Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

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Karl Korsch: Die Wiederherstellung des Marxismus in der sogenannten „Gewerkschaftsfrage“ (1927)

Posted by entdinglichung - 20. Juni 2008

Der Artikel Die Wiederherstellung des Marxismus in der sogenannten „Gewerkschaftsfrage“ (pdf-Datei, 45 kb) von Karl Korsch aus dem Jahre 1927 aus der Zeitschrift Kommunistische Politik stellt einen Versuch dar, in der Frage gewerkschaftlicher Arbeit zu einer dem Doppelcharakter der Gewerkschaften gerecht werdenden, marxistischen Position zu gelangen, welche sich sowohl von reformistischen wie ultralinken Positionen abhebt:

„Die Marxisten wissen, dass der unmittelbare revolu­tionäre Kampf der zu einem vollen politischen Bewusstsein ihrer geschichtlichen Aufgabe aufgestie­genen proletarischen Klasse nicht am Anfang, son­dern erst am Ende einer langwierigen und auf von häufigen Rückschlägen unterbrochenen Entwick­lung des proletarischen Klassenkampfes steht, und dass in den geschichtlichen Perioden, die diesem unmittelbaren revolutionären Endkampf vorausge­hen und ihn unterbrechen, gerade die – in ihren Erscheinungen weder politischen noch revolutionä­ren – sogenannten „ökonomischen“ Kämpfe den grundlegenden und wichtigsten Bestandteil der in ihrem Endresultat revolutionären wirklichen Klassenpolitik des Proletariats ausmachen. Diese von den Arbeitergewerkschaften – oder unter Umstän­den auch ohne und gegen sie geführten Kämpfe der Arbeiter gegen die ökonomische Macht des Kapitals sind also ihrem Klassenwesen nach eben­so politische Kämpfe, wie die von den sogenannten Arbeiterparteien – und unter Umständen gegen sie – geführten Kämpfe der Arbeiter gegen die politi­sche Macht des Kapitals, den bürgerlichen Staat. Und erst durch die Verschmelzung beider Kampf­formen zu den entwickelten, einheitlichen, ökonomischen und politischen, revolutionären Klassen­kampf des Proletariats, der die ökonomische und politische Machtorganisation der Bourgeoisie zerschlägt und an ihre Stelle die Staats- und Wirt­schaftsmacht der revolutionären Arbeiterklasse, die revolutionäre Klassendiktatur des Proletariats er­richtet, wird endlich jener wirkliche Zweck erreicht, auf den auch all die isolierten „ökonomischen“ und „politischen“ Teilkämpfe der vergangenen Periode, die der äußeren Erscheinung andere Zwecke zu verfolgen schienen, in Wahrheit allein abzielten: die Konstituierung des Proletariats als Klasse. Aus dieser marxistischen Grundeinstellung zu den sogenannten „ökonomischen“ Kämpfen der Arbei­terklasse innerhalb der kapitalistischen Gesell­schaftsordnung ergibt sich folgerichtig auch das Verhältnis der Marxisten zu den aus diesen Kämp­fen heraus entstehenden und für ihre bessere Vor­bereitung, Organisierung und Durchführung be­stimmten, sei es zeitweilig, sei es dauernd auf­rechterhaltenen Koalitionen, den sogenannten „Gewerkschaften“. Im schroffen Gegensatz zu der heute in dem einen wie dem anderen Lager einge­bürgerten metaphysischen Auffassung, die die verschiedenen bestehenden gewerkschaftlichen Organisationen als lauter metaphysische Subjekte, und die einzelnen Kämpfe um Lohn, um Arbeitszeit usw. als die von diesen Subjekten ausgeübte Tä­tigkeit ansieht, die zugleich eine mechanische Trennungslinie zieht zwischen den „Gewerkschaf­ten“ und deren „ökonomischen“ Aktionen einerseits und den „Parteien“ und deren „politischen“ Aktionen andererseits, besteht die dialektische Auffassung des Marxismus darin, alle diese wechselnden Er­scheinungen im Flusse ihrer Bewegung und Ent­wicklung und ihrem wechselseitigen Zusammen­hang zu begreifen. Nebeneinander nennt Karl Marx „die Streiks, Koalitionen und die anderen Formen“ unter welchen die Proletarier vor unseren Augen „ihre Organisation als Klasse vollzie­hen“. Und er stellt fast in ein und demselben Atem­zug die beiden für die vulgäre metaphysische Auf­fassung höchst widerspruchsvolle Behauptung nebeneinander auf: „Der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Exis­tenz“ und „Jeder Klassenkampf ist ein politi­scher Kampf.“

