Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Palastrevolte in der SWP?!

Posted by entdinglichung - 12. September 2008

Offenbar tut sich einiges in der populistischen Antiimp-Organisation Socialist Workers Party (SWP) in Britannien, der Mutterorganisation von Linksruck/Marx21; nachdem in den letzten Jahren sowohl Einfluss in den „Bewegungen“ wie die Mitgliederzahl der Partei stark rückläufig waren und die Führung offenbar Mühe hatte, sich und den zum zeitungsverkauf angeworbenen Mitgliedern einzureden, dass es entweder „überall brodeln würde“ oder dass der gegenwärtige Zustand als „Ruhe vor dem Sturm“ beschrieben werden könne, hat es offenbar ohne Beteiligung der Mitgliedschaft eine Palastrevolte gegeben: John Rees und Lindsey German, die seit dem Tode vom Tony Cliff 2000 die Organisation geführt hatten wurden vom Vorsitz der SWP-Wahlpartei Left Alternative (welche aus der Konkursmasse von des von der SWP geleiteten RESPECT-Flügels hervorgegangen war) zurückgetreten, gleichzeitig wurde verlautbart, dass die durch Left Alternative sowie Rees & German verkörperte Wahlorientierung zugunsten anderer SWP-Vorfeldorganisationen zurückgefahren werden soll. Und wie es sich für derartige hinter verschlossenen Türen abgelaufene Manöver gehört, wird versucht, den ganzen Konflikt zu deckeln, die Stellungnahme im Statement der Leitung der Left Alternative vom 10. September (gefunden auf Socialist Unity) kann als Glanzstück der höflichen Umschreibung eines Fusstritts (vielleicht mit dazugehörendem Kritik-Selbstkritik-Einheit-Ritual) bewertet werden:

„The officers of the Left Alternative are sad to have to inform our members of the resignations of John Rees and Lindsey German from the officers group and National Council. However, they remain members of the Left Alternative.

John and Lindsey have been tireless members of the officers group and National Council since the inception of Respect. As National Secretary, John has provided consistent judgment and direction in the most difficult political circumstances, while Lindsey has been our inspirational Mayoral candidate in the GLA elections in both 2004 and 2008.

The National Council, at its meeting on 6th September, agreed a unanimous vote of thanks to John and Lindsey for everything they have done for our organisation. We are proud to have them as members of the Left Alternative and look forward to continuing to work with them in campaigns from Stop the War to the People before Profit Charter.“

Ansonsten sei hier noch auf zwei lesenswerte Blogbeiträge zum Thema verwiesen:

* rees and german resign from “left alternative” leadership auf the commune:

„after failing to get swp councillors elected via respect and thus deciding to break with galloway, the swp has now turned to new panaceas. not only has it drawn up a minimalist ‘people before profit charter’ with no roots in any real trade union struggles, it has turned to a brand of anti-fascist ‘activism’ which has no strategy for stopping the bnp other than calling them ‘nazis’ and lacks any class politics… but which is useful for giving swp members ’something to do’ and shoring up the group’s base.“


* Trouble at the top: The SWP’s palace coup auf Splintered Sunrise:

„One thing that’s clear is that the Left Alternative is a dead parrot. Let’s be blunt, a leadership of Martin Smith, Charlie Kimber and Chris Bambery is not designed to be attractive to the punters. What’s most likely is a return to the pre-1997 modus operandi of building a standalone sect through paper sales and agitprop campaigns, with the bulk of recruitment coming through SWSS and adults being recruited in ones and twos from strikes and demos. This is an attractive model to SWP old-timers, and from the apparatchik’s point of view – or, to put it another way, from Martin Smith’s point of view – would be the most sensible way to proceed. There is one big problem, which is that the SWP is about a fifth of the size that it was ten years ago, which would tend to cramp its style a little. But yeah, that’s probably what we’ll see happen.“

Schliesslich stellt sich die Frage, was das Ganze für die SWP-Ableger anderswo wie bspw. hier in der BRD zu bedeuten hat, wo Linksruck/Marx21 zwar kaum noch eine Aussenwirkung zeigen aber relativ erfolgreich (bis in den hessischen Landtag und in den Bundesvorstand) Posten in Die LINKE ergattern konnten, ob die Leitung in London wie früher einen Änderung der Generallinie erzwingen in den Sektionen anderswo durchsetzen kann ist dabei fraglich. Positive Impulse für einen Umgruppierungs- und Rekonstruktionsprozess innerhalb der radikalen Linken sind von den ganzen Vorgängen in der SWP jedenfalls kaum zu erwarten, haben sich die SWP und ihre Ableger weltweit in den letzten 15 Jahren doch zu sehr in einer (gemütlichen) inhaltlichen Position eingerichtet, welche in der Zeit des kalten Krieges von den reformistischen KPen eingenommen wurde – wobei SWP & Co. an deren numerische und politische Bedeutung nicht annährend heranreichen.

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