Schöner neuer AStA
Verfasst von entdinglichung am 6. August 2008
Sicherlich, früher war nicht alles gut im und um den AStA der Uni Hamburg, so mussten dort auch die teilautonomen Referate mussten von Frauen, MigrantInnen, Menschen mit Behinderungen und Lesben und Schwulen in den 1980er Jahren gegen die damals dominierenden bürokratisch-reformistischen MSB-/SHB-/Juso-ASten (deren entpolitisierte Verfallsprodukte Liste Links/Harte Zeiten darstellen) durchgesetzt werden und die Realo-GHG-Dominanz 1993-2001 konnte einen zur Weissglut treiben, dennoch waren die damaligen “Oberhäupter” der verfassten Studierendenschaft entweder aus eigenem Antrieb oder auf Grund des Druckes einer (damals vielleicht stärkeren) aktivistischen linken Strömung unter den Studierenden bereit, Proteste gegen Senat und Unileitung entweder zu initiieren oder mitzutragen (teilweise um die Kontrolle nicht zu verlieren) oder doch zumindest Mittel und Räume dafür und für selbstorganisierte emanzipatorische Initiativen bereitzustellen. Damit ist nun seit der Inthronisation des Rechtsjuso-/Liberalen-/Fachbereichslisten-AStAs 2006 Schluss; jener hat es sich zur Aufgabe gemacht die Forderung von rechtskonservativen Burschenschaftslisten und RCDS der 1990er durchzusetzen – kein Geld für “Minderheiten” sondern nur noch für “normale Studenten” … und so sieht dergleichen beispielsweise aus:
“Die Hochschulgruppe des bdvb e.V. (Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte) in Hamburg und der AStA der Universität Hamburg präsentieren am Montag, den 28. Juli, im Thomas Read, die bdvb- Semesterending-Party.
Ab 18 Uhr sind die Türen des Clubs für alle Studierenden, Young Professionals, Personaler und Unternehmer geöffnet. Networking zwischen Studierenden und Professionals aus der Wirtschaftswelt in Verbindung mit Poker in entspannter After-Work-Atmosphäre steht auf dem Programm. Studierende und Unternehmen sollen sich bei einem Drink und einer Runde Poker näher kommen und können dort Kontakte knüpfen.
Gepokert wird im Sit’n Go Modus, d.h. ihr spielt gegen 8 andere Spieler an einem Tisch und um einen Preis zu gewinnen, müsst Ihr erster oder zweiter werden. Für Euch haben wir von Speed-Link, Corona extra und Smirnoff diverse Preise …”
Corona ist unter KennerInnen auch als Unternehmen bekannt, welches GewerkschafterInnen auf Grund ihrer Gewerkschaftmitgliedschaft feuert und die Türen der Kommerzkneipe Thomas Reed stehen offenbar nicht für alle Studierende offen, weiterhin stellt sich die Frage, ob der ausbleibende Widerstand des AStA gegen Studiengebühren jetzt durch die Aufforderung, die fehlende Knete beim Glücksspiel zu organisieren, ersetzt wurde.
Der AStA selbst sonnt sich in seinen “Erfolgen” und wurde schon mehrfach im Amt bestätigt … kein Wunder vor dem Hintergrund einer Situation, in welcher viele Studierende mit einer “Zähne-zusammenbeissen-und-durch-Mentalität” versuchen, die sie umgebenden und tangierenden gesellschaftlichen Widersprüche einer permanent krisenhaften spätkapitalistischen Gesellschaft auszublenden und bis zum (für die wenigsten erreichbaren aber als Stimulanz wirksamen) Karriereziel in “Normalität” studieren können, ohne dass die Wahrnehmung (aktiv aber im wesentlichen erst einmal passiv) von Protesten die mentale Panzerung durchbrechen und Zweifel am “Alles wird Gut” aufkommen lassen. Die derartig konditionierten Studierenden (und ihr Männer-AStA) haben dann auch gar nichts gegen autoritäre Lösungen sowie Repressionsmassnahmen gegen “die Anderen” einzuwenden, erinnern letztere einen doch nur an das Elend des eigenen verdinglichten Daseins.
Zum Abschluss sei hier noch auf den Text Kriminalisierung statt politischer Auseinandersetzung. Ein Rückblick der Angriffe des AStA auf die Teilautomie auf der Seite http://frauenlesbentransrat.blogsport.de/ hingewiesen, hier heisst es u.a.:
Heute durchzieht den Flur ein einheitliches, „professionelles“ Design. Das AStA Logo springt einen schon von Weitem an, blau – grüne Streifen an den Wänden vermitteln eine saubere, ja sterile Atmosphäre. Die einzige Funktion dieses Flures scheint sich mittelerweile darauf zu beschränken, eine passende Kulisse, nämlich die eines Wartesaals, für die Beratungen zu bieten. Hinter einer Glastür sitzen die „richtigen“ Referenten und Referentinnen des AStA, die sich so von den ungeliebten Teilautonomen Referaten und dem Rest der Studierenden abgrenzen. Das eigene Auftreten bezeichnet der AStA selbst als professionell und pragmatisch sowie serviceorientiert. Vom mehr Service für die Studierenden kann allerdings keine Rede sein, das Beratungsangebot gab es auch unter den „unprofessionellen“ linken Asten.
…
“Aus den vorhergergangenen Ausführungen halten wir Teilautonome Referate wichtiger denn je. Räume, in denen Menschen, die von Herrschaftsverhältnissen betroffen sind, sich gemeinsam organisieren und in denen ihnen eben nicht vom mehrheitlich weißen, heterosexuellen und männerdominierten AStA vorgeschrieben wird, wie sie sich politisch zu organisieren haben, mit welchen Themen sie sich zu beschäftigen haben und welche Strategie im Erreichen ihrer Ziele die richtige ist. Wir sind entsetzt über die verweigerte politische Auseinandersetzung des AStA sowie über die Kriminalisierung des politischen Protestes, die auf einer individualisierten Ebene stattfindet.“

P.S.: AStA stürzen!

