Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Freie Arbeiter-Union/Rätekommunisten (FAU/R): Einige Anmerkungen zur Marxistischen Gruppe (1984)

Posted by entdinglichung - 1. April 2009

Nachdem das Thema „MG-Kritik“ auch schon anderswo diskutiert wurde hier nun der durchaus treffende Text Einige Anmerkungen zur Marxistischen Gruppe (pdf-Datei, 1,76 mb) der Freien Arbeiter-Union/Rätekommunisten (FAU/R) zur Kritik der allseits heissgeliebten Marxistischen Gruppe (MG), welcher zuerst 1984 in der Nr.1 des FAU/R-Organs Alles wird gut (S. 27-32) publiziert wurde. Bei der FAU/R handelte es sich um eine Abspaltung der anarchosyndikalistischen FAU, welche anarchistische mit marxistischen und zuweilen marxistisch-leninistischen Elementen zu verbinden versuchte und von ca. 1982 bis 1990 existierte:

faur_mg_1984

aus dem Text (S. 6) … Mal sehen, ob die Gegenstandpunkt-Fraktion etwas dazu zu sagen hat … ;-):

„Die MG muß an ihren Widersprüchen zugrundegehen, falls sie ernsthaft den Versuch politischer Praxis wagen sollte. Damit meinen wir das objektiv politische Scheitern – subjektiv werden sie auf Veranstaltungen und in Kneipen sich noch lange weiter und ernsthaft die Köpfe heißreden, die als Ausgleich durch „Bölkstoff“ gekühlt werden und wodurch gleichzeitig verbrauchte Diskussionsenergien wieder aufgefrischt werden – was ein Glück! (Bölkstofff, auch “Flaschenbier“ genannt, s. Werner (Alles klar?) von Brösel, S. 23 und S. 56).
Diese (Stammtisch-)Diskussionen geben den MG-Mitgliedern allerdings einen kollektiven Zusammenhalt, der doch relativ stark ist.“

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26 Antworten to “Freie Arbeiter-Union/Rätekommunisten (FAU/R): Einige Anmerkungen zur Marxistischen Gruppe (1984)”

  1. lahmacun said

    vielen dank für deine mühe!

  2. Pent C. Klarke said

    Auf gkb.blogsport.de habe ich zu einem aktuellen Artikel über die Anti-Nato-Proteste einen Kommentar abgegeben, der leider nicht freigeschaltet worden ist und den ich daher wiederholen möchte: der „Tick“ der GSP-Leute ist, jeden konkreten, politischen Gegenstand der Kritik von der Abschaffung des Kapitalismus überhaupt abhängig zu erklären und sich damit zu bloßen Zuschauern im politischen Theater zu degradieren. Aber wenn sie z.B. die Funktion einer Einrichtung wie der Nato innerhalb der kapitalistischen Herrschaftstruktur aufzeigen, läßt sich doch daraus nicht ihre Notwendigkeit aufgrund des Kapitalismus an sich behaupten, was Voraussetzung einer solchen Kritik wäre. Weder ist der Kapitalismus mit der Nato zur Welt gekommen, noch wird er ohne sie untergehen. Umgekehrt gibt es dann aber auch keinen Anhaltspunkt, warum mit ähnlichen Organisationen/Strukturen im Sozialismus/Kommunismus (was sie genau anstreben, dazu schweigt GSP sich aus) dann Schluß sein sollte. Und gleiches gilt für alle anderen politischen Auseinandersetzungen, die der GSP führt, ob es den Feminismus, den Rassismus oder irgendeinen anderen, früher als „Nebenwiderspruch“ behandelten Gegenstand betrifft, immer wird er ursächlich mit dem Kapitalismus vereint, aber im Unterschied zu der alten „ökonomistischen“ Reduktionsweise nun mit staatlicher Gewalt („Primat des Politischen“). Paradoxerweise ist das Ergebnis eine Entpolitisierung des kritisierten Gegenstands. Folglich soll sich nichts gegen das konkrete Übel auf der Welt unternehmen lassen, wenn es nicht der abstrakten Abschaffung des Kapitalismus dient (ihrem angeblich vorauszusetzenden Begriff).

