Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Die korrekte linksradikale Haltung zur Männerfussball-WM 2010?

Posted by entdinglichung - 1. Juni 2010

Soll mensch das ganze Spektakel ignorieren und sich vielleicht auf die Kritik der Leichtathletik-EM 2010 oder die Formel 1-Weltmeisterschaft oder vielleicht gar auf sinnvolle politische Arbeit konzentrieren? Oder ist die ganze Sache so unausweichlich präsent, dass mensch an einer Positionierung nicht vorbei kommt. Selbst finde ich die Handreichung der GenossInnen der AGM von 1998 nach wie vor in genereller Linie richtig und auch auf die Situation in der BRD übertragbar:

„Bei den Welt- oder Europameisterschaften steht der eigentliche Sieger, um den es in Wirklichkeit auch in erster Linie geht, jeweils bereits im Voraus fest: der dröhnende Nationalismus. Angesichts dessen kann nur davon abgeraten werden, sich an dem nationalistischen Taumel zu beteiligen und mit der Mannschaft, die vom heimischen Establishment zur höheren Ehre Österreichs aufs Feld geschickt wird, mitzufiebern. Da WMs und EMs als – durchaus politisch relevante – nationalistische Auseinandersetzungen inszeniert werden wird, kann hier nur an Karl Marx verwiesen werden: Die Arbeiter haben kein Vaterland!, oder auch an Karl Liebknecht: Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

Wir haben allen Grund und die Verpflichtung, uns gegen rechtsextreme Tendenzen im Fußball, gegen Männertümelei und gegen nationalistische „Begeisterung“ zu richten und für einen Fußball der Völkerverständigung einzutreten. Fußball ist aber nicht „an sich“ reaktionär. Wenn man sich mit der nötigen Deutlichkeit der patriotischen Stimmung entgegenstellt (und sich als Favoriten die Fußballer aus anderen Ländern aussucht), ist es durchaus auch drinnen, sich auf die WM zu freuen und auf schöne Spiele zu hoffen.“

in diesem Sinne für BRD-Vorrundenaus und guten Fussball … auch sei hier noch einmal auf einen MSZ-Artikel von 1974 verwiesen:

„Selbst der Unterschied zwischen dem Normalzuschauer und dem marxistischen Betrachter reduziert sich vor dem Fernsehschirm auf eine differenzierte Stellung zum Kommentator: während die Beliebtheit von Sportreportern daher herzurühren scheint, daß sie die Meinung der Volksseele über den Bomber der Nation artikulieren, ärgern Linke sich schwarz über die Kommentare eines Oskar Klose: diese Differenz kommt jedoch nicht aus dem Fußball, sondern aus seiner nachträglichen Interpretation. Spätestens der Torschrei eint die kritischen Köpfe mit den angeblich so manipulierten. Überlegungen des KSV, eine Demonstration gegen den Volksbetrug Fußball-WM durchzuführen, scheiterten an der Unvereinbarkeit von Demonstrationszeitpunkt und Sendetermin der Übertagung dessen, wogegen protestiert werden sollte. Wir nehmen uns davon nicht aus: Sitzungen des MSZ-Kollektivs paßten sich dem Spielplan des WM-Organisationskomitees an. Grund genug, so meinen wir, abgesehen von der Bewußtseinslage der meisten potentiellen Adressaten unserer Politik, mit den Mitteln der wissenschaftlichen Analyse einem Phänomen nachzugehen, das zunächst eher Wissenschaft behindert, als sie anzuregen.“

schliesslich kann mensch durchaus darüber spekulieren, welche Positionen gewisse Milieus der Linken und Ex- und Postlinken einnehmen:

* Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands und Gruppe Arbeitermacht: besinnungslose (militärische, nicht politische) Unterstützung des Teams des bürokratisch deformierten Arbeiterstaates Nordkoreas (im Falle der SpAD ist auch der Atomwaffeneinsatz gegen die Mannschaften Südkoreas und der USA auf dem Spielfeld mit einbezogen) … bei Spielen zwischen den Teams zweier imperialistischer Staaten für die Niederlage beider

* Stalino-Gruppen: Schwanken zwischen (ebenfalls besinnungsloser) Unterstützung Nordkoreas und des eigenen Landes

* BaHamas: USA-Team (und nachdem dieses ausgeschieden ist ein anderes „weisses Team“) gegen die Teams der „Gegenaufklärung“

* (Pseudo-)Antiimps: Teams der „Weltdörfer“ und der Völker der Welt und auch des eigenen imperialistischen Staates gegen das der imperialistischen Metropole USA

Andere Meinungen zum Thema? Bitte diskutieren … !

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6 Antworten to “Die korrekte linksradikale Haltung zur Männerfussball-WM 2010?”

  1. nestor said

    Normalerweise habe ich ja mit jeglichen nationalen Kollektiven wenig am Hut, allerdings muss ich zugeben, dass ich von einer völlig irrationalen Wut erfasst werde, wenn die deutsche Nationalmannschaft gewinnt. In dieser Hinsicht bin ich bei jeder WM in erster Linie für den Gegner Deutschlands. Manchmal wirken frühkindliche Erfahrungen doch nach (ich sag nur: WM in Spanien 1982).

  2. marxman2010 said

    du hast die MLPD vergessen, die bestimmt die Fussball-WM als ein Zeichen der Völkerverständigung usw. versteht, aber die Profitinteressen der privaten Sponsoren und der Ausrichter (eventuell) anprangert!

  3. marxman2010 said

    und die Verteidigung Nordkoreas rockt!

  4. Was mir heute wichtig erscheint #212…

    Übermutter: „Sabine R. aus Mannheim ist überzeugte Nationalsozialistin, Moderatorin des wichtigsten deutschsprachigen Naziforums, Anti-Antifa-Aktivistin und Mutter von zehn Kindern. Neben ihrem bürgerlichen Leben mit Eigenheim und Ehrenamt marschiert …

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