Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 25. November 2008

Vermischtes zur Repression

Posted by entdinglichung - 25. November 2008

1. Die Rote Hilfe zur bevorstehenden Freilassung von Christian Klar:

„Die bevorstehende Haftentlassung Christian Klars ist für uns Anlass, noch einmal an die Bedingungen der Verfolgung, Verurteilung und Inhaftierung der ehemaligen RAF-Mitglieder zu erinnern. Die Verfahren gegen mutmaßliche oder tatsächliche Mitglieder der RAF setzten grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft. Gekaufte Kronzeugen, verschwundene, unter Verschluss gehaltene oder vernichtete Beweise und Dokumente, ausgehebelte Verteidigerrechte und Sondergesetze machten und machen diese Verfahren zur offensichtlichen Farce. Der Terrorparagraph 129a erübrigte in den meisten Fällen jeden individuellen Tatnachweis. Allen Mitgliedern der RAF wurden regelmäßig sämtliche während ihrer Mitgliedschaft stattgefundenen Taten zur Last gelegt. Den besonderen Zorn der Verfolgungsbehörden zogen sich die Angeklagten insbesondere zu, wenn sie nicht bereit waren, sich selbst und andere zu belasten oder sich von ihrer eigenen Geschichte und ihren linken Zielen zu distanzieren.

Mehr als deutlich wurde dies im vergangenen Jahr, als eine antikapitalistische Äußerung Christian Klars zum Anlass genommen wurde, ihm bereits in Aussicht gestellte Hafterleichterungen zu verwehren.

Der Kampf gegen die politische Justiz und für die Freiheit der politischen Gefangenen ist mit der aktuellen Entscheidung des Oberlandesgerichts keineswegs überflüssig geworden. So sitzt mit Birgit Hogefeld ein weiteres Mitglied der RAF im Gefängnis, in Stammheim findet zur Zeit ein absurdes 129b-Verfahren gegen türkische Exil-Linke statt.“

2. Adrian Swain, Mathelehrer und Vertrauensmann der LehrerInnengewerkschaft National Union of Teachers (NUT) an der St Paul’s Way School in London droht ein Disziplinarverfahren, offiziell weil er gegen die Kleiderordnung der Schule (er unterrichtete in Turnschuhen und Trainingshose!!!) verstiess … der eigentliche Grund scheint vielmehr seine gewerkschaftliche Aktivität zu sein, die aktuelle Ausgabe der Solidarity (pdf-Datei, S. 4) dazu:

„Maths Teacher and NUT rep Adrian Swain, who works at St. Paul’s Way community school in East London, is being disciplined by his Headteacher for failing to follow the dress code imposed without any consultation. He wears trainers and tracksuit bottoms to school and has done so for the last 17 years. Suddenly it is an offence.
Adrian is refusing to back down and over the last week several of his colleagues in both his union, the NUT, and in the support staff union, Unison, have been turning up in trainers. There are to date 22 people under warning for failing to wear the correct clothes to school.
It is a well-known fact, of course, that if you put trainers on your feet, your brain turns into scrambled eggs. If unscrupulous teachers start doing this, childrens’ education will suffer.“

3. Regenbogen/Alternative Linke berichtet von prügelnden Bullen bei den Protesten gegen den „Festkommers“ des „Akademische Bismarkausschusses“ (eine Zusammenrottung von Burschenschaften und Verbindungen) am 21. November in Hamburg:

„Die Kundgebung wurde mehrfach gestört durch Aggressionen von Seiten der Polizei, die grundlos in die Versamlung reinprügelte und einen Antifaschisten verhaftete.“

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Der Teufel Bitru (1897)

Posted by entdinglichung - 25. November 2008

Der Teufel Bitru, ein Artikel aus der österreichischen sozialdemokratischen Regionalzeitung „Der Wähler – Sozialdemokratisches Organ für das Viertel unter dem Manhartsberg“ vom 29. April 1897 (mehr Informationen zur Zeitung hier, das Original hier) zum Taxil-Schwindel, als pdf-Datei (16 kb) hier:

Der Teufel Bitru

Quelle: Der Wähler – Sozialdemokratisches Organ für das Viertel unter dem Manhartsberg, 11. Jg., Nr. 9 (29. April 1897), S. 1

Im vorigen Jahre tagte in Trient ein Antifreimaurer-Congreß. Großes Aufsehen erregte damals die Darstellung des clerikalen Schriftstellers Taxil und der Miß Vaughan. Es wurde erzählt, daß dieses Fräulein im verkehre mit dem Teufel Bitru gewesen und dieses durch die Unterschrift des Teufels bestätigt. Herr Taxil und Fräulein Vaughan waren nämlich früher Freimaurer gewesen und hatten vollen Einblick in das Thun und Treiben dieser Leute erlangt. Sie waren daher auch in der Lage, über den Teufel, seine Großmutter etc. beste Auskunft zu geben. Vernünftige Menschen lachten zwar damals schon über diesen Unsinn, aber seitens der Clerikalen auf dem Trienter Congresse wurde in der Mehrheit die Glaubwürdigkeit dieser der Teufelsgeschichte angenommen und in ihren Zeitungen und Büchern diese im Volke überall verbreitet. nun ging für den Herrn Taxil die Sache aber etwas schief, und er sah sich veranlaßt, dieser Tage in einer Versammlung, welcher viele Geistliche beiwohnten, zu erklären, daß die ganze Teufelsgeschichte erlogen sei. Er sagte Folgendes: Die Sache war mit der Miß Vaughan abgemacht. Wir richteten an die Bischöfe und Cardinäle die Zuschriften und hatten guten Erfolg. Wir erhielten Antwortschreiben von allen Seiten, vom Generalsecretär Berzighi in Rom und Anderen, worin sie uns beglückwünschten; ein Prälat aus der Umgebung des Papstes ermuthigte uns wegen der Angriffe, welchen wir ausgesetzt waren. Wir sind im Besitz eines Schreibens, welches lautet:

„Mit lebhafter und tiefer Bewegung habe ich ihren Brief vom 29. November und ihr Neuvaine eucharistique gelesen. Der heilige Vater beauftragte mich, Ihnen seinen Segen mitzutheilen. Seit Langem fühlen wir für Sie. Ihre Bekehrung ist einer der größten Siege, die ich kenne. Ich lese eben ihre Memoiren, welche außerordentlich anregen … Empfangen sie auch meinen Segen und den Ausdruck meiner Ergebenheit.

Cardinal Parochi“

Die Enthüllungen des Herrn Taxil riefen in der Versammlung einen großen Tumult hervor. Von allen Seiten wurde er bedroht. Die anwesenden Priester wollten fort. Einer von ihnen, Abbé Garnier, sagte zu seiner Umgebung: „Ich mußte an diese außergewöhnliche Geschichte glauben, da ja auch die höchsten kirchlichen Würdenträger sie geglaubt haben.“

Taxil mußte unter dem Schutze der Polizei die Versammlung verlassen. So endete die Geschichte von dem Oberteufel Bitru früher als wir geglaubt hatten, und die Gläubigen sind um eine Erfahrung reicher. Der Herr Taxil und das Fräulein sollen bei der Sache eine halbe Million Francs verdient haben. Das Teufelsgeschäft ist also auch nicht schlecht, vorausgesetzt, daß man Glauben findet.

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