Nur im Weg einer folgerichtigen Durchführung die­ser marxistischen, dialektischen und revolutionären Auffassung des Verhältnisses zwischen dem ge­werkschaftlichen Kampf und seiner Organisation, zwischen Ökonomie und Politik, Gewerkschaft und Partei, die in der Theorie und Praxis der marxisti­schen Epigonen bis auf geringe Überbleibsel verlo­ren gegangen und nur von der einzigen Rosa Lu­xemburg in ihrem wesentlichsten Zügen festgehal­ten worden ist, ist es möglich, zu einer Bestimmung der konkreten Stellung zu gelangen, die wir als revolutionäre Marxisten zu den verschiedenen heu­te geschichtlich bestehenden gewerkschaftlichen Organisationen einzunehmen haben, und zu den konkretesten Aufgaben, die wir als wirkliche Kommunisten in diesen Organisationen und über ihren Rahmen hinaus und gegen sie zu erfüllen ha­ben.“

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Klassenkämpfe in der rumänisch-orthodoxen Kirche

Posted by entdinglichung - 20. Juni 2008

Nachfolgend eine eigene Übersetzung einer Meldung der Presseagentur Interfax; in einer kapitalistischen Klassengesellschaft macht der Klassenkampf – auch wenn die Obrigkeiten das nicht wahrhaben wollen – auch vor der Institution Kirche nicht Halt:

Rumänische Geistliche gründen Gewerkschaften, um sich gegenüber ihren Vorgesetzten zu schützen

Bucharest, 11. Juni, Interfax – Priester aus verschiedenen Regionen des rumänischen Patriarchats haben sich Gewerkschaften angeschlossen, um ihre Interessen gegenüber der Kirchenleitung wahrzunehmen.

So haben beispielsweise vor einiger Zeit 20 Priester beim Amtsgericht von Iasi die Registrierung der Gewerkschaft Schutz der heiligen Jungfrau beantragt. 35 Geistliche aus der Provinz Oltenia erklärten ihren Beitrit zur Unabhängigen Gewerkschaft „Guter Hirte“ und ihr Bestreben, zum Schutz ihrer Rechte zu streiken.

Es tut sich ein Abgrund zwischen der Kirchenhierarchie und den Gemeindepriestern auf. Wir werden unter Druck gesetzt und haben bereits einige unserer Mitglieder verloren” erklärte der Priester Nikolay State, Vizepräsident der Gewerkschaft „Guter Hirte“ in einem Interview mit der Zeitung Gyndyl.

Er fügte weiterhin an, dass die oltenische Priester seit einigen Jahren planten, eine Gewerkschaft zu gründen. Die Hauptprobleme für die Gewerkschaftmitglieder seien die niedrigen Löhne und das fehlende Recht, Entscheidungen in Fragen, welche die Pfarrgemeinde betreffen zu fällen, ohne das vorherige Einverständnis der Diözese einzuholen.

Daneben fordern die Gewerkschaftsmitglieder das Recht, auch ohne Erlaubnis ihrer Vorgesetzen für alle politische Ämter kandidieren zu dürfen.

Der Metropolit [Erzbischof] von Oltenia drohte hingegen den Priestern, welche die Gewerkschaft gegründet hatten, mit einer möglichen Amtsenthebung.

Es gibt eine prinzipielle Unvereinbarkeit von Priesteramt und Gewerkschaftsaktivität auf Grund der priesterlichen Aufgabe, die Menschen untereinander und mit Gott zu einen und jegliche Gewerkschaftsaktivität beinhaltet Konfrontation und Trennung”, lautet die offizielle Stellungnahme des Metropoliten.

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