Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 25. Juni 2010

Brutaler Angriff auf Mansoor Osanloos Schwiegertochter

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2010

Quelle der nachfolgend dokumentierten Meldung: Julias Blog

Mansour Osanloos Schwiegertochter entführt und brutal misshandelt

25. Juni 2010 von Julia 

Veröffentlicht bei Iran Labor Report am 25. Juni 2010
Quelle (Englisch): http://iranlaborreport.com/?p=958 

Die Organisation Human Rights and Democracy Activists in Iran [HRDAI] berichtet über die brutale Entführung und Misshandlung der Schwiegertochter des Gewerkschaftsführers der Teheraner Gewerkschaft der Busbetriebe in Teheran „Vahed „, Zoya Samadi in Karaj. Die gewaltsame Verhaftung erfolgte am 23. Juni um 17:30 Uhr am Metro-Terminal in Karaj, als Zoya gerade auf dem Nachhauseweg von der Arbeit war. Zeugen sahen, wie Zoya von Sicherheitsagenten an den Haaren aus dem Waggon gezerrt wurde, wobei sie laut rief: „Ich bin die Schwiegertochter von Osanloo“. Die Angreifer verklebten ihr daraufhin mit Klebeband den Mund und nahmen sie mit. 

Drei Agenten brachten Zoya Samadi im Auto an einen unbekannten Ort, wo sie sie in einer Zelle mit Handschellen und Ketten fesselten und ihr die Augen verbanden. Sie banden sie fest und folterten sie über lange Zeit. Sie wurde brutal geschlagen, zumeist ins Gesicht und auf den Kopf, ihr Kopf wurde mehrfach gegen die Wand geschlagen. Sie erlitt Verletzungen am Zahnfleisch, an den Zähnen, am Kopf sowie Schnitte an den Armen und am rechten Bein. Ihr gesamter Körper weist Anzeichen der erlittenen Folter auf. Die Sicherheitsagenten, die sie folterten, schrieen auf sie ein: „Du musst versprechen, dass Osanloo nicht hierbleibt und nichts tun wird, wenn er aus dem Gefängnis freikommt.“ 

Nachdem sie gefoltert und körperlich schwer misshandelt worden war, wurde Zoya gegen 21:45 Uhr unter der Seyyed Khandan-Brücke in Teheran ausgesetzt. Ihr wurde gesagt, dass sie sich nicht beschweren und mit niemandem über das Erlebte sprechen dürfe. 24 Stunden danach hatte sich Zoya Samadi noch immer nicht von dem Schock erholt. Sie hatte monatelang Drohbotschaften von Sicherheitsagenten erhalten und war ein Mal von Abteilung 14 des Revolutionsgerichts vorgeladen worden.
Das Gericht bestreitet, Zoya damals vorgeladen zu haben. 

Im letzten Jahr war sie bereits geschlagen worden und war nur knapp einer Entführung entgangen. 

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

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Archaeology Today

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2010

1.) Die These, das die BewohnerInnen des minoischen Kretas womöglich aus der Levante stammten, gar eine semitische Sprache gesprochen haben könnten, kommt bei griechischen NationalIstinnen nicht so gut an, wie Nera Ide auf ChronoLogs berichtet (Hat Tip to kritische Geschichte) … anzumerken ist, dass der Begriff „Semiten“ und „semitische Sprachen“ erst 1781 von August Ludwig von Schlözer (unter Rückgriff auf die Völkertafel in 1. Buch Moses, Kapitel 10) erfunden wurde und den realen historischen Subjekten vor 3500 den Begriff gar nicht bekannt war:

“ … Die ganze lokale Prominenz ist zu der Buchvorstellung geladen worden und hat sich tatsächlich eingefunden. Der Saal ist voll. Metaxia Tsipopoulou ist beglückt. Noch. Sie schaut in den Mienen der vielen Gäste, die sich plötzlich versteinern, als sie Christakis’ These vorträgt, die keineswegs neu ist: Die Minoer waren keine Griechen. Sie kamen aus dem Osten. Wahrscheinlich aus der Levante.

