Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Rettet das Faultier – Weniger Arbeit, mehr Leben!!! (ca. 1999)

Posted by entdinglichung - 10. Juni 2010

Rettet das Faultier – Weniger Arbeit, mehr Leben!!! (pdf-Datei, 118 kb), ein Paul Lafargue zitierender, immer aktueller Handzettel aus der Zeit um 1999, welcher vermutlich aus dem Milieu der Wildcat stammt (oder nicht? korrigiere mich gerne):

9 Antworten to “Rettet das Faultier – Weniger Arbeit, mehr Leben!!! (ca. 1999)”

  1. marxman2010 said

    nett, aber naiv.

  2. irgendwas said

    Aus zwei Gründen find ich’s falsch, sich die Parloe „Gegen Arbeit“ auf die Fahnen zu schreiben. Erstens deshalb, weil Arbeit ja so an und für sich nichts schlechtes, sondern – wie Marx, so weit ich mich gerade erinnere, sie definiert – der „praktische Vollzug menschlicher Selbstverwirklichung“ ist. Zu bekämpfen gilt es ja die Arbeit unter dem Kommando des Kapitals, nicht aber Arbeit an sich, was schlichtweg absurd wäre (was willst du denn in der im Kommunismus einmal viel grösseren frei zur Verfügung stehenden Zeit tun?).
    Zweitens halte ich den Kampf gegen Arbeit für eine in der momentanen Situation strategisch und inhaltlich falsche Parole, die die meisten Menschen – in durchaus begründeter Angst vor dem Fall in die Arbeitslosigkeit, was im Kapitalismus nun mal an die materielle Existenz gehen kann – nicht verstehen können, ja nicht ganz zu unrecht als zynisch empfinden.

  3. marxman2010 said

    ich denke, der Reformismus, mit all seinen linken und rechten Spielarten hat die Arbeiterklasse weltweit ganz schön versaut, was die Frage nach Widerstand gegen den Fluch ein Arbeiter, eine Arbeiterin zu sein, angeht. Daher ist das obige Flugblatt tatsächlich eher ein individueller Fluchtplan aus dieser Scheisse, obwohl ich schon gelesen habe, dass sie das anders meinen und verstanden haben wollen.
    Und ich stimme Irgendwas zu, wenn er sagt, dass der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit derzeit das wichtigste ist.
    Und ich halte die Parole von der Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle Hände, verbunden mit dem Kampf für einen Sturz des Kapitalismus ansich, besser, als die Illusion zu schüren, man könne die Lohnarbeit so abschaffen, wie es das Flugblatt beschreibt.

  4. ciodo said

    Arbeit meint doch, nach meinem Verständnis, Lohnarbeit.

    Da halte ich die Parole doch für sinnvoll, da die meisten Menschen „mehr Arbeit“ fordern und sich der Absurdität ihres Denkens gar nicht bewusst sind. Forderungen wie „weniger Arbeit“ können stutzig machen und (ganz altmodisch) zum Nachdenken anregen. Und vielleicht kommt der ein oder andere dann auf die Idee, dass nicht Arbeit das Ziel sein sollte, sondern das Auskommen aller bei so wenig Anstrengung wie möglich. Damit wir alle unseren Hobbies nachgehen können, oder so.

  5. Unzeit-gemäß said

    Ich finde die Parole „Gegen die Arbeit“ richtig. Zu sagen, Arbeit sei – „eigentlich“! – „praktischer Vollzugs menschlicher Selbstverwirklichung“ ist idealistisch und kontrafaktisch. Der Kapitalismus beutet Arbeit ja nicht nur aus, er veranlasst sie i.d.R. überhaupt erst (er kreiert Professionen,initiert Projekte, von denen die Hälfte außerhalb des Kapitalismus keinen Sinn ergeben würden); wenn sich Arbeit mal mit naturnotwendigen oder einer Spaß bringenden Tätigkeiten deckt, ist dies ja reiner Zufall.