    • lieber pent c. klarke. wenn du schon ganze nächte (3:24 h – mg-designer-hut ab!) vor dem tft verschwadronierst, hättest du merken können, dass der kommentar längst freigeschaltet ist. inhaltliche antwort dauert noch ein bisschen. für’s wochenende viel spaß im tränengas!

  3. […] nur schnell ein verweis: entdinglichung hat, wie angekündigt, eine kritik an der mg digitalisiert. […]

  4. Peter said

    „der Versuch ein politisches Phänomen anhand seiner Form für uns begreifbar zu machen“

    Es hat sich an der Verlogenheit von Linken gar nicht so viel geändert die letzten 20 Jahre. Die wussten auch damals schon, dass sie INHALTE verbreiten wollen mit der FORM als Feigenblatt. Für eine inhaltliche Kritik hat es halt damals wie heute nie gereicht.

  5. […] hat gestern eine alte Kritik der FAU/R an der Marxistischen Gruppe online gestellt (via lahmacun). Wäre diese nicht so typisch für die immer noch aktuelle linke Tour, Kritiker an […]

  6. Earendil said

    Also tut mir leid, diesem Pamphlet kann ich nun überhaupt nichts abgewinnen. Das ist doch nur ne Ansammlung von Ressentiments und Unterstellungen! Die MG-Sprache sei abgehoben und unverständlich? Da sind mir gerade in der Linken aber schon ganz andere linguistische Granaten begegnet. (Gut, damals in den 80ern gab’s vielleicht so was wie Scheit, Bruhn oder auch Butler noch nicht, kenn mich da nicht so aus.) Das zitierte Flugblatt fällt zwar durch die übermäßige Verwendung von Anführungsstrichen auf, ist aber m.M.n. sonst nicht besonders unverständlich. Und wer mit denunziatorischen Vokabeln wie „verräterisch“ um sich wirft (also den moralischen Übergang [jawohl! ;)] der Stalinisten macht, dass abweichende, meinetwegen auch falsche Auffassungen immer auch böse sind), sollte sich mit Sprachkritik lieber zurückhalten.

    @Pent C. Klarke: Stimmt schon, dass der Kapitalismus nicht automatisch eine NATO hervorbringt, aber ohne eine kapitalistische Welt von konkurrierenden Nationalstaaten ergibt so ein Bündnis auch keinen Sinn.
    Ansonsten triffst du aber durchaus richtige Punkte.

  7. Die Menschen haben sich bisher stets falsche Vorstellungen über sich selbst gemacht, von dem, was sie sind oder sein sollen. Nach ihren Vorstellungen von Gott, von dem Normalmenschen usw. haben sie ihre Verhältnisse eingerichtet. Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Geschöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt. Befreien wir sie von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebildeten Wesen, unter deren Joch sie verkümmern. Rebellieren wir gegen diese Herrschaft der Gedanken. Lehren wir sie, diese Einbildungen mit Gedanken vertauschen, die dem Wesen des Menschen entsprechen, sagt der Eine, sich kritisch zu ihnen verhalten, sagt der Andere, sie sich aus dem Kopf schlagen, sagt der Dritte, und – die bestehende Wirklichkeit wird zusammenbrechen.

    Diese unschuldigen und kindlichen Phantasien bilden den Kern der neuern junghegelschen Philosophie, die in Deutschland nicht nur von dem Publikum mit Entsetzen und Ehrfurcht empfangen, sondern auch von den philosophischen Heroen selbst mit dem feierlichen Bewußtsein der weltumstürzenden Gefährlichkeit und der verbrecherischen Rücksichtslosigkeit ausgegeben wird. Der erste Band dieser Publikation hat den Zweck, diese Schafe, die sich für Wölfe halten und dafür gehalten werden, zu entlarven, zu zeigen, wie sie die Vorstellungen der deutschen Bürger nur philosophisch nachblöken, wie die Prahlereien dieser philosophischen Ausleger nur die Erbärmlichkeit der wirklichen deutschen Zustände widerspiegeln. Sie hat den Zweck, den philosophischen Kampf mit den Schatten der Wirklichkeit, der dem träumerischen und duseligen deutschen Volk zusagt, zu blamieren und um den Kredit zu bringen.

