Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 26. September 2008

Vermischtes

Posted by entdinglichung - 26. September 2008

* Mehr zur aktuellen Lage in Bolivien und von der dortigen revolutionären Linken: ein Interview mit Javo Ferreira (COB/LOR-CI) auf Indymedia BRD und „the fascists make a mockery of morales’ dialogue“ auf the commune:

„Wir haben dafür gekämpft, eine unabhängige Strategie zu entwickeln, unabhängig sowohl von den Unternehmern wie von der Regierung. Wir glauben, dass die Rechten nicht in Verhandlungen oder bei Wahlen geschlagen werden können, wie in der letzten Krise zu sehen war, sondern nur durch die unabhängige Aktion der ArbeiterInnen von Land und Stadt. Die Bildung von Selbstverteidigungskomitees, die in Form von ArbeiterInnen- und BäuerInnenmilizen zentralisiert und koordiniert werden, ist ein Schlüssel, nicht nur um Massaker wie in Porvenir zu verhindern, sondern um zukünftige reaktionäre Putschpläne ein für allemal auszuradieren. Die Einheit zwischen den verschiedenen sozialen Schichten, also zwischen den ArbeiterInnen der Stadt und den BäuerInnen- und Volksorganisationen ist von zentraler Bedeutung, um eine Mobilisierung zu garantieren, die die Vernichtung der Rechten ermöglicht. Die allgemeine Besetzung von Ländereien, zusammen mit der Besetzung von Betrieben, die Einführung der kollektiven ArbeiterInnenkontrolle und die Verstaatlichung von 100% der natürlichen Ressourcen und Unternehmen, die heute in den Händen multinationaler Konzerne sind, sind die Schlüssel, um den Rechten ihre wirtschaftliche Macht zu entziehen.“

* Ein neuer lesenswerter Blog: Tendance Coatesy

* Die RSO zur SPÖ und zur Wahl in Österreich:

„Um ihre Punkte durchzubringen, hat sich die SPÖ sehr weitgehend mit der FPÖ von HC „Paintball“ Strache eingelassen. Die Wiener SPÖ meinte zwar, Strache solle im Stechschritt zurücktreten, nachdem seine jüngsten Wehrsportbilder inklusive dem vermummten Posieren mit Gewehren bekannt wurden, doch die Bundespartei reagierte sehr verhalten (wobei diese unterschiedlichen Positionierungen durchaus auch taktisch überlegt sein könnten).

Dieses Kuscheln mit dem Drei-Bier-Trinker Strache reflektiert nicht nur den Wunsch zu prinzipienlosen Blöcken mit der FPÖ im Parlament (so müssen etwa Nicht-EU-AusländerInnen dank Rot-Blau-Grün weiterhin Studiengebühren bezahlen), sondern auch die Stimmung in der sozialdemokratischen Gewerkschaftsfraktion FSG. Der Einfluss der Gewerkschaft ist nach dem BAWAG-Skandal in der SPÖ stark zurückgegangen, doch Faymann hat taktisch geschickt die FSG wieder eingebunden, um so eine Hausmacht und zahlreiche WahlkämpferInnen zu aktivieren.

Doch die Stimmung in breiten Teilen der FSG ist Pro Rot-Blau, die FPÖ-Hetze gegen migrantische KollegInnen ist offenbar kein Problem für diese Schicht von FSG-FunktionärInnen (und das ist nur konsequent, wurden doch alle Grundzüge des heutigen Fremdenrechts in den 90er Jahren unter den SPÖ-Innenministern Löschnak, Einem und Schlögl durchgezogen – Schwarz-Blau-Orange mussten nur noch leichte „Verbesserungen“ vornehmen). Wilhelm Haberzettl, Nationalratsabgeordneter, FSG-Vorsitzender und Chef der Eisenbahnergewerkschaft, der lange Zeit als klassenkämpferischer Linker in der FSG gehandelt wurde, gilt intern als Hauptvertreter, der ehemalige „kritische“ SJler und jetzige SP-Klubchef Josef Cap als Einfädler dieser Rot-Blau-Strömung

Schlussendlich bleibt eine Stimme für die LINKE trotz aller Defizite dieses Projekts wohl die politisch „sympathischste“ Wahl auf diesem Stimmzettel. Doch soziale Kämpfe werden nicht im Parlament gewonnen. Weit wichtiger ist also die Frage, ob die revolutionäre Linke in der Lage ist, sich eine eigenständige politische Verankerung in der ArbeiterInnenklasse aufzubauen und so in kommende soziale Kämpfe relevant eingreifen kann.“

* Abschliessend etwas erhellendes aus einem geschichtswissenschaftlichen Fachblatt:

“ …Denn die Vandalen benahmen sich eigentlich sehr gesittet – ganz im Gegensatz übrigens zu den Römern selbst.

