Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 12. November 2008

Robert Kilroy-Silk im Dschungelcamp

Posted by entdinglichung - 12. November 2008

Deutschland hat(te) Jürgen W. Möllemann, Ronald Schill und Henry Nitzsche; Britannien kann im Gegenzuge mit Robert Kilroy-Silk aufwarten. Als Labour-Abgeordneter spielte er zwischen 1975 und 1986 zunächst den Harten und meinte 1975 in einem Times-Artikel, dass Sozialisten durchaus auch mal diktatorisch agieren dürfen, legte dann aber nach elf Jahren sein Mandat nieder und beschuldigte die Hard Left und die Militant Tendency ihn aus der Partei gedrängt zu haben – was zu dem Zeitpunkt, wo Neil Kinnock & Co. gerade die Vorarbeit für Tony Blairs New Labour leistete und eine Reihe von Labour-Linken von ihren Positionen oder sogar aus der Partei drängte trotz eines Enthüllungsbuches von Kilroy-Silk selbst wenig glaubhaft vermittelbar war. Da er in Labour offenbar nicht die erste Geige spielen konnte wurde er Talkmaster bei der BBC, wo er die Talkshow Kilroy [sic!] moderierte und immer im Mittelpunkt stehen durfte. Eine von ihm moderierte Quizshow namens Shafted wurde 2000 von ITV nach vier Folgen eingestellt und wurde 2006 im Penguin TV Companion als the „worst British television show of the 2000s“ bezeichnet.

Die BBC war aber furchtbar fies zu ihm als sie ihn Anfang 2004 nach einem islamkritischen antiarabischen rassistischen Ausfall im Middle England-Organ Sunday Express entliess. Daraufhin schloss sich der Gekränkte dem rechtspopulistischen Querulantenstadel UK Independence Party (UKIP) an, für welchen er prompt im Juni 2004 ins Europaparlament einzog … nur um nach einem vergeblichen Versuch, auch dort den Leithammel zu spielen nach neun Monaten die Partei wieder zu verlassen. Wenig später war Kilroy-Silk am vorläufigen Ziel seiner Träume angelangt: Mit VERITAS gründete er eine eigene „euroskeptische“ und „einwanderungskritische“ Partei welche endlich ihm ganz allein gehörte und wo alle (was nicht sonderlich viele waren) nach seiner Pfeife tanzten. Allerdings tanzten die wenigen nicht allzulange, denn nachdem die Partei bei den Unterhauswahlen im Mai 2005 durchfiel, trat er, da niemand sich mehr für ihn interessierte, von seinem Parteivorsitz zurück. Nur gelegentlich nahm die Welt nun noch Notiz von Kilroy-Silk, so als er im Februar 2007 in einer Anfrage im Europaparlament die Kaufhauskette Marks and Spencer beschuldigte, dass diese in ihren Umkleidekabinen für Frauen Zerrspiegel angebracht hätte.

Aber nun wird dies sich ändern, zusammen mit einer Reihe von Ex-Stars und anderen Mitgliedern der B- und C-Prominenz wird Kilroy-Silk an I’m a Celebrity… Get Me out of Here! – der Mutter aller Dschungelcamps – teilnehmen und vermutlich seine Erfahrungen aus vergangenen Schlammschlachten dort einbringen – und vor allem seine Publicitygeilheit befriedigen. Ob er damit seine Politkarriere befördern hilft ist hingegen sehr fraglich, zumal andere PolitkerInnen und Parteien den rassistischen und nationalistischen Kleinbürgersumpf in Britannien derzeit professioneller bedienen und repräsentieren.

stammtisch

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Essex County, Vermont, USA

Posted by entdinglichung - 12. November 2008

Im Vorfeld der Wahlen in den USA versuchte die dortige paranoide Rechte, dem Verdikt von Richard Hofstadter von 1964 gerecht zu werden und malte das Schreckgespenst eines durch die Wahl Barack Obamas drohenden Sozialismus an die Wand. Nicht nur für diese Webseite sondern offenbar auch für rund 65 WählerInnen im 6.600 EinwohnerInnen zählenden Landkreis Essex County im Nordosten des Bundesstaates Vermont ist der Sozialismus offenbar kein Schreckgespenst sondern die Alternative zur kapitalistischen Barbarei. Jedenfalls erreichte dort Brian Moore, Präsidentschaftskandidat der Socialist Party USA (SP-USA) mit 2,1% der Stimmen das landesweit beste Ergebnis für seine Kandidatur, ob dort auch noch zusätzlich Stimmen für die beiden anderen sozialistischen KandidatInnen Gloria La Riva (PSL) und Róger Calero (SWP) abgegeben wurden, war nicht in Erfahrung zu bringen. Eine Reihe vergleichsweise hoher Ergebnisse erreichten KandidatInnen der SP-USA desweiteren auch bei Regionalwahlen im Bundesstaat Michigan.

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