Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 18. August 2009

Die gute Nachricht des Tages: Neue Anhörung für Troy Davis

Posted by entdinglichung - 18. August 2009

Mehr Informationen hierfür das Leben und die Freiheit von Troy Davis!

On Monday August 17th the U.S. Supreme Court ordered a new evidentiary hearing for death-row inmate Troy Davis. With its ruling, the nation’s highest court decided that Davis should have another chance to prove his innocence before the state of Georgia puts him to death.

Troy Davis was convicted of killing police officer Mark MacPhail nearly two decades ago in a trial with no physical evidence. Seven out of nine state witnesses have since recanted or altered their initial testimonies in sworn affidavits. And one of the remaining witnesses is alleged to be the actual perpetrator.

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Iran-Update 18.08. 2009 – Marg Bar Jomhuriye Eslami!

Posted by entdinglichung - 18. August 2009

Weitere Artikel zum Thema auf dieser Seite unter https://entdinglichung.wordpress.com/category/iran/:

1.) Seiten mit regelmässig aktualisierter Berichterstattung: Revolutionary Road (hier auch ein Update vom gestrigen Tage), News from the struggles in Iran (HOPI), Révolution en Iran, Rise of The Iranian People und LabourStart, gesammelte Videoberichte auf Red Eye.

2.) Berichte von Frauen zu Vergewaltigung und Folter in iranischen Knästen, gefunden auf Révolution en Iran:

3.) Revolutionary Road berichtet vom geplanten morgigen Generalstreik in Iranisch-Kurdistan

4.) HOPI zu Protesten nach der Schliessung einer reformerischen Tageszeitung in Tehran:

„In response to this youths and supporters of Mehdi Karoubi fought running battles with security forces at 7 Tir Square and other places in Tehran near the headquarters of the newspaper. Whilst Karoubi has been thrown into a struggle against security forces and the judiciary he and the reformist faction offer nothing but more bloodshed for the people of Iran. For the movement to be successful the people of Iran must topple both the conservative and the reformist wings of the Islamic Republic.

At this time we are aware that at least 15 people have been arrested.“

5.) Einige Texte aus der iranischen Gewerkschaftsbewegung in deutscher bersetzung auf LabourNet (pdf-Datei)

„Die Arbeiter der Wagonhersteller Pars haben den Essraum der Fabrik total zerstört! Die Arbeiter der Wagonhersteller Pars haben aus Protest zu ihren dreimonatigen ausstehen Löhne die Fensterscheiben zerschlagen und die Tischen, Stühle und alle Bilder des Essraum der Fabrik zerstört. Die Proteste hat mit dem Schlagen der Löffel auf den Tischen vor dem Essen begonnen. Die Unaufmerksamkeit der Direktoren und Androhungen der Informationstelle der Fabrik eskalierte die Situation und führte zur Gewaltanwendungen.

Alle großen Industriefabriken sind dabei die Vertragsarbeiter darunter auch die Facharbeiter, die mehr als 15 Jahren beschäftigt sind, zu kündigen. Die Großindustrie zwingt ihre Belegschaft zur Frührente.“

6.) An Analytical Declaration on the Present Crisis and the Tasks of revolutionary Communists von der maoistischen Communist Party of Iran (MLM)

7.) Pedram Shahyar in der aktuellen Jungle World:

„Der Kern des Problems liegt in der Geopolitik. Der Nahe Osten ist in den vergangenen Dekaden zum wichtigsten Schlachtfeld geworden. Der Westen verlor in der ressourcenreichen Region an Einfluss und versuchte, dies militärisch zu kompensieren. So wurde die Region zum Aufmarschplatz westlicher Truppen. Zugleich wuchs die islamistische Bewegung von Jahr zu Jahr und von Land zu Land. Schlüsselereignis hierfür war die Revolution im Iran 1979. Die Linke und die progres­siven sozialen Bewegungen waren in der Region zunehmend und insbesondere nach 1989 marginalisiert. In dieser Konstellation schaukelten sich zwei extreme Pole innerhalb der globalen Lin­ken hoch: Die einen, die linkslackierte Avantgarde der deutschen Neokonservativen, suchten das Heil bei den westlichen Invasoren und ihren »zivilisatorischen Standards«. Die anderen sahen den Fortschritt nur in der Niederlage dieser Invasoren und hofften auf den Sieg der Gotteskrieger. Bei­de Positionen sind ein genereller Exit aus der Linken – beides sind Formen des mit Antihumanismus gesättigten Metropolenzynismus. Beide denken nur noch in Fraktionen des heutigen imperialen Gefüges, die Frage der Befreiung ist für sie erledigt. In dem, was sie tun, und in dem, was aus ihren Positionen folgt, gibt es faktisch keine Option für progressive Veränderung von unten, sondern nur die Wahl zwischen den beiden Polen der Großmächte. Die große Mehrheit der Linken hierzulande ist durch diese beiden Extreme paralysiert.“

8.) Von der Massenautonomie zum islamischen Staat. Ein Interview über die Revolution von 1979 und ihre Folgen im Iran, ein Interview mit Piran Azad (Rahe Karegar) im aktuellen ak:

„Spielt diese kurze, aber massenhafte Erfahrung der Autonomie in den Protesten heute eine Rolle?