Die Vandalen hingegen zeichneten sich durch ihre sittliche Reinheit aus. Trotzdem bezeichneten zunächst die Italiener, dann die Franzosen blinde Zerstörungswut als Vandalismus. Historiker glauben, dass diese Bezeichnung einmal etwas mit nationalen Streitigkeiten zu tun hatte.“

Posted in Österreich, Bolivien, Fundstücke, Klassenkampf, Kommunismus, Norderstedt, Rassismus, Rechtspopulismus, Sozialismus, Trotzkismus, Wahlen | Leave a Comment »

Es gibt nichts zu feiern! – Aufruf der AG/R zum 3. Oktober 2008

Posted by entdinglichung - 26. September 2008

Nachfolgend dokumentiert der Aufruf der GenossInnen der Anarchistischen Gruppe / Rätekommunisten AG/R zum 18. Jahrestag des Anschlusses der DDR:

Nationalfeiertag in Hamburg

3. Oktober: Es gibt nichts zu feiern!

Dieses Jahr findet der deutsche Nationalfeiertag in Hamburg statt. Wir unterstützen die Gegendemo des Bündnisses „Hart Backbord!“ aus Hamburger autonomen und antifaschistischen Gruppen (deren Aufruf unter http://antifahamburg.blogsport.de).

Mit der Öffnung der Staaten des Warschauer Pakts und der deutschen Wiedervereinigung, die eher einer Annexion gleichkam, ist die Nachkriegsordnung endgültig beseitigt worden. Mit dramatischen Konsequenzen:

Deutschland gelang es, sich der von den Alliierten auferlegten Fesseln zu entledigen. Eine zuvor nicht vorstellbare Militarisierung mit zahlreichen Kriegseinsätzen ist die Folge. Deutschland konnte seine internationale Position nicht nur ökonomisch ausbauen und arbeitet an der Seite Frankreichs zielstrebig an seiner Weltmachtrolle. Kaum ein Konflikt auf der Welt findet statt, ohne dass Deutschland sich einmischt. Unter der Flagge der Verteidigung der Menschenrechte hat sich Deutschland zu einem der aggressivsten imperialistischen Staaten gemausert.

Nach innen fielen Schranken, die das osteuropäische Wirtschaftsmodell einst setzte. Seit nicht mehr zu befürchten ist, dass die westdeutschen Leidtragenden des Kapitalismus den Vergleich zur vermeintlich sozialistischen DDR aufmachen (und diese möglicherweise vorziehen), hat ein Sozialabbau in ungeheurem Maßstab begonnen. Massenarbeitslosigkeit und Hartz-Gesetze haben zur Verarmung größerer Teile des Proletariats und zu einer Radikalisierung der Ausbeutungsverhältnisse geführt. Der Angriff auf die Lebensbedingungen der abhängig Beschäftigten ist umfassend.

Es gibt also viele Gründe gegen das Deutschland des Kapitals zu sein!

Um die Menschen dennoch bei der Stange zu halten, bedienen Staat und Kapital sich eines nationalistischen Wir-Gefühls, dass auch am 3. Oktober bei Bratwurst, Bier und drittklassiger Musik zelebriert werden soll. Wer in dieser Gesellschaft schon nichts zu lachen hat, der soll wenigstens Stolz empfinden, dem vermeintlichen „Kollektiv Deutschland“ anzugehören. Eine angemaßte Überlegenheit über alle Nichtdeutschen wird inklusive mitgeliefert.

Gegen Ausbeutung und Unterdrückung!
Kommt zur Demo am 3. Oktober, 12 Uhr St. Pauli Hafenstraße!
Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AG/R)

Posted in Anarchismus, Antifa, Antimilitarismus, BRD, DDR, Internationales, Klassenkampf, Kommunismus, Nationalismus, Sozialismus | Leave a Comment »