Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 8. Mai 2008

Mildred Loving (1940-2008)

Posted by entdinglichung - 8. Mai 2008

Am 2. Mai starb im Alter von 67 Jahren Mildred Delores Loving, geborene Jeter. Ihr Einsatz (und der ihres Mannes Richard Loving) und ihre Beharrlichkeit führte 1967 zu einer Entscheidung des obersten Gerichtshofes der USA, welche die Verbote „gemischtrassischer“ Ehen in einer Reihe von US-Bundesstaaten, so in ihrem Heimatstaat Virginia aufhob und für verfassungswidrig erklärte. Mildred und Richard Loving hatten 1958 in Washington D.C. geheiratet, da der Racial Integrity Act of 1924 (gleichzeitig mit diesem Gesetz wurde in Virginia im übrigen auch noch ein Gesetz verabschiedet, welches die Zwangssterilisation für Menschen, welche als „insane, idiotic, imbecile, feebleminded or epileptic“ klassifiziert wurden, anordnete) des Bundesstaates Virginia „gemischtrassige“ Ehen, so auch zwischen der als „farbig“ klassifizierten Mildred Jeter und dem „Weissen“ Richard Loving verbot, die beiden wurden nach ihrer Heirat und Rückkehr aus Washington vom örtlichen Sheriff inhaftiert und nur nach der Zusicherung, Virginia für die nächsten 25 Jahre zu verlassen, vom Gericht wieder freigelassen. Richard Loving wurde 1975 bei einem Autounfall getötet, Mildred Loving sprach sich 2007 anlässlich des 40. Jahrestages der Entscheidung im Fall Loving v. Virginia (siehe dazu auch hier) für das Recht aller heiraten zu können aus – unabhängig von „Rasse“, „Geschlecht“ oder „sexueller Orientierung“.

Surrounded as I am now by wonderful children and grandchildren, not a day goes by that I don’t think of Richard and our love, our right to marry, and how much it meant to me to have that freedom to marry the person precious to me, even if others thought he was the „wrong kind of person“ for me to marry. I believe all Americans, no matter their race, no matter their sex, no matter their sexual orientation, should have that same freedom to marry. Government has no business imposing some people’s religious beliefs over others. Especially if it denies people’s civil rights.

I am still not a political person, but I am proud that Richard’s and my name is on a court case that can help reinforce the love, the commitment, the fairness, and the family that so many people, black or white, young or old, gay or straight seek in life. I support the freedom to marry for all. That’s what Loving, and loving, are all about.

(Mildred Loving, 2007)

P.S.: South Carolina hob ein derartiges Gesetz formal erst 1998, Alabama erst 2000 auf … noch 2004 sprach sich eine knappe Mehrheit der WahlteilnehmerInnen in einem Referendum in Alabama dafür aus, die Paragraphen innerhalb der Staatsverfassung nicht zu streichen, welche eine Segregation nach „Rassen“ im Bildungsbereich vorschreibt.

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In Memoriam Ernst Eckstein (1897-1933)

Posted by entdinglichung - 8. Mai 2008

Heute vor 75 Jahren wurde im KZ Öls der linkssozialistische Politiker und Rechtsanwalt Ernst Eckstein von der SA ermordet. Der Marxist und prononcierte Parteilinke Eckstein, hatte sich 1931 mit einem grossen Teil seiner lokalen SPD-Parteiorganisation aus Kritik an der Stillhalte- und Tolerierungspolitik der Parteiführng gegenüber der Regierung Brüning der neugegründeten Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) angeschlossen und war als deren Reichsvorstandsmitglied und Bezirksvorsitzender für Mittelschlesien, als Vertreter einer aktiven antifaschistischen Einheitsfront- und Abwehrpolitik gegen den Nationalsozialismus sowie als populärer Anwalt der Armen in Breslau (heute Wrocław) bei den örtlichen Nazis besonders unbeliebt und wurde daher direkt nach dem Reichstagsbrand zunächst in das KZ Dürrgoy verschleppt, später ins KZ Öls, wo er permanent misshandelt wurde. Seine Beerdigung entwickelte sich zu einem der letzten Massenproteste gegen die NSDAP, tausende von Menschen nahmen an der Beerdigung Ecksteins teil, die Exilorganisation der SAPD nannte ihm zu Ehren ihre Unterstützungsorganisation für Verfolgte und deren Angehörige Ernst-Eckstein-Fonds:

„Seine Beisetzung war die letzte stumme, wenn auch unerhört eindrucksvolle Massenprotestkundgebung gegen den Nationalsozialismus und dessen bereits angetretender Herrschaft. Der Hügel seiner Grabstätte wurde noch wochenlang immer wieder mit frischen Blumen und Kranzgewinden geschmückt, die Mitglieder der Arbeiter-Jugend mit List und unter Gefahren auf den von Schergen beobachteten Friedhof schmuggelten.“

(Herbert Urban in: Der Sozialdemokrat, vom 28.3.1947)


Kein Vergeben, kein Vergessen!

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