Ja, diese Erfahrung ist sehr wichtig, obwohl die jüngere Generation, die heute protestiert, damals noch nicht dabei war. Doch solche Erfahrungen werden weitervermittelt, und heute knüpft die Jugend daran an. Aber es gibt auch einen Unterschied: Durch die neuen Kommunikationsmedien ist die heutige Protestgeneration viel stärker vernetzt. Heute kann man auch im Iran auf die Erfahrung der ganzen Welt zurückgreifen. Ein Teil der Jugend im Iran kennt sogar die Zapatisten aus Mexiko. Und sie sind in der Lage, aus der Erfahrung anderer Bewegungen zu lernen. Diese Möglichkeit gab es früher so überhaupt nicht. Damals konnte man nur auf die eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Die Kooperation in der aktuellen Revolte ist viel tiefer. Auch die politische Kultur ist heute viel weiter entwickelt. Ich denke daher auch, dass die globalen antikapitalistischen Bewegungen viel von den derzeitigen Kämpfen im Iran und den netzwerkartigen und horizontalen Organisationsformen auf den Straßen Teherans lernen können.

Das ist interessant, weil die heutige Aktivistengeneration wegen der Repression ja kaum direkt an linke Erfahrungen im Iran anknüpfen kann.

Ja, nach 1981 gab es eine organisierte Linke nur im Untergrund – oder im Ausland. Aber seit zwei Jahren treten die linken Studenten offen auf und bekennen sich zu ihren sozialistischen Ideen. Dafür werden sie zwar festgenommen, Hundert Studenten wurden mehrere Monate ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Trotzdem trauen sich die Linken heute wieder, offen zu sprechen. 25 Jahre hat es gedauert, bis das möglich war. Das zeigt auch, wie schwer die Repression 1981 war. Jeden Tag wurden Menschen hingerichtet, und viele sind verfolgt worden und im Gefängnis gelandet. Selbst Anhänger Khomeinis wurden ins Gefängnis geworfen, gefoltert und hingerichtet, weil sie Linke waren. Viele Oppositionelle sind damals geflüchtet.

Auch in der aktuellen Protestbewegung ist die Linke nicht die dominante Kraft.

Heute ist der Protest hauptsächlich gegen die autoritäre Regierung gerichtet, aber der liberale Diskurs darin ist sehr stark, stärker als der linke Diskurs, der Egalität und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Viele sagen, mit politischer Freiheit und der Einbeziehung anderer bourgeoiser Fraktionen in die Macht, wird alles besser. Dann kommen die Investoren usw. Seit 1960 ist der Iran ja ein staatskapitalistisches Land. Das hat sich auch unter den Mullahs nicht geändert. Das Einkommen kommt in die Staatskassen, und der Staat verteilt. Deshalb kritisieren die Liberalen den Staat und den Einfluss der Mullahs und versprechen, dass in einem normalen kapitalistischen System alles gut würde. Das ist fast überall auf der Welt inzwischen anders. Weltweit hat der Kapitalismus einen riesigen Legitimationsverlust erlitten. Niemand verteidigt ihn so, wie noch vor fünf Jahren. Aber im Iran ist der liberale Diskurs noch sehr stark, weil die Mullahs an der Macht sind. Die Liberalen sagen, das ist kein kapitalistisches System, sondern ein Mullah-System. Sie sagen, Ahmadineschad muss weg, weil er keine Ahnung hat und ineffizient ist. Das sind einflussreiche Interpretationen. Ich frage dann immer: Und was ist in Argentinien? Was ist in Mexiko, wo es keine Mullahs und keinen Ahmadineschad gibt? Ist da alles gut? Die wichtige Aufgabe der Linken besteht heute darin, dafür zu sorgen, dass das Problem nicht auf die Mullahs und auf Ahmadineschad reduziert wird. Unsere Aufgabe ist es, darauf hinzuweisen, dass sich auch unter einem kapitalistischen System nicht viel ändern wird. Den Diskurs müssen wir verbreitern.“

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