Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 19. August 2008

Drei Teeplantagen in Nepal unter ArbeiterInnenkontrolle

Posted by entdinglichung - 19. August 2008

Wie die nepalesische Zeitung Kantipur berichtet (gefunden dank der informativen Webseite Revolution in South Asia) haben die in der All Nepal Trade Union Federation (Revolutionary) (ANTUF(R), CPN(M)-nahe) organisierten streikenden ArbeiterInnen dreier Teeplantagen ihre Betriebe besetzt und die Produktion unter eigener Regie wieder aufgenommen … eine Verstetigung und Ausdehnung derartiger Aktionen könnte einem revolutionären Prozess Auftrieb geben, fraglich bleibt jedoch, wie sich dergleichen mit den Garantien, welche der designierte Premierminister Prachanda von der CPN(M) der nepalesischen Bourgeoisie gegeben hat, vertragen wird:

Workers ‘take over’ tea factories, resume operations

RAM CHANDRA ADHIKARI

DHANKUTA, Aug 3 – Workers of three big tea estates, which remained closed for the last three weeks due to disputes between the management and workers, have forcefully took control of the processing factories and resumed operations.

The factories of Gurash Tea Estate, Kuwabashi Tea Plantation and Joon Tea Garden were taken into control by the workers on Friday and started tea production from Saturday.

Gopal Tamang, president of All Nepal Trade Unions Federation, a trade union closely affiliated with the Maoists, said the workers have resumed tea production and also started collecting tea leaves from the garden. He said the workers were forced to ‘capture’ the factories after the managements refused to initiate dialogues to end the deadlock and added that the takeover will continue until the managements agree to talk.

The tea estates were closed three weeks back after tea workers started protest programs demanding wage hikes, permanent appointments, and medical insurance, among others. The managements of the tea estates have been refusing to sit for negotiations citing insecurity.

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Der Attentatterich in Chile – Solidarität mit der Izquierda Cristiana

Posted by entdinglichung - 19. August 2008

Selbsternannte AnarchistInnen von der Frente Anarquista Revolucionario (FAR) haben vor einigen Tagen ein Brandanschlag gegen das zentrale Büro der Izquierda Cristiana (IC, Christliche Linke) in Santiago de Chile verübt, bei welchem ein beträchtlicher Sachschaden entstand und Menschen unmittelbar gefährdet wurden. Bei der FAR handelt es sich offenbar um einen klandestin operierenden und extrem sektiererisch orientierten Zirkel, welche bisher für einige Anschläge verantwortlich zeichnete, die IC ist eine 1971 als Ausdruck der Radikalisierung von KatholikInnen gegründete sozialistische und subjektiv revolutionäre Partei, welche sich an der Theologie der Befreiung orientiert, Teil der Unidad Popular unter Salvador Allende war, eine respektable Rolle im Widerstand gegen das Pinochet-Regime spielte und heute Teil des (notgedrungen ausserparlamentarischen) Linksbündnisses Juntos Podemos Más ist und in verschiedene derzeit ablaufende Kämpfe involviert ist. Die Aktion der Blödbacken der FAR (wenn es sich dabei nicht um eine Kreatur des chilenischen Staates oder eine von diesem manipulierte Gruppe handelt) und das dazugehörige Kommunique kann nicht unkommentiert stehen bleiben.

Zunächst muss sich die FAR die Frage gefallen lassen, wem so eine Aktion eigentlich (vom Adrenalin-Haushalt der FAR-„Kämpfer“ einmal abgesehen) – auch vor dem Hintergrund derzeitig stattfindender Kämpfe beispielsweise der Mapuche oder im gewerkschaftlichen Bereich – eigentlich nützt … die Bourgeoisie, die politische Rechte und die „Mitte-Links“-Regierung unter Präsidentin Bachelet werden allerhöchstens einige medienwirksame Krokodilstränen vergiessen und die infrastrukturelle Schwächung einer Organisation der radikalen Linken (auch vor dem Hintergrund anstehender Kommunalwahlen) durch den Brandanschlag insgeheim begrüssen. Ausserdem sollte es eigentlich klar sein, dass selbst, wenn Konflikte innerhalb der radikalen Linken bestehen, diese nie mit gewaltförmigen Mitteln „gelöst“ werden sollten … aber offenbar gab es vor dem Anschlag weder einen Konflikt zwischen FAR und IC und erstere betrachten sich ohnehin nicht als Teil der Linken:

Nos infiltramos fácilmente en su sede y los incendiamos para demostrarles a toda la izquierda revisionista chilena, que nosotros/as los/as anarquistas no vemos diferencia entre derecha, izquierda, y socialdemocracia: ¡todos/as ellos/as son sostenedores/as de los Estados! ¡Todos/as ellos/as son partidarios/as de la desigualdad social!

Ni izquierda, ni derecha, ni concertación: ¡anarquía!

Klingt irgendwie wie die Verortung mancher (rechter) Grüner um 1980 … „nicht rechts, nicht links, nicht Mitte sondern vorn/grün“ … im weiteren Passagen des Kommuniques lässt die FAR die Sozialfaschismusthese der „Dritten Periode“ wiederauferstehen und zeigt, dass sowohl eine gestörte Wahrnehmung der Realität wie vor allem der jüngeren chilenischen Geschichte – die Zeiträume 1970-73, 1973-1989 und 1989-2008 zeigen, dass es gewaltige Unterschiede zwischen der chilenischen Linken und der Rechten gibt – vorliegt:

… la cual estalló en llamas justo cuando aquellos/as fascistas de izquierda hablaban de revisionismo, elecciones de concejales, alcaldes, y de cómo se repartirán la torta parlamentaria junto al PC chileno en un tiempo más.

Schliesslich muss noch angemerkt werden, dass vor dem Hintergrund einer polizeilichen/geheimdienstlichen Überwachung von offen arbeitenden Organisationen der radikalen Linken in Chile durchaus auch davon ausgegangen werden kann, dass die Zentrale der IC auch zur Zeit des Anschlags unter Beobachtung stand, das Kommando der FAR kann (wenn es sich nicht um 15jährige rrrrradikalisierte (und gelangweilte) Gymnasiasten handelt, welche derartige Überlegungen nicht unbedingt anstellen) durchaus davon ausgehen, dass sie nicht unbeobachtet waren, als sie ihre Aktion ausführten aber weder an ihrem Tun gehindert worden sind, noch danach festgenommen wurden. Die Mitglieder der FAR sollten daher am besten die Selbstauflösung ihrer „Organisation“ beschliessen und vielleicht erst einmal ein Gedicht und einige andere Texte von Erich Mühsam lesen.

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