    Ein wackrer Mann bildete sich einmal ein, die Menschen ertränken nur im Wasser, weil sie vom Gedanken der Schwere besessen wären. Schlügen sie sich diese Vorstellung aus dem Kopfe, etwa indem sie dieselbe für eine abergläubige, für eine religiöse Vorstellung erklärten, so seien sie über alle Wassersgefahr erhaben. Sein Leben lang bekämpfte er die Illusion der Schwere, von deren schädlichen Folgen jede Statistik ihm neue und zahlreiche Beweise lieferte. Der wackre Mann war der Typus der neuen deutschen revolutionären Philosophen.

    http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_011.htm#I_Vorrede

  8. lahmacun said

    hm. es wird aber doch gar nicht die notwendigkeit einer umwälzung bestritten, oder?

  9. Ich finde an dem Artikel vor allem die Diffamierung der TLD infam. An der MG ist nur zu kritisieren, dass sie sich gern mit jedermann gemein macht, nur um dem Volk sympathisch zu erscheinen.

    • ansonsten hätten die ruhig erwähnen können, dass die MG nach ihrer Niederlage im Vorjahr die deutschen Staatsableitungs-Meisterschaften 1976/77 mit grossem Vorsprung vor Mehrwehrt und SOST gewonnen hatte

      • Ich bezog mich auf die Diffamierung der TLD, nicht etwa der im Artikel augenscheinlich mutmasslich gerecht abgehandelten MG.

        Der TLD gebührt ewiger Respekt. Allein schon für die Positionen zu Afghanistan und Iran bzw. den dortigen fermeintlich vortschrittlichen Revolutionen.

        Glück auf!
        Juergen

  10. Bronstein said

    Da ist wohl jemand ganz anderes an seinen Widersprüchen zugrunde gegangen.

  11. […] fortsetzung des u.a. hier begonnen, nun der scan von: Projekt Klassenanalyse. Oberfläche und Staat. Kritik neuerer […]

  12. […] hier und anderswo1 immer mal wieder ein paar Gerüchte über die MG bzw. den GegenStandpunkt verbreitet […]

  13. Pirx said

    Der Text besteht im Wesentlichen aus Geschmacksurteilen (Sprache), Diffamierungen (trinken zuviel Bier) und Klassenrassismus (um ihre Karriere betrogene Intellektuelle werden revolutionär) Um letzteres zu widerlegen: Die durchaus vorhandene Karriere wurde von vielen,die angeblich auf einen kommunistischen Funktionärsposten hofften, grade aufs Spiel gesetzt und in einigen Fällen auch verloren.
    Ein einziger Punkt verdient Beachtung: Arbeitern zu empfehlen, auf ihre Interessensvertretung zu verzichten und lieber revolutionär zu werden, wäre tatsächlich irgendwie ignorant. Aber was erzählt die FAU selber zwei Zeilen später? Die Gewerkschaftsführung ein aus Nazizeiten überliefertes Funktionärskorps das sich einen Dreck um die Bedürfnisse der Arbeiter kümmert. Also was verliert man überhaupt? Diese immer noch gerne vorgebrachte Unterstellung, Mg/Gsp würden die Alltagsbedürfnisse der Arbeiter nicht ernst nehmen, ist Quatsch. Sie macht aber auf den Fehler aufmerksam, das Bedürfniss im System zurechtzukommen (was nie sichergestellt ist) gegen die Revolution zu stellen und fordert die Klasse (jedenfalls sobald sie stark genug ist, nicht den machtlosen Einzelnen) dazu auf, sich zu entscheiden.
    Und das ist von einer revolutionären Organisation auch verdammtnochmal zu erwarten.

  14. Neoprene said

    „Sie macht aber auf den Fehler aufmerksam, das Bedürfniss im System zurechtzukommen (was nie sichergestellt ist) gegen die Revolution zu stellen und fordert die Klasse (jedenfalls sobald sie stark genug ist, nicht den machtlosen Einzelnen) dazu auf, sich zu entscheiden.“

    Dieses Alles oder Nichts hat etwas semireligiöses: Die Entscheidung wird aufs jüngste Gericht verschoben, bis dahin heißt es im Glauben stark zu bleiben, denn tun kann man als MGler ja offensichtlich eh nichts (außer weitere Glaubensgenossen zu gewinnen). Es gibt in diesem Weltbild so überhaupt keine Teilerfolge, Widersprüchlichkeiten, Gegensätze innerhalb der Klasse, Erfordernisse der Verteidigung von „Errungenschaften“ etc. Es zielt alles auf die eine große „Entscheidung“ der (Gesamt-)Klasse ab. Ich befürchte, daß das so nicht gehen wird.

