Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Der „Economist“ sorgt sich um den Kapitalismus …

Posted by entdinglichung - 22. Oktober 2008

… mensch sollte sich nicht um den Kapitalismus sondern wegen dem Kapitalismus Sorgen machen … , Claus Peter Ortlieb weist in seinem Artikel Ohne Ausweg auf Exit! auf das Rauschen im wirtschaftsliberalen Blätterwald hin:

In der dem Neoliberalismus nicht ganz fern stehenden Financial Times Deutschland (FTD) finden sich seit einigen Wochen unter der gemeinsamen Überschrift „Das Kapital“ angenehm zynische Kommentare zur aktuellen „Krise des Finanzkapitals“; angenehm, weil sie sich von der Rhetorik des Die-Krise-als-Chance, die sich in der politischen Klasse und den meisten Medien ausgebreitet hat, wohltuend abheben; zynisch, weil sie – in diesem redaktionellen Umfeld kein Wunder – die Leserinnen und Leser auf das System festnageln, dessen Ausweglosigkeit sie gerade analysieren. Das neoliberale TINA (there is no alternative) bekommt damit einen Hauch von Western-Romantik: Ein Mann geht seinen Weg, auch wenn er weiß, dass der nur in den Untergang führen kann.

und kommt mit Marx zu dem Schluss:

Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren sucht, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen, um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen; setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung – question de vie et de mort – für die notwendige. Nach der einen Seite hin ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur, wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig … zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit, und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten. Die Produktivkräfte und gesellschaftlichen Beziehungen – beides verschiedne Seiten der Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums – erscheinen dem Kapital nur als Mittel, und sind für es nur Mittel, um von seiner bornierten Grundlage aus zu produzieren. In fact aber sind sie die materiellen Bedingungen, um sie in die Luft zu sprengen.

2 Antworten zu “Der „Economist“ sorgt sich um den Kapitalismus …”

  1. jfricke said

    Na ja für eine Wirtschaftszeitung hat die FTD in den letzten Jahren immer sehr kritisch berichtet und sich damit deutlich von den Wirtschaftsteilen anderer großer deutscher Tageszeitungen abgehoben.

  2. neoprene said

    Ich war auch erstaunt, bei den Autoren von Winfried Wolfs neuer Online-Postille lunapark21.de auf so jemanden zu stoßen:

    „Lucas Zeise hat viele Jahre mit der Berichterstattung über Banken, Börsen und Finanzen in verschiedenen Wirtschaftszeitungen verbracht. Er war an der Gründung der Financial Times Deutschland beteiligt und schreibt dort noch heute regelmäßig eine Kolumne.“

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