Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 25. Juni 2008

Turniermannschaft

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2008

Die Neue Zürcher Zeitung zum heutigen Spiel:

„Ein paar Bemerkungen zum bedrohlichen Status Deutschlands als der ultimativen «Turniermannschaft»

Nehmen wir das Wort auseinander: Turnier; Mannschaft. Die zwei Hauptwörter sind denkbar verschieden. Turnier stammt aus dem Altfranzösischen: tournier, «Drehungen machen», Pferde «im Kreis laufen lassen»; man kennt die daraus abgeleitete Bedeutung des Ritterturniers in der höfischen Kultur. Im Grimmschen Wörterbuch klingt das so: «ritterliches Waffenspiel, Wettkampf», aber auch: «Disput, Tumult». Desgleichen atmen die zum Beleg aufgereihten Zitate den Geist deutschen Mittelalters, am schönsten jene von Hans Sachs: «Du stolzer Ritter tritt zu mir / so will ich turnieren mit dir.» Oder: «War einer der ritterlichen Männer / ein Turnierer und guter Renner / war auch gerüstet wohl zu Feld.» Und schon stehen wir mitten auf dem Rasen!

Auch Nachgeborene liessen sich von der Aura des Wortes Turnier inspirieren. Clemens Brentano scheint schon in der Romantik auf Deutschlands heutigen Halbfinalgegner, die Türken in ihren roten Dresses, anzuspielen. Er schreibt von Kampfhähnen, die an einem Turnier «sich kollernd neidisch blähen / wenn sie rote Farben sehen». Ungebremst pathetisch reimt der Erschaffer des Deutschlandlieds, Hoffmann von Fallersleben, anno 1880: «Nun zieht’s zum heiligen Turniere / für Freiheit, Recht und Vaterland.»

Bei Goethe findet sich ein Satz, den Podolski und Ballack sicher jederzeit unterschreiben würden: «Mir schlug das Herz, ich atmete Turnier.» Aus der Perspektive von Nationaltrainer Löw bringt Pfarrer Eucharius Eyering die Chose 1601 in seiner Sprichwörtersammlung auf den Punkt: «Wer ritterlich will triumphieren / der muss auch ritterlich turnieren.»

Weniger lyrisch als bei «Turnier» sind die Assoziationen, die «Mannschaft» hervorruft beziehungsweise hervorrufen soll. Dieses Wort verkörpert wie wenige andere zu gleichen Teilen jene Mischung aus Bewunderung und Ängsten, die viele Leute gegenüber Deutschland nach wie vor zeigen. Gräbt man wieder im Grimmschen Wörterbuch, so wird bezeichnenderweise als erste Bedeutung nicht eine «Versammlung von Männern», das Team eben, angeführt, sondern das «Mannsein» an und für sich, «namentlich in hervorragendem Sinne».

Wenn also in französischen oder englischen Medien als Synonym für das deutsche Fussballteam konsequent von «la mannschaft» bzw. «the mannschaft» die Rede ist, so schwingt da einerseits ehrliche Ehrfurcht vor der deutschen Manneskraft mit, andererseits aber eben auch eine diffus historisierende Angst vor dem, was deutsche Männer in der Geschichte angerichtet haben und vielleicht wieder anrichten könnten: Krieg, Überfall, Tod.“

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Pathetisches und Vaterländisches von der KPD/ML

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2008

Die erst mao-stalinistische, dann an Enver Hoxha orientierte KPD/ML unter der Führung von Ernst Aust war in den 1970er Jahren nicht nur für eine an Grössenwahn grenzende, sich selbst zur Führung des doitschen Volkes erklärende und vaterländische Töne beinhaltende politische Linie sondern auch für die Produktion schlechter Agitprop-Musik bekannt, welche schon damals beim „Rest“ der Linken zu wahlweise Kopfschütteln, Ekelreaktionen oder einem ungläubigen „… dass meinen die doch nicht so, dass ist doch Satire, oder?“ führte … jedenfalls gibt es offenbar immer noch einige wenige Menschen, welche einen nicht-ironischen, bejahenden Zugang dazu haben:

Wer geht voran, wer trägt die Fahne, wer macht die düst’re Nacht uns hell? – das sind der Zukunft, wir treuen Kämpfer, das ist die KPD/ML!“ … meinten die 1976 ernsthaft so … zur Melodie von Die Arbeiter von Wien:

Das „Deutschland-Lied“ der KPD/ML … nach der Melodie des nationalistischen Ernst-Busch-Liedes „Ami go home!“ aus den frühen 1950ern … mit u.a. Zeilen wie „Sozialistische Nation, sei die DDR welch Hohn – Sozialfaschisten führ’n das Regiment, übten schmählichen Verrat, am vereinten deutschen Staat“ … es empfielt sich, beim Hören des Liedes in der Nähe einen Speimöglichkeit (Eimer, Kloschüssel, etc.) parat zu haben:

Ansonsten sei hier noch auf die 1971 von den Hamburger Gruppen SALZ und KAB produzierte Kritik an der KPD/ML
Was sind die Super-”Linken” und wie schaden sie der Sache des Proletariats? (hierfür wurde der aus SALZ/KAB hervorgegangende KB von der Aust-Gruppe als „antinationale Trotzkisten“ bepöbelt) sowie auf den Artikel Maoismus und Vaterlandsverteidigung in der theoretischen Zeitschrift der GIM Die Internationale vom August 1975 verwiesen.

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Bildung für Alle!! Sonst gibs Krawalle!

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2008

gefunden auf Indymedia … noch mehr Bilder von der heutigen GrundschülerInnen-Demo gegen den Abbau von 69 Lehrerstellen in Friedrichshain-Kreuzberg, Kürzungen der Förderstunden für benachteiligte Kinder, eine Vergrößerung der Schulklassen und die Kürzung der Stunden für Deutsch als Zweitsprache in Berlin gibt es beim Umbruch Bildarchiv.

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