    • irgendwas said

      @Unzeit-gemäß: Idealistisch ist es, Arbeit überhaupt und nicht die bestehenden Produktionsverhältnisse anzugreifen. Dass der Kapitalismus Arbeit „in der Regel“ überhaupt erst veranlasst, stimmt so nicht. Das Problem ist vielmehr, dass im Kapitalismus das Existenzrecht des/der Einzelnen faktisch an Lohnarbeit gebunden ist. Dadurch gerät die Verkürzung der für die gesellschaftliche Reproduktion notwendigen Arbeitszeit nicht zum Wohl der Arbeitenden. Ausserdem gebe ich dir recht, dass der Kapitalismus Projekte und Professionen erschafft, die nur innerkapitalistisch nötig sind. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass dafür eine nichtkapitalistische Gesellschaft wiederum andere, ihr eigene Tätigkeiten erfordert (solche der Planung etwa). Trotzdem – und da sind wir uns (denk ich) einig: das für die gesellschaftliche Reproduktion notwendige Arbeitspensum könnte in einer nicht kapitalistischen Gesellschaft massiv gesenkt werden.
      Ob wir dann die Tätigkeiten, die nicht derselben dienen, sondern frei gewählt sind, „Arbeit“ nennen oder nicht ist letztlich ein Streit um Worte, oder?

      @ Ciodo: es gibt eine Logik des Überlebens im Kapitalismus und es gibt eine Logik, die auf andere Gesellschaftsformen weist. In der Logik des Kapitalismus, der nun mal die aller meisten Menschen heute unterworfen sind, ist es nicht absurd mehr Arbeit(splätze) zu fordern (aus oben genanntem Grund). Natürlich ist eine solche Forderung reformistisch. Aber es ist die Forderung, die so in Ungefähr (und mit vielen Widersprüchen und Ungleichzeitigkeiten) das Bewusstsein der Mehrzahl heutiger Arbeiter_innen wiedergibt, ganz einfach deswegen, weil sie – und das zu recht – Angst haben, nicht nur den Job sondern damit auch ihre Existenz zu verlieren. Hier gilt es meiner Meinung nach anzusetzen: denn diese Angst, die sehr vielen Menschen heute nur allzu gut vertraut ist, ist nun wirklich eine, die ganz und gar alleine die kapitalistische Produktionsweise erzeugt. Die heute zum Nachdenken animierende Parole wäre also eher: Soziale Sicherheit gibt es nur ohne Kapitalismus.

      • Unzeit-gemäß said

        @Irgendwas:

        Einerseits stimmt es zwar, dass der Arbeitszwang im Kapitalismus ein indirekter ist, dass der Arbeiter um „seine Arbeit“ bangt, da er sie ihm Lebensunterhalt bedeutet, und dass dass die Forderung nach „Abschaffung der Arbeit“ angesichts konjunktur- oder rationalisierungsbedingter Entlassungen etwas seltsam klingen kann. Andererseits aber schimpft der Arbeiter (sofern er nicht akut entlassungsbedroht ist) ausgiebig auf „die viele Arbeit“, assoziert „Arbeit“ ganz klar mit Arbeitshetze und bringt jene durchaus mit „dem Chef“ in Verbindung! Selbst dem am wenigsten klassenbewußten Arbeiter ist irgendwo klar, dass es etwas ruhiger zugehen würde, wenn der Chef einfach ein paar Leute mehr einstellen würde. Und die meisten kommen nach kurzem Nachdenken schnell darauf, warum der Chef dies nicht tun wird. Nun ist es aber gerade die Glorifizierung der „Arbeit“, die die meisten Arbeiter dann davon abhält, das Bedürfnis nach Verkürzung der Arbeitszeit und Senkung der Arbeitsdichte selbstbewußt zu artikulieren.

        Die Frage ist, WO die Linke hier ansetzen sollte: Bei der Existenzangst oder bei der Verärgerung über die Arbeitshetze. Ich meine, eher bei letzterer, denn Existenzangst führt zur Akzeptanz von immer schlechteren Tarifen („Hauptsache man hat Arbeit“) – Unmut über Arbeitshetze hingegen in den Konflikt mit der Kapitalseite. Aus diesem Grund, finde ich, macht es Sinn, sich stark auf die ‚instinktive‘ Arbeitsunlust und die entsprechenden Unmutsäußerungen beziehen und im Alltag gegen die eng mit dem Wort „Arbeit“ verknüpfte Moral zu polemisieren.

  6. […] religiösen Autoritäten und den Bedürfnissen v.a. der ländlichen wie städtischen Massen nach unproduktiver Zeit wie auch nach eigensinniger Sinnstifftung war – gebrochen, die Regierung Portugals hat laut […]

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