Unmut im Auditorium. Murren. Füßescharren.

Der Autor Kostis Christakis meldet sich zu Wort „Ob es nun einigen gefällt oder nicht, die Minoer sind ein semitischer Stamm gewesen“, sagt er selbstbewusst.

Tumultartige Szenen im Saal. Der frühere Präfekt von Heraklion, Dimitris Sarris, springt auf. „Sie wollen uns sagen, dass die Minoer Juden gewesen sind?“ schreit er mit überschnappender Stimme.

Das will Christakis sicher nicht, denn zu jener Zeit, als die Paläste auf der Insel entstanden und die feine Keramik gefertigt wurde, setzte man überall in der Alten Welt noch auf viele Götter. Das Eingott-Modell war noch nicht erdacht, der ewig zürnende Jahwe noch nicht geschaffen worden.

Im Saal ist die Hölle los. Die Gäste gellen, ballen die Fäuste. Sarris packt nun die Kraft seines früheren Amtes in seine Stimme: „Wir einfachen Griechen können und wollen die These von Christakis nicht akzeptieren.“

Er schaut sich triumphierend um, breitet die Arme aus. „Wir waren die Minoer. Die Minoer waren Kreter. Punktum.“

Einer aus dem Auditorium tritt nach vorn, schlägt sich theatralisch an die Brust: „Hier drinnen fühle ich, dass die Minoer Kreter waren. So wie du und du und du.“ Er zeigt mit spitzem Finger in die Menge. Bevor er auf mich deuten kann, ducke ich mich weg, auf dass er nicht lügt.

Gefühle lügen nicht, auch wenn alle Kreter lügen – aber halt, wir wollen ja nicht ins Paradoxe abdriften, die Wortbeiträge bei dieser Buchvorstellung sind paradox genug.

„Das ist doch zionistische Propaganda, dass das alte Kreta jüdisch gewesen ist.“ Das sagt einer, der keineswegs dem rechten Rand des politischen Spektrums zuzurechnen ist, sondern ein Abgeordneter der PASOK, der sozialistischen Partei Griechenlands.

Das „jüdische Kreta“ wird in den nächsten Wochen zum Topthema der Insel-Medien. Keine der vielen Verschwörungstheorien kommt zu kurz, man spricht und schreibt gar von einem „Feldzug der Juden, Kreta wenigstens in der Antike in ihren Besitz zu bringen“.

Als die Anschuldigungen bizarrer werden, die Vorwürfe gegen Tsipopoulou und Christakis immer lauter, sieht sich der Verband der griechischen Archäologen gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Die Archäologen zeigen sich besonders darüber beunruhigt, dass die Angriffe auf die Vertreter ihrer Zunft von lokalen Politikern ausgegangen sind. Der Verband verweist auf die Freiheit von Lehre und Forschung und sichert seinen Mitgliedern die volle Unterstützung zu. Einige Forscher der Insel geben aber zu verstehen, dass sie sich als kretische und nicht als griechische Wissenschaftler betrachten.“

ansonsten ein Literaturhinweis zum Thema: Heinrich Lewy: Die semitischen Fremdwörter im Griechischen (1895) und ein Zitat von Homer:

„Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere,
Fruchtbar und anmutsvoll und ringsumflossen. Es wohnen
Dort unzählige Menschen, und ihrer Städte sind neunzig:
Völker von mancherlei Stamm und mancherlei Sprachen. Es wohnen
Dort Achaier, Kydonen und eingeborene Kreter,
Dorier, welche sich dreifach verteilet, und edle Pelasger.
Ihrer Könige Stadt ist Knossos, wo Minos geherrscht hat,
Der neunjährig mit Zeus, dem großen Gotte, geredet.“

2.) Einem verwandten Thema widmet sich die neue Ausgabe des Weekly Workers mit dem zweiten Teil des Artikels von Chris Gray Homer’s ‘Iliad’ and ‘Odyssey’ in social and historical context (Teil 1 hier)

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