nicht bedeutet, dass nicht vielleicht eine der beteiligten Gruppen (es werden Wetten angenommen, welche es sein könnte) noch in einigen Jahren einen Kadaver namens Wahlbündnis LINKE (welcher nichts anderes als ein “Bündnis mit sich selbst” nebst einigen handverlesenen “Unabhängigen” darstellen wird) reiten wird. Für die Entfaltung des Klassenkampfes und emanzipatorischer Bewegungen in Österreich (von der Herausbildung ernsthafter Formen revolutionärer Organisiertheit ganz zu schweigen) wird das Wahlbündnis LINKE wohl kaum einen positiven Beitrag leisten können, eher ist zu erwarten, dass nach einem enttäuschenden Wahlergebnis im September weitere Menschen sich nach diesem voluntaristischen Kraftakt resigniert zurückziehen werden. Und ernsthafte revolutionäre Linke sollten wissen, dass der Aufbau der revolutionären Partei keine Abkürzungen über Wahlkampagnen und Zeitungsverkauf kennt sondern ein langwieriger, die “Mühen der Ebene” wie Basisarbeit und theoretische Diskussionen beinhaltender Prozess ist.

P.S.: Eine Einschätzung der derzeitigen Lage in Österreich welche nicht im voluntaristischen Elektoralismus mündet haben die GenossInnen der RSO verfasst.

