Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Iran-Update 24.06. 2009

Posted by entdinglichung - 24. Juni 2009

Weitere Artikel zum Thema auf dieser Seite unter https://entdinglichung.wordpress.com/category/iran/

Transparent mit den Namen von 75 inhaftierten StudentInnen

Transparent mit den Namen von 75 inhaftierten StudentInnen

1.) Liveticker zum heutigen Tage auf der Webseite des Guardian und auf Revolutionary Road

2.) Berichte und Bilder von Protesten von den beiden letzten Tagen auf dem Blog von HOPI, auf Rise of the Iranian People und auf Revolutionary Road, auf dem letztgenannten Blog finden sich auch zwei dokumentierte Statements von iranischen Künstler und Schriftstellerorganisationen (unter dem Gewerkschaftsstatement), auf World War 4 Report finden sich Hinweise zu weiteren Protesten und Sit-ins an iranischen Unis

3.) The Field meldet (unter „Update II“) Streikaktionen vom gestrigen Tag aus Iranisch-Kurdistan:

„According to Gooya citing Rava News, the people of Iranian Kurdistan have begun a strike in support of the people’s movement for freedom.
In response to calls for a one-day strike in Kurdistan by human rights organizations, student groups, unions, and political associations, today, Tuesday, the people of Kurdistan, in support of the people of Iran, have not gone to work.
The reporter of Rava News from Saghez, the second largest city of Kurdistan, reports that despite government warnings, 90% of the shops in the bazaar and other public places are closed, and there are plans for a calm civil protest in one of the city’s main squares.“

4.) Lesenswert: Reichtum und Armut der Islamischen Republik. Im Iran ist in den letzten 20 Jahren ein staatlich geförderter Monopolkapitalismus entstanden von Ramine Motamed-Nejad aus der aktuellen Le Monde Diplomatique:

„Um den privaten Konsum zu fördern und den Unternehmen neue Absatzmärkte zu erschließen, verlegte sich die staatliche Wirtschaftspolitik seit September 2005 vor allem auf gezielte Maßnahmen zur Kreditvergabe – eine Reaktion auf die sinkenden Realeinkommen der Unterschichten, aber auch des Mittelstands. Wie breit angelegt diese Maßnahmen sind, lässt die lange Liste der staatlich abgesicherten neuen Kreditangebote erkennen, die zum Beispiel für Rentner und Landwirte, für Studenten, frisch verheiratete Paare und Wohnungseigentümer gelten.
Das ändert nichts daran, dass sich weite Teile der iranischen Gesellschaft schon infolge der ständig gesunkenen Realeinkommen immer weiter verschuldet haben. Wie viele Menschen sich aus der Schuldenfalle nicht mehr befreien konnten, zeigt die Zahl derer, die wegen Zahlungsrückständen im Gefängnis sitzen: Das sind derzeit 12 000 (während es in den letzten zehn Jahren insgesamt 20 000 waren).
Die unnachgiebige Bestrafung der Ärmsten, die den egalitären Idealen der Islamischen Revolution widerspricht, steht in auffälligem Kontrast zur Behandlung der mächtigen Wirtschaftskonglomerate: Gegenüber denen zeigen sich die staatlichen Stellen unwillig – oder unfähig -, die ausstehenden Schulden einzutreiben.“

5.) Rise of The Iranian People dokumentiert Slogans und Forderungsprogramme der Bewegung

6.) Zum institutionellen Gefüge im Iran: Die Pasdaran: Der unaufhaltsame Aufstieg zur Macht von Ali Schirasi

7.) Aus dem Statement der iranischen ML-Organisation Partei der Arbeit Irans (Toufan):

„Die reformorientierten Kräfte wollen kleine Korrekturen im System vornehmen, um mehr an Macht und Ausplünderung beteiligt zu sein! Die Ordnung des Systems wollen sie beibehalten! Ihnen geht es nicht um die demokratischen Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, soziale Gerechtigkeit, Frauenrechte etc. der Präsidentschaftskandidat Mussavi warnt immer wieder das Regime, einzulenken, bevor die Bewegung eine eigene Dynamik entwickelt! Er ruft die Bevölkerung dazu auf, nachts auf den Dächern „Allah Akbar“ zu rufen, damit die Revolution die islamische Linie nicht verlässt, aber die Revolutionsbewegung entwickelt sich rasant. Die ersten Untergrundkomitees sind ins Leben gerufen worden! Gewerkschaften, Lehrer, Studenten, Medizinpersonal usw. solidarisieren sich mit der Bewegung! Ein Generalstreik wird das Genick des Regimes brechen und daraufhin muss gearbeitet werden. Die Massenproteste sind nicht auf einmal geboren, sondern sind das Ergebnis von vielen Streiks der Arbeiter, dem Studentenaufstand, dem Frauenwiderstand und der jahrelangen Unzufriedenheit der Bevölkerung! Die Wahlfälschung war der letzte Tropfen!“

8.) Wie erst jetzt gemeldet, wurden am 9. Juni vier der am ersten Mai 2009 in Tehran inhaftierten Gewerkschafter freigelassen:

„Reports receivied today suggest that Jafar Azim Zadeh and Ghloamreza Khani were released yesterday and Ali Kaveh Mozaffari on 9 June.
*Later, we learnt that one more detainee, Rad Saeed Yuzi, was released today.
This means that there are seven detainees left in prison; Four from the May Day arrests as well as Mansour Osanloo, Ebrahim Madadi and Farzad Kamangar.“

9.) Die Translation and Interpretation Initiative for Iranian Protesters (TIIIP) sucht nach Menschen, welche Texte aus der Bewegung im Iran aus dem Farsi ins Englische übersetzen können

10.) Human Rights Activists in Iran berichtet über die fortgesetzte Drangsalierung von führenden Mitgliedern der illegalisierten religiösen Minderheit der Bahai (ca. 1% der Bevölkerung):

„In addition to psychological pressures, such as, routinely renewing their “temporary” imprisonment, or keeping them in a high-security facility which naturally imposes considerable restrictions on the seven individuals, it is reported that their meal portions has now been reduced considerably to the point that their health is at serious risk. At the same time, prison authorities refuse to permit the families of prisoners to provide the much-needed provisions which would enable them to sustain the brutal conditions of their imprisonment.“

11.) Zur Kritik des Antiimperialismus der Narren: Reply to a Challenge over Iran von Mike Ely auf Kasama:

„In subsequent years, the Iranian theocrats have strengthened their strategic relations with a second tier of imperialists (specifically Russia, Germany and France) — relations built through trade that mocked U.S. calls for embargo, marked by European opposition to U.S.-Israeli war threats, and based on common strategic interests.
There is nothing anti-imperialist about any of this. It is the political superstructure of an economy integrated into the imperialist world markets.
Some people equate public “anti-U.S.” rhetoric in the third world with “anti-imperialism.” And using similar methods, they once painted the Soviet bloc of the 1970s as “progressive,” and since have attempted prettify oppressive states like North Korea’s feudo-revisionist monarchy, Serbia’s chauvinist Milosovic regime in the 1990s, or Iran’s oppressive theocracy now.
But we don’t live in a uni-polar world where the U.S. is the only imperialist operating. Imperialism is a economic world system — it has (historically and inevitably) different conflicting centers within it, and minor states have always found themselves pressured to align with one against the other — in the constant rivalries.
The current Iranian government has (especially since the U.S. occupation of Iraq) come into sharp strategic conflict with the U.S. But that hardly makes them “anti-imperialist” in any sense that matters — and it certainly doesn’t change their acutely reactionary character vis-à-vis their own people.“

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: