Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

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Zwei Texte aus der linksradikalen DDR-Opposition 1989

Posted by entdinglichung - 12. November 2009

Ein wenig Senf zum Jubiläum, Quelle beider Texte ist die Webseite DDR 1989/90 Dokumente, nachfolgend dokumentiert das Positionspapier zur Bildung einer transradikalen linken Föderative der Fr Fr Fr Fr und Schäferhunde nach Südafrika? Information der Potsdamer Antifa:

roterstern

„Positionspapier zur Bildung einer transradikalen linken Föderative“

Ende September 1989 trafen sich in der Hauptstadt Friedrichshain Vertreter verschiedener Geschmäcker und anderer fortgeschrittener Tendenzen.

Hierbei stellten wir freiwillig, noch im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte, fest, dass die sich hinschleppenden Reförmchen in einigen Ländern, sprich: die Selbsterneuerung von Staatsdoktrin, sehr wenig unseren Auffassungen vom Leben entsprechen. Angesichts unseres Zustandes halten wir eine subversive Verunstaltung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation für unerlässlich. Aus unseren Maximalforderungen erarbeiteten wir folgenden Minimalkonsens:

– Da wir keine Volksvertreter anerkennen, können wir auch keine absetzen, geschweige denn selbst welche werden.
– Druckposten sind Dreckposten.
(Das Kenntlichmachen destruktiver Elemente mittels grüner Anzüge sollbeibehalten werden.)
Friedrichshain ist autonom!
– Autonomie ist Frieden, Anarchie und Ausschlafen
– Die offenen Grenzen bleiben offen
– Der Grenzstatus zum befreundeten Kreuzberg wird von uns überprüft. Er bedarf einer Änderung.
Autonomie, aber wie?
# Das öffentliche Blasen von Trübsal in Hauptstädten, Hauptbahnhöfen und Hauptstraßen hat überhand genommen.
Wir meinen, es reicht!
Jetzt ist Fun dran! (Just for Fun)
# Kommunikationszentren und andere gemütliche Kneipen sollen offen bleiben, solange sie wollen, jedoch mindestens solange wir wollen.
# Gesetze werden je nach Bedarf außer Kraft gesetzt. Als einziges neues Gesetz wird ein Bierpreisbindungsgesetz eingeführt.
Bisher zu Überpreisen gehandeltes oder qualitativ minderwertiges Bier wird so lange zum Nulltarif verteilt, bis es alle ist.
# Der völlig unzureichende Bewuchs der Grünanlagen, Höfe und Straßenränder muss durch exzessive Bepflanzung mit Cannabis verbessert werden. Wildwuchs und Schönheit, große Blattfläche und vielfältige Nutzbarkeit dieser Pflanze werden sich entscheidend positiv auf unseren Alltag auswirken.
# Der Zuzug ausländischer Freunde ist erwünscht.
# Auswanderungsgeile dürfen ohne zu fragen in jede Richtung.
# Verweigerung ist prima Ehrendienst.
# Liebe ist freiwillig, unabhängig und dezentral.

Wir wollen nicht, dass andere uns nicht wollen. Ansonsten sind wir für jeden Blödsinn zu haben. Dabei werden wir von Vorschriften, Konsum und Konventionen terrorisiert. Das ist der Krieg gegen uns. Wenn wir uns ihren klebrigen Fäden entziehen, sind sie machtlos.

Für einen autonomen Friedrichshain!
Anarchie bleibt!
Gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus!
Patriarchen und Schwätzer raus!
Prost!
DIE FRÖHLICHEN FRIEDRICHSHAINER FRIEDENS-FREUNDE

Fr Fr Fr Fr
[04.10.1989]

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Schäferhunde nach Südafrika?
Information der Potsdamer Antifa

Am 30.11.89 fand in der Akademie für Staat und Recht (Institution, welche direkt für das Außenministerium der DDR arbeitet, Diplomaten ausbildet und somit direkten Einfluss auf die Außenpolitik der DDR ausübt) ein erstes öffentliches Gespräch über die Außenpolitik unseres Landes statt.
Ein Fachmann der Abteilung Wirtschaftsfragen sprach davon, dass man in Zukunft diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zum Apartheidstaat Südafrika, zum faschistischen Regime in Chile, zu reaktionären Staaten wie Südkorea und Taiwan aufnehmen will. Schon allein deshalb, um Vorteile der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit diesen Ländern für uns zu nutzen.

Wollen wir unsere desolate Wirtschaftslage auf Kosten der ausgebeuteten und unterdrückten Menschen in diesen Ländern aufbessern? Ist es dann nicht durchaus denkbar, dass die Mäuler konsumgeiler DDR-Bürger mit Billigfrüchten aus Südafrika gestopft werden, an dem das Blut und der Schweiß der schwarzen Südafrikaner klebt? Im Gegenzug könnte die DDR ja deutsche Schäferhunde an die südafrikanische Rassistenpolizei liefern, die dazu eingesetzt werden, die schwarze Bevölkerung zu unterdrücken, damit auch die Südfrüchte schön billig bleiben.
In Verbindung damit stellt sich für uns die Frage, wo in den letzten Wochen die Forderung der Freilassung Nelson Mandelas und anderer politischer Gefangener dieser Länder in unseren Medien geblieben ist.

Hat der Ausverkauf unserer moralischen Werte schon begonnen?
FÜR ANTlIMPERIALISTISCHE SOLIDARITÄT MIT ALLEN VÖLLERN DIESER ERDE

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