Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 19. Mai 2008

Bulletin of the Social Labor Movement (USA, 1881)

Posted by entdinglichung - 19. Mai 2008

Einen ganz besonderen „Leckerbissen“ haben die GenossInnen von La Bataille Socialiste online gestellt, eine Ausgabe des Bulletin of the Social Labor Movement der Socialist Labor Party (SLP) vom Januar 1881. Die SLP war ursprünglich eine 1878 im wesentlichen von sozialistischen MigrantInnen aus dem deutschsprachigen Raum begründete Partei und wurde seit 1890 von Daniel de Leon geleitet, welcher bis zu seinem Tode 1914 die Partei in eine strikt internationalistische, anti-opportunistische und an marxistisch-syndikalistischen Vorstellungen angelehnte aber leider auch zunehmend sektiererische Richtung lenkte (welche sich nach 1914 bis heute noch verschärfte). Besonders interessant an der vorliegenden Ausgabe ist u.a. ein kurzer Hinweis zur Situation in Hamburg unter Bismarcks „Sozialistengesetz“ auf der zweiten Seite:

„Germany.-Since the „free“ city of hamburg was declared in a state of siege, the persecution of all known and suspected socialists has been vigorous and relentless. Otto Reimer, Max Stoehr, Schweppendieck and many other prominent comrades have been expelled and are now in America. Leipzig will be the next point of attack, and a wholesale expulsion of Socialists will follow.

Bismarck forgets however, that the world looks upon his course as a confession that he acknowledges his inability to defeat our principles by argument, and to resort to the policy of all brutal cowards. the contributions to the relief fund are very large but the emergency is too great for the resources of the German Socialists, hampered by police supervision, and the American sympathizers are anxiously looked to for support.“

P.S.: Ebenfalls neu auf La Bataille Socialiste findet mensch eine eingescannte Ausgabe von Marxism and Darwinism von Anton Pannekoek von 1912.

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Rassistische Polizeigewalt gegen nigerianische Flüchtlingskinder in Treuen (Sachsen)

Posted by entdinglichung - 19. Mai 2008

Ein Kommentar zu der nachfolgenden Presseerklärung erübrigt sich:

PRESSEMITTEILUNG
17. 05. 2008
http://thevoiceforum.org/node/819

Brutaler Polizeieinsatz gegen nigerianische Flüchtlingskinder in Treuen (Sachsen)

Polizei schiebt Kinder in Handschellen aus dem Kinderheim ins Flüchtlingslager ab

Unter Einsatz von physischer Gewalt wurden die drei Mädchen Sophia (14), Sandra (13) und Sonja (8) Omoroghomwan am Freitag, 16. Mai 2008 von der Polizei aus dem AWO Kinder- und Jugendwohnhaus in Treuen (Vogtlandkreis/Sachsen) in das abgeschiedene Flüchtlingslager im Wald bei Posseck (ebenfalls Vogtlandkreis) zurückgeschoben.

Die drei Mädchen aus Nigeria hatten letztes Wochenende aus eigenem Entschluss das Kinderheim in Treuen in der Nähe von Plauen aufgesucht, weil sie das Leben in der Isolation nicht mehr ertragen konnten. Sie waren in dem Heim freundlich aufgenommen worden und fühlten sich dort wohl. Obwohl sie dort getrennt von ihrer Mutter Claudia leben mussten, wollten sie bleiben, weil sie die Lebensbedingungen in Posseck nicht mehr ertragen konnten.

