Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 10. Mai 2008

Was sind die Super-„Linken“ und wie schaden sie der Sache des Proletariats? (1971)

Posted by entdinglichung - 10. Mai 2008

Bei Was sind die Super-„Linken“ und wie schaden sie der Sache des Proletariats? (pdf-Datei, 2,44 mb) handelt es sich um eine 1971 von den beiden Hamburger ML-Gruppen Sozialistisches Arbeiter- und Lehrlingszentrum (SALZ) und Kommunistischer Arbeiter-Bund (KAB) im Stile der damals vorherrschenden Form innerlinker Auseinandersetzung veröffentlichte Polemik gegen die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) um Ernst Aust. In der auch heute noch mit einem gewissen Vergnügen zu lesenden Broschüre vertraten das aus der Lehrlingsbewegung nach 1968 entstandene SALZ und der eher „studentisch“ geprägte KAB, aus denen wenig später der Kommunistische Bund (KB) hervorging, noch relativ „orthodoxe“ ML-Positionen. Kritisiert wurde an der KPD/ML vor allem deren grossspuriger Verbalradikalismus, deren Haltung zur „deutschen Frage“ (die künftige, sich von KPD/ML, KPD/AO und einigen anderen K-Gruppen abhebende, antinationalistische Haltung des KB hierzu, war auch schon in der damaligen Linie der Organisation angelegt) und deren unverholen formulierter Führungsanspruch, dabei wurde auch die politische (opportunistische) Vergangenheit von Ernst Aust als Redakteur des der illegalen KPD vor 1968 nahestehenden Hamburger Wochenblattes Blinkfüer mit vielen „Belegen“ untermauert, einer ätzenden Kritik unterzogen.

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Zur nationalsozialistischen Bücherverbrennung vor 75 Jahren

Posted by entdinglichung - 10. Mai 2008

Oskar Maria Graf am 12. Mai zur nationalsozialistischen Bücherverbrennung am 10. Mai, sein Vertrauen in das Andere Deutschland erwies sich als vergebens:

Verbrennt mich!

Ein Protest von Oskar Maria Graf. (veröffentlicht in der Arbeiter-Zeitung, Wien, 12. Mai 1933 )

Wie fast alle links gerichteten, entschieden sozialistischen Geistigen in Deutschland, habe auch ich etliche Segnungen des neuen Regimes zu spüren bekommen: Während meiner zufälligen Abwesenheit aus München erschien die Polizei in meiner dortigen Wohnung, um mich zu verhaften. Sie beschlagnahmte einen großen Teil unwiederbringlicher Manuskripte, mühsam zusammengetragenes Quellenstudien-material, meine sämtlichen Geschäftspapiere und einen großen Teil meiner Bücher. Das alles hart nun der wahrscheinlichen Ver-brennung. Ich habe also mein Heim, meine Arbeit und – was vielleicht am schlimmsten ist – die heimatliche Erde verlassen müssen, um dem Konzentrationslager zu entgehen.

Die schönste Überraschung aber ist mir erst jetzt zuteil geworden: Laut „Berliner Börsenkurier“ stehe ich auf der weißen Autorenliste des neuen Deutschland und alle meine Bücher, mit Ausnahme meines Hauptwerkes „Wir sind Gefangene“, werden empfohlen! Ich bin also dazu berufen, einer der Exponenten des „neuen“ deutschen Geistes zu sein!

Vergebens frage ich mich, womit ich diese Schmach verdient habe.

Das dritte Reich hat fast das ganze deutsche Schrifttum von Bedeutung ausgestoßen, hat sich losgesagt von der wirklichen deutschen Dichtung, hat die größte Zahl ihrer wesentlichsten Schriftsteller ins Exil gejagt und das Erscheinen ihrer Werke in Deutschland unmöglich gemacht. Die Ahnungslosigkeit einiger wichtigtuerischer Konjunkturschreiber und der hemmungslose Vandalismus der augenblicklich herrschenden Gewalthaber versuchen all das, was von unserer Dichtung und Kunst Weltgeltung hat, auszurotten, und den Begriff „deutsch“ durch engstirnigsten Nationalismus zu ersetzen. Ein Nationalismus, auf dessen Eingebung selbst die geringste freiheitliche Regung unterdrückt wird, ein Nationalismus, auf dessen Befehl alle meine aufrechten sozialistischen Genossen verfolgt, eingekerkert, gefoltert, ermordet oder aus Verzweiflung in den Freitod getrieben werden!

Und die Vertreter dieses barbarischen Nationalismus, der mit Deutschsein nichts, aber auch schon gar nichts zu tun hat, unterstehen sich, mich als einen ihrer „Geistigen“ zu beanspruchen, mich auf ihre sogenannte weiße Liste zu setzen, die vor dem Weltgewissen nur eine schwarze Liste sein kann!

Diese Unehre habe ich nicht verdient!

Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!

Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein, wie eure Schmach!


Kein Vergeben, kein Vergessen!

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