Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

„Jährliche Übersicht über die Verletzungen von Gewerkschaftsrechten 2009“ des IGB

Posted by entdinglichung - 12. Juni 2009

Die diesährige Übersicht kann hier eingesehen werden, aus dem Vorwort:

„Länder, in denen es leider nach wie vor zu weit verbreiteten und schweren gewerkschaftsfeindlichen Praktiken kam, waren u.a.: Kolumbien, Birma, Weißrussland, Sudan, Simbabwe, Swasiland, Iran, Pakistan und die Philippinen. Neu hinzugekommen zu dieser Liste sind in diesem Jahr Länder wie Honduras und Guatemala. In vielen anderen Ländern, in denen die begangenen Rechtsverstöße weniger eklatant sind, besteht dennoch ein genereller Trend in Richtung auf die Untergrabung der Arbeitnehmerrechte. Über Eingriffe in Gewerkschaftsaktivitäten wurde u.a. im Irak, in Kuwait, Lettland, Kirgisistan, der Russischen Föderation, der Türkei und Venezuela berichtet. Obwohl in einigen Ländern im Nahen Osten und in den Golfstaaten gewisse gesetzliche Initiativen bzw. Maßnahmen ergriffen wurden, werden den Wanderarbeitskräften in vielen dieser Länder nach wie vor die Gewerkschaftsrechte verweigert. Hinzu kommt, dass die Unternehmen unzureichende gesetzliche Bestimmungen und Inkraftsetzungsverfahren ausgenutzt haben, um die Arbeitnehmerrechte zu untergraben.

Weltweit wurden während des Jahres 2008 mindestens 76 aktive Gewerkschaftsmitglieder aufgrund ihres Einsatzes für die Arbeitnehmerrechte getötet. Lateinamerika ist mit 66 Morden weiterhin der tödlichste Kontinent für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Allein in Kolumbien verloren 49 Gewerkschafter/innen ihr Leben (darunter 16, die einer Gewerkschaftsführung angehörten, 4 davon Frauen), 25% mehr als im Jahr 2007. Aber auch in Guatemala (9), Honduras (3) und Venezuela (4), um nur einige zu nennen, wurden Gewerkschaftsmitglieder getötet. In Asien wurde über mindestens sechs Morde berichtet (in Nepal und auf den Philippinen), in Afrika über drei (Nigeria, Tunesien und Simbabwe) und im Nahen Osten über einen (im Irak).“

aus dem Kapitel zur BRD:

Diskriminierung von Gewerkschaftsmitgliedern: In Deutschland gibt es keine systematische Diskriminierung durch den Staat, aber es kommt immer wieder zu gewerkschaftsfeindlicher Diskriminierung durch Arbeitgeber. So wird auf prominente Gewerkschaftsmitglieder abgezielt; es kommt zu Entlassungen, Degradierungen, Versetzungen und Diskriminierung bei der Einstellung, vor allem dann, wenn aktive Gewerkschaftsmitglieder dem Betriebsrat angehören. Solche Diskriminierungen, die nicht selten die wirtschaftliche Existenz der Gewerkschafter massiv bedrohen, vor Gericht zu korrigieren, ist oft ein langer und schwieriger Weg.

Gewerkschaftsfeindliche Arbeitgeber: Trotz einer langen Gewerkschafts-, Tarifverhandlungs- und Mitbestimmungstradition legen zahlreiche Unternehmen erhebliche Gewerkschaftsfeindlichkeit an den Tag. In solchen Fällen erhalten z. B. externe Gewerkschaftsvertreter keinen Zutritt zu dem Betrieb und die Arbeitgeber betreiben gewerkschaftsfeindliche Propaganda.

Die Arbeitgeber können eine Arbeitnehmervertretung umgehen, indem sie ihre Unternehmen in kleinere Einheiten unterteilen. Es gibt keine vorgeschriebene Mindestmitgliederzahl für die Gründung einer Gewerkschaft, aber für die Einrichtung eines Betriebsrates sind mindestens fünf Beschäftigte erforderlich, so dass die Arbeitgeber die Gewerkschaftspräsenz durch die Schaffung sehr kleiner Organisationseinheiten indirekt schwächen können. Mediale Angriffe auf den Betriebsrat zur Untergrabung der Gewerkschaften sind eine bekannte Taktik: Die Betriebsleitungen wissen die öffentliche Meinung dadurch zu manipulieren, dass sie beispielsweise die laufenden Kosten eines Betriebsrates aufbauschen.

Gewerkschaftsfeindliche Belästigungen nehmen im Zuge von Streiks und Gewerkschaftsprotesten zu. Es gab Fälle, in denen die Polizei eingeschaltet wurde, um Gewerkschafter/innen zu „disziplinieren“, womit sie sich auf die Seite der Arbeitgeber stellte und die staatliche Neutralität verletzte.“

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