Am vergangenen Freitag wurden sie im Beisein einer Vertreterin des Jugendamtes mit Hilfe der Polizei gezwungen, in das Lager in Posseck zurückzukehren. Die Mädchen wurden vom Heimpersonal am Morgen darüber informiert, dass sie zurück nach Posseck sollen. Als die Mädchen sich weigerten, verständigte die Vertreterin des Jugendamts die Polizei. Insgesamt wurden für den Einsatz vier Polizeiwagen angefordert. Erschreckt und verängstigt versuchten die Kinder davon zu laufen. Dabei wurden sie von einem Polizeiwagen verfolgt. Als die jüngste, Sonja, gefasst wurde, entschloss sich die älteste Schwester, Sophia, mit ihr zusammen zurückzubleiben. Beide wurden in ein Zimmer gesperrt. Während Sandra weiter zu fliehen versuchte, verlangte die Frau vom Jugendamt den Einsatz von mehr Polizei. Als Sandra schließlich gefasst wurde, legte man sie in Handschellen und schleifte sie über den Boden. Auch an den Beinen wurde sie gefesselt. Nach Aussage ihrer Schwestern war Sandra völlig außer sich und schrie.

Die Kinder sahen sich Beschimpfungen durch die Anwesenden ausgesetzt. Sie vernahmen die Worte „blöde Kuh“, „Schwarze“, „verrückt“. Die Vertreterin des Jugendamtes hörten sie sagen, sie hätten keine Chance.

Die beiden jüngeren Mädchen Sandra (13) und Sonja (8) wurden in Handschellen aneinander gekettet, Sophia wurden die Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Kinder gaben an, von der Polizei gezerrt und gezogen worden zu sein, wobei keine Rücksicht darauf genommen wurde, dass sie gefesselt waren und dass sie über Schmerzen klagten. Sophia sagte aus, dass man ihnen einfach nicht zugehört hätte. Die Handschellen hinterließen sichtbare und schmerzhafte Spuren an den Handgelenken. Gefesselt wurden sie ins Auto geschubst und in das Flüchtlingslager verfrachtet, immer noch gefesselt wurden sie dort wieder aus dem Auto gezerrt und in ihr Zimmer im Heim gebracht.

Die Mutter war über die Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt worden. Als die Kinder im Heim ankamen, war sie außer sich darüber, was man ihren Kindern angetan hat. Die Kinder selbst stehen unter Schock und klagen über Schmerzen.

Die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und The VOICE Refugee Forum protestieren scharf gegen diesen Akt behördlicher und polizeilicher Gewalt. Mit dem Polizeieinsatz als Reaktion auf den Hilfeschrei der drei Mädchen nach einem Leben außerhalb des Lagers und mit sozialen Kontakten hat das Jugendamt sich in jeglicher Hinsicht diskreditiert und seinen Auftrag, das Wohl der Kinder zu schützen ins Gegenteil verkehrt. Unser Protest richtet sich deshalb auch insbesondere gegen die Haltung des Jugendamts. Laut Beschluss des Familiengerichts Plauen hat das Jugendamt eine Ergänzungspflegschaft für die drei älteren Mädchen inne, für die Claudia Omoroghomwan nach dem Verkehrstod ihres Bruders und ihrer Schwägerin, der leiblichen Eltern, gemeinsam mit der vor zwei Jahren ebenfalls verstorbenen Großmutter die Sorge übernommen hat. Seit dem Beschluss wird Frau Omoroghomwan das Recht abgesprochen, über die Kinder zu entscheiden. Dass das Jugendamt als „Ergänzungspfleger“ nur zum Besten der Kinder da ist, wurde durch diese Vorgehensweise eindeutig widerlegt. Die Suche nach Schutz vor den menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Wald bei Posseck wurde vom Jugendamt nicht ernst genommen, stattdessen wurde physische Gewalt als Mittel gutgeheißen, um die Kinder dorthin zurück zu zwingen, wo ihnen der psychische Druck und die Isolation den Lebensmut nimmt.

Frau Omoroghomwan und ihre Kinder sind verzweifelt angesichts dieser Art von Verfolgung durch die deutschen Behörden. Frau Omoroghomwan hatte bereits wiederholte Male ohne Erfolg versucht, einen Umzug in eine normale Wohnung in eine Stadt genehmigt zu bekommen. Nach dem jüngsten Vorfall ist ein Weiterleben in Posseck und im Vogtlandkreis nicht mehr möglich.