  15. Nörgler said

    Marxismus-Demenzismus

    Der FAU/R-Text, der die MG kritisieren möchte, ist ein Dokument jenes grenzdebilen Paläo-Marxismus, wie ihn die kleinen Großkotze vertreten, denen an ihrer Namensgebung „Freie Arbeiter-Union/Rätekommunisten“ nicht einmal die Realsatire auffällt. Das Wenigste was darüber ist zu sagen wäre, ist die Peinlichkeit outrierter Traditionserschleichung bei eigener völliger Irrelevanz.
    Allerdings ist es schon mit der elenden Tradition des Traditionsmarxismus nicht weit her. Das sind diese Belästiger der Nerven, die Marx zu seinem Satz „Wenn eins gewiß ist, dann, dass ich kein Marxist bin“ veranlaßte.

    Was zur Begeisterung anderer Kommentatoren hier die FAUR/R vertritt, ist deckungsgleich mit den faszinierenden Emanationen meiner linken Lieblinge in den 70ern, jener Sorte großmannssüchtiger Revolutionsangeber mit der Veränderungsrelevanz Null, deren öder „Praxis!“-Krakeel nur verdecken soll, dass sie weder in der Theorie noch in der Praxis irgendeine Expertise vorzuweisen haben.

    Das grauslige Dokument, das über die MG/GSP nichts und über die FAU alles sagt, enthält die klassischen Bestandstücke traditionslinker Demenz:

    Die kleinbürgerliche Rancune gegen alles Intellektuelle; ein Deutsch, das so schlecht ist, dass es wie am Rande einer geistigen Behinderung geschrieben scheint; die Begrenzung aufs Repetieren eingelernter Standard-Sprechblasen; die völlige Unkenntnis der Marxschen Theorie; schließlich der unangenehm berührende Intellektualneid gegen jene, die sich weigern, so dumm zu sein, wie man selber.

    Dazu gehört auch die dröge Manier, Texte zu zitieren, die Marx in der sehr spezifischen Auseinandersetzung mit den Linkshegelianern geschrieben hat, wobei man wohlweislich auf den Nachweis verzichtet, inwiefern diese Texte inhaltlich mit dem aktuellen Thema etwas zu tun haben könnten. Wer, wie die FAU und die ihnen verhaßten „Revisionisten“ gleichermaßen, noch nicht einmal die (von Marx zur Veröffentlichung nie vorgesehenen) Feuerbachthesen begreift, sollte sich mit Revolutionsbelehrungen bedeckt halten. Die Antimarxischen möchten daraus Geistfeindschaft und begriffslose Werkelei legitimieren; daher leiern sie diese Thesen, besonders die 11. auch ständig ab. Dumm nur, dass Marx selbst, den sie im Munde führen aber nicht kennen, den Kapitalismus auf mehreren tausend Seiten einer intensiven Interpretation unterzog.

    Ich muß allerdings sagen, dass mir selbst bei meiner damaligen Lektüre der Resultate linker Hirntraumata selten ein derart brunzdummer Text unterkam. Wer glaubt, meine Feststellung, dass der IQ des Autors erkennbar auf der Höhe der Zimmertemperatur sich bewegt, sei überzogene Polemik, dem sage ich, dass diese Hypothese emprisch verifizierbar ist – direkt am Text. Denn beginnend auf der ersten Seite steht ein längeres MG-Zitat, das in Wortwahl, Satzbau und Grammatik zum Simpelsten gehört, dessen die deutsche Sprache überhaupt fähig ist. (Wer’s nicht glaubt: nachlesen.)
    Doch nichts ist so einfach, als dass es nicht Dumme gäbe, denen selbst dies noch zu schwierig ist:

