Zum 75. Jahrestag der Ermordung von Erich Mühsam
Verfasst von entdinglichung am 10. Juli 2009
Heute vor 75 Jahren, am 10. Juli 1934 wurde Erich Mühsam, Schriftsteller und anarchistischer Revolutionär von der SS im KZ Oranienburg ermordet, Joseph Goebbels hatte vorher die als Suizid kaschierte Ermordung mit den Worten „Dieses rote Judenaas muss krepieren!“ angeordnet.

DER GEFANGENE
August 1919
Ich hab’s mein Lebtag nicht gelernt,
mich fremdem Zwang zu fügen.
Jetzt haben sie mich einkasernt,
von Heim und Weib und Werk entfernt.
Doch ob sie mich erschlügen:
Sich fügen heißt lügen!
Ich soll? Ich muß? — Doch will ich nicht
nach jener Herrn Vergnügen.
Ich tu nicht, was ein Fronvogt spricht.
Rebellen kennen bessre Pflicht,
als sich ins Joch zu fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Der Staat, der mir die Freiheit nahm,
der folgt, mich zu betrügen,
mir in den Kerker ohne Scham.
Ich soll dem Paragraphenkram
mich noch in Fesseln fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Stellt doch den Frevler an die Wand!
So kann’s euch wohl genügen.
Denn eher dorre meine Hand,
eh ich in Sklavenunverstand
der Geißel mich sollt fügen.
Sich fügen heißt lügen!
Doch bricht die Kette einst entzwei,
darf ich in vollen Zügen
die Sonne atmen — Tyrannei!
Dann ruf ich’s in das Volk: Sei frei!
Verlern es, dich zu fügen!
Sich fügen heißt lügen!



pixel sagte
Mühsam ist mir, trotz all der merkwürdigen Dinge die er mitunter auch geschrieben hat, grundsympathisch. Ich finde es schön, dass er nicht vergessen wird.