Das Karawanenetzwerk und The VOICE Refugee Forum unterstützen die Forderung Frau Omoroghomwans nach einer sofortigen Umverteilung nach Halle, wo die Familie durch den Anschluss an religiöse Gemeinschaften und die afrikanische Kultur ihre soziale Isolation überwinden kann. Wir rufen alle Kinderschutz- und Menschenrechtsorganisationen auf, sich in Absprache mit uns für den Schutz, die Gesundheit und eine menschenwürdige Lebenssituation der Familie einzusetzen.

Wir appellieren an das Bundesamt für Migration, unverzüglich eine Entscheidung über das Asylgesuch der jüngsten Tochter Dammiana zu treffen, die ihr den nötigen Schutz vor der drohenden Beschneidung gewährt, den ihr Heimatland Nigeria nicht bietet.

Bitte schließt euch unserem Protest gegen diese behördliche Gewalt in Sachsen an und helft uns, diesen Aufruf zu verbreiten!

Weitere Informationen und Kontakt Personen:
Mai Zeidani, Tel.: 0172 393 1225 und Mbolo Yufanyi, Tel.: 0170 8788124

sowie unter:
Posseck Flüchtlingslager: Ein Bericht des The VOICE Refugee Forum – Treffens in Jena >> http://www.thevoiceforum.org/node/796
http://www.thevoiceforum.org

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The VOICE Refugee Forum Jena
Adresse: Schillergässchen 5, 07745 Jena Tel. Handy 0049(0) 17624568988,
Fax: 03641 / 42 02 70,
E-Mail: thevoiceforum@emdash.org,
Internet: http://www.thevoiceforum.org
Gegründet: 1994, Arbeitsweise: Kampagnen,Aktionen, Vernetzung.
Publikationen: E-Newsletter
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Linke Zeitschriftenschau

Posted by entdinglichung - 19. Mai 2008

* Das linke, republikanisch-sozialistische Webzine The Blanket aus Nordirland wird leider eingestellt, eine undogmatische Stimme der nordirischen Linken jenseits von Anpassung an den politischen Mainstream à la Sinn Fein aber auch jenseits von (links-)nationalistischem, zuweilen hirnlosem Militarismus à la CIRA/RSF, IRSP/INLA und RIRA wird fehlen … in der Abschiedsausgabe findet mensch eine Reihe Artikel zur Geschichte des irischen Republikanismus, zum Anpassungsporozess von Sinn Fein an den britischen Staat und an die bürgerliche Gesellschaft und zum Abschied von The Blanket.

* In der aktuellen Ausgabe der linksradikalen Zeitschrift Challenge aus Israel findet mensch u.a. einen Artikel von Asma Agbarieh-Zahalka zu den gegenwärtigen Klassenauseinandersetzungen in Ägypten und den damit verbundenen Hoffnungen, dass die ägyptische ArbeiterInnenklasse im Bruch mit Staat, Nationalismus und Islamismus ihre Klassenunabhängigkeit erkämpfen könne und einen von Yossi Wolfson zur Situation von Flüchtlingen aus afrikanischen Staaten in Israel.

* Auf der Homepage des Webzines Socialist Voice aus Kanada findet mensch den lesenswerten Artikel Food Crisis: Capitalism, Agribusiness, and the Food Sovereignty Alternative von Ian Angus; (Teil 1 und Teil 2)

* Ein Artikel von Malik Miah in der neuen Against the Current analysiert die politisch-theologischen Hintergründe der umstrittenen Aussagen von Reverend Jeremiah Wright (der Pastor „von Barack Obama“) und lokalisiert diese in der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der schwarzen Befreiungstheologie und stellt heraus, dass Martin Luther King, Jr. durchaus vergleichbares gesagt hat.

* Ansonsten ist auch eine neue Ausgabe der Gurgaon Workers News mit Berichten zur sozialen Situation und Klassenkämpfen in der indischen Boomtown Gurgaon im Bundesstaat Haryana erschienen.

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