    „Na. Liebe Leserin, lieber Leser, habt Ihr das nach dem ersten Durchlesen sogleich begriffen? Eure Antwort darauf wird gewiß Nein lauten.“ Allein für dieses schmierlappige Barmen um Zustimmung und das klebrig-anbiedernde „man/frau“hat der Autor das Langziehen der Hammelbeine sich verdient. Er fährt fort: „Es fällt auf, dass man/frau mit einmaligem Leser [er meint vermutlich Lesen; Nörgler] nicht auskommt, man/frau muß mehrfach lesen und gedanklich in verständliches Deutsch übersetzen“, als ob dieser verschimmelte Knallfrosch wüßte, was verständliches Deutsch ist. Mal davon ab, dass die zitierte MG-Passage jedem sofort verständlich ist, dessen geistige Leistungsfähigkeit über der eines Säuglings liegt, ist es doch bemerkenswert, welche Stellung des Autors zu geistigen Dingen sich hier offenbart: Es gibt – man denke nur! – Texte, die mehrfach gelesen werden müssen, welch eine Zumutung! Das erklärt denn auch, warum die intellektuell zukurzgekommene Linke die Marxsche Theorie nicht rezipiert: einfach zu viele Sätze, die man mehrfach lesen muß.

    Entsprechend das Niveau, auf dem die „Kritik“ an der MG sich bewegt. Den Verfasser stört beispielsweise, dass MG/GSP vom heiligen Vorrecht der Linken auf schlechten Kleidungsgeschmack nicht allzuviel zu halten scheint. Ich hingegen fand es nie überzeugend, wieso eine Kleidung, welche selbst die Kelly-Family zu tragen sich geweigert hätte, Ausweis revolutionärer Gesinnung sei. Auch der Einwand, einige GSPler seien nicht arm genug um den Kapitalismus kritisieren zu können, setzt gewiß neue Maßstäbe in Sachen argumentativer Solidität.
    Immerhin wissen wir nun, wie der ideale Klassenkämpfer auszusehen hat: arm im Beutel, arm im Geiste, und von der Optik her eine Vogelscheuche.

    Was ein Segen, dass diese erbärmliche Truppe nicht mehr existiert. Die schlechte Nachricht ist: Wie die Kommentare zeigen, gehen die Sekten, doch die sozialisierte linke Dummheit bleibt.

    • was der FAU/R-Text versucht (und nicht immer einlösst) ist, die Erscheinung „MG“ zu historisch-gesellschaftlich-kulturell kontextualisieren, dass das der Post-MG (für welche „materialistische Geschichtsauffassung“ offenbar ein Fremdwort ist) nicht gefällt ist dieser nicht vorzuwerfen, sehr wohl unangemessen ist, dass du in deiner Polemik mit Krankheitsmetaphern nur so um dich wirfst und die Kritik durch v.a. durch eine Pathologisierung der KritikerInnen zu wiederlegen versuchst … die MG ist letztendlich m.E. ein Produkt der deutschen Zustände der 1970er Jahre, welche von realen gesellschaftlichen Kämpfen isolierten BildungsbürgerInnen und Studis einige Räume/Spielwiesen zum „ganz rrrrradikal sein“ ohne dass diese dabei Konsequenzen fürchten mussten … dass sich in Lateinamerika bspw. ein derartiger Ansatz nicht entwickelte liegt daran, dass dort die Wirklichjkeit in ganz anderer Form zum Gedanken drängte, wo sich die Frage nach der Beschäftigung mit MG-Luxus gar nicht erst stellte

      • Nörgler said

        Der polemische Hinweis darauf, dass jemand von seinem gesunden Gehirn einen schlechten Gebrauch macht, ist keine Pathologisierung. Allerdings trägt das starrsinnige Beharren auf einer seit 150 Jahren immer wieder scheiternden Politik durchaus Züge des Wahnhaften. Auch könnte man eine Wahrnehmung „von realen gesellschaftlichen Kämpfen“, die jedenfalls am Revolutionsstandort D seit Jahrzehnten allein in den Papieren der Linken stattfinden, durchaus als Halluzinationen bezeichnen: Eine Arbeiterklasse, die mit dem Ausruf „Wir sind Opel!“ auf Knien um die Kontinuität der Ausbeutung fleht, sollte unseren linken Realkämpfern doch zu denken geben. Eine Erklärung für derlei Verhalten der Arbeiter fände man in der Marxschen Theorie, aber die ist ja nur etwas für bildungsbürgerliche Studis.

