Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 23. Mai 2008

SCHEISS EM 2008!

Posted by entdinglichung - 23. Mai 2008

Nachfolgend dokumentiert ein lesenswerter Artikel von einem Genossen der RSO (aus der Feder der AGM, einer der beiden Vorgängerorganisationen der RSO stammt übrigens ein auch heute noch aktueller Text zur WM 1998) aus Österreich zur in Kürze beginnenden Fussball-EM in Österreich und in der Schweiz; … bleibt noch anzufügen, dass auch diesmal das Ziel des Ausscheidens des BRD-Teams in der Vorrunde gilt:

SCHEISS EM 2008!

Gegen Kommerz, Repression und Nationalismus

Sie naht mit großen Schritten: Die Fußball-Europameisterschaft der Männer vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und der Schweiz. Und sie wirft bereits ihre Schatten voraus: Bei Billa, einem offiziellen UEFA Euro 2008-Shop, gibt es offizielle UEFA Euro 2008-Berner Würstel zu kaufen, die Post bietet ein Fußballsparbuch an und wer Angst vor Hooligans hat, kann bei der Wiener Städtischen eine „Vandalismus-Versicherung“ abschließen. Ach ja, Fußball wird auch gespielt. Doch der Preis für spannende Matches und schöne Tore ist hoch: Preissteigerungen, ein Ausbau von Repression und Überwachung, ein Aufflammen des Nationalismus und nicht zuletzt eine weitere Kommerzialisierung des Fußballsports sind zu erwarten.

Der moderne Fußball hat in seiner über 150-jährigen Geschichte mehrere Phasen durchlaufen. Vom exklusiven Sport britischer Eliteschulen entwickelte er sich Ende des 19. Jahrhunderts in vielen europäischen Ländern rasch zum Lieblingssport der (männlichen) Industriearbeiterschaft. Zahlreiche ArbeiterInnenvereine entstanden, die Spiele waren teilweise proletarische Massenspektakel. Vor allem nach 1945 setzte aber seitens der herrschenden Klassen der Versuch ein, den ArbeiterInnensport Fußball durch Kontrolle und Instrumentalisierung in den Griff zu bekommen. Besonders in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs (aber auch anderer Sportarten) zu bemerken. Dabei gerät das eigentliche Spiel immer mehr zur Nebensache, die großen Vereine mutieren zu Fußball-Konzernen (oft Aktiengesellschaften) und die Bewerbe werden zunehmend nach den Bedürfnissen von Sponsoren und Medienwirtschaft ausgerichtet (z.B. in punkto Beginnzeiten oder Modus – siehe etwa die UEFA Champions League). Und jede Fußball-Großveranstaltung stellt einen weiteren Schritt in diese Richtung dar.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in der weltweiten Umgestaltung des kapitalistischen Systems seit den 70er Jahren begründet. Als das so genannte „Wirtschaftswunder“ Mitte der 70er Jahre sein Ende fand, wendete das Kapital zahlreiche Strategien an, um die Profitraten wieder zu heben. Privatisierungen oder der neoliberale Umbau des „Sozialstaats“ wären hier etwa zu nennen. Eine Strategie war aber auch, bisher nicht oder nur wenig „vermarktwirtschaftlichte“ Gesellschaftsbereiche für die Kapitalverwertung zu erschließen. Dazu gehört auch der Fußball.

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Ein CDU-Plakat von 1946

Posted by entdinglichung - 23. Mai 2008

gefunden auf trueten.de … bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass dort von einem „wahren Sozialismus“ gesprochen wird, welchen knapp 100 Jahre vor der Erstellung dieses Plakates zwei intelligente Menschen hier und dort kritisiert hatten:

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Streiflichter aus Britannien

Posted by entdinglichung - 23. Mai 2008

Es gibt Aussagen, welche mensch nicht oder kaum kommentieren muss, so diejenigen von Dr. Bruce Charlton von der University of Newcastle … in seinen – auf tendenziell (nicht immer unbedingt bewusst) rassistisch und klassistische angelegte IQ-Test basierenden Ergüssen, welche eine Meldung der BBC zitierte – kommt der ganze Klassenhass der britischen Upper Class zum Vorschein … höchste Zeit, dass sich vielleicht einmal Class War seiner annimmt:

Dr Charlton said: „The UK Government has spent a great deal of time and effort in asserting that universities, especially Oxford and Cambridge, are unfairly excluding people from low social-class backgrounds and privileging those from higher social classes.

„Yet in all this debate a simple and vital fact has been missed: higher social classes have a significantly higher average IQ than lower social classes.“

The fact that so few students from poor families get into Oxbridge is not down to „prejudice“ but „meritocracy“, he said.

Ansonsten fasst folgendes Statement von Pierre Bourdieu eigentlich alles gut zusammen:

„Die Klassifizierung durch die Schule ist eine legitimierte und wissenschaftlich ausgewiesene soziale Diskriminierung. Hier findet man auch die Psychologie wieder, mit ihrer von Anfang an tatkräftigen Unterstützung des Funktionieren des Schulsystems. Das Auftauchen von Intelligenztests wie dem Binet-Simon-Test hängt damit zusammen, dass dank der Schulpflicht Schüler in das Schulsystem kamen, mit denen dieses Schulsystem nichts anzufangen wusste, weil sie nicht „prädisponiert“ waren, nicht „begabt“, das heißt, nicht von ihrem familialen Milieu her mit jenen Prädispositionen ausgestattet, die die Voraussetzung für das normale Funktionieren des Schulsystems sind: Kulturelles Kapital und guter Wille in bezug auf die Schulabschlüsse. Diese Tests, die die von der Schule verlangten sozialen Prädispositionen messen, sind genau dazu da, jene schulischen Verdikte im voraus zu legitimieren, durch die sie legitimiert werden; daher auch ihre Aussagekraft in bezug auf den Schulerfolg“


ein irgendwie passendes Filmfragment zum Thema … ebenso adäquat, die Cartoons über Simon the Sociobiologist (hier und hier)

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