        • stimmt, die KommilitonInnen im Linguistik-Mittelseminar mit „Gegenargumenten“ zu beeindrucken ist hingegen schon die halbe Miete auf dem Weg zur Revolution ;-(

  16. Neoprene said

    „Was ein Segen, dass diese erbärmliche Truppe nicht mehr existiert“ bzw. das gleichlautende „ein Produkt der deutschen Zustände der 1970er Jahre“.
    Wie schön, daß für manche „die Geschichte“ doch recht behält. Für solche Erkenntnisse kann man offensichtlich gar nicht grenz-debil genug sein, bzw. ganz und gar nicht „rrrrradikal“. Sonst habt ihr keine Probleme?

  17. Nörgler said

    „Sonst habt ihr keine Probleme?“ (Das Personalpronomen bitte groß, auch nach der Rechtschreibreform.) Nein, in meiner Eigenschaft als Salonmarxologe habe ich sonst keine Probleme, danke der Nachfrage.

  18. […] weil auch andere hier schon geärgert wurden der […]

  19. Unzeit-gemäß said

    Die Sätze im Gegenstandpunkt sind keineswegs länger oder verschachtelter als in die in diesem FAU/R-Artikel, kommen aber im Gegensatz zu diesem weitgehend ohne linkssoziologisches Fachvokabular, Klassiker-Zitate und Szene-Sprech aus! Das Anliegen des GS besteht ja offenbar darin, den bürgerlich-demokratischen Diskurs (und mit Blick auf die studentische, linksidealistische Zielgruppe insbes. dessen sozialdemokratische Varianten) als Herrschaftsideologie zu entlarven. Und dies geschieht gerade durch einen irritierenden, ironisch-provozierenden Gebrauch des allseits bekannten bürgerlich-demokratischen Vokabulars („wir sind gegen die Kosten der Freiheit“, „die Politiker wachsen mit ihren Aufgaben“ ect.) Das ist bisweilen sehr unterhaltsam und erfrischend zu lesen!

    Die Ideologiekritik des GS taugt gewiss nicht zur Aufwiegelung des Proletariats und die MGler (den Bordigisten ähnlich) machen es sich in ihrer Abstinenz in der Tat leicht. Andererseits haben all die Gruppen, die immer von „Praxis“, „Basis“, „Strategie“ und „Taktik“ reden, ja auch keine nachhaltigen Mobilisierungserfolge in den letzten 30 Jahren vorzuweisen. Defätistisch könnte man also sagen, die MGler versuchen gar nicht erst, was erfahrungsgemäß sowieso nicht klappt …

    Die Vorwürfe „kleinbürgerliche Klassenlage“ und „Führungsanspruch“ finde ich phrasenhaft. Gibt es in Deutschland eine einzige linksradikale Gruppe, deren Mitglieder nicht mehrheitlich zumindest Abitur haben? Gibt es einen einzigen Linksradikalen, der nicht sendungsbewußt und rechthaberisch ist? Die MGler lassen das nur deutlicher raushängen.

    • stimmt, GegenstandpunktlerInnen/MGlerInnen sind/waren in aller Regel eher PhilosophInnen oder Sprach- und NaturwissenschaftlerInnen (u.a. daher auch der (idealistische, althusserianische ;-)) Unwille, die eigene Ideologie auch als Resultat (BRD=spezifischer) gesellschaftlicher Prozesse anzusehen), denen es nicht um Intervention sondern ums „Recht haben“ und die Bewahrung der eigenen Reinheit geht … ansonsten hat es in anderen europäischen Staaten mit der Aufwiegelung des Proletariats ja durchaus besser geklappt und gerade die Periode 1967-1974 hat auch in der BRD gezeigt, dass da einiges gehen könnte … und was den Wahrheits- und Führungsanspruch angeht, da kann durchaus zwischen denjenigen mit alleinseligmachendem und denjenigen mit ökumenischem Ansatz unterschieden werden

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