Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 22. September 2010

Demo gegen den „Club 88“ in Neumünster am 09. Oktober 2010

Posted by entdinglichung - 22. September 2010

Quelle des nachfolgend dokumentierten Aufrufes: Club 88 schliessen!

Nazistrukturen konsequent angreifen – brauner Ideologie bunt entgegen!

Die Nazis und ihr Club

Seit 14 Jahren schon existiert der Club 88 in Neumünster/Gadeland. Schon 14 Jahre lang werden dort ungehindert junge Menschen agitiert und für die rechte Szene gewonnen, fungiert der Club als Treffpunkt für gemeinsame Aktionen von Nazis, als Veranstaltungsort für Rechtsrock-Konzerte oder als Abfahrtsort für Nazi-Demonstrationen. Dass dem Club 88 eine immer noch tragende Rolle für die gesamte bundesweite Naziszene zukommt, ist bekannt. Im letzten Jahr haben von insgesamt acht Liedermacherauftritten in Schleswig-Holstein sieben im Club 88 mit teils bis zu 70 ZuhörerInnen stattgefunden.

Der Club 88 dient für die Nazis als fester Anlaufpunkt, um sich untereinander kennenzulernen, sich zu organisieren. Zeitweise nutzte der stadtbekannte Nazi Alexander Hardt den Club 88 dafür, sein eigenes Einkommen aufzubessern, indem er dort einen Vertrieb von Einbruchswerkzeugen anmeldete. In der Innenstadt hat sich mit der Titanic, betrieben von dem Nazi Horst Micheel, neben dem Club 88 seit nunmehr sechs Jahren ein zweiter Anlaufpunkt für Nazis in Neumünster etabliert.

Die Nazis sind unübersehbarer Bestandteil des Stadtbildes und sind hier in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Verstärkt ist dies zu Stadtfesten, im Nachtleben oder zu anderen „besonderen Anlässen“ wie z.B. der Fußball-WM festzustellen. Die überwiegende Akzeptanz der Gesellschaft erleichtert es den Nazis immer wieder, meist spontane Gewalttaten auszuüben, die in der Öffentlichkeit jedoch totgeschwiegen werden. So wurde z.B. nach der Holstenköste im Juni ein Mensch von fünf Nazis angegriffen, woraufhin dieser mit einem geplatzten Trommelfell ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ein weiterer Jugendlicher wurde nach einem internationalen Sommerfest am Bahnhof so schwer von Faschisten verletzt, dass Ärzte später im Krankenhaus um sein Augenlicht kämpfen mussten.

Zurzeit lassen zwar nur ellenlange Naziaufkleberrouten oder einige wenige Sprayereien auf einzelne organisierte Nazis schließen, denn ein Hauptteil der älteren Nazigeneration gibt sich inzwischen bürgerlich oder hat ihren Windbreaker gegen eine Rockerkutte getauscht. Doch die Nazis in Neumünster haben nur teilweise die Fassade gewechselt, das Problem bleibt weiterhin bestehen.

Von der bürgerlichen Ideenwelt und emanzipationsfeindlichen Dogmen…

Dass sich seit nunmehr 14 Jahren Clubgeschichte nichts zum Besseren in Neumünster gewandelt hat, ist auch ein Problem, das sich aus dem Verhältnis der sogenannten bürgerlichen Mitte gegenüber den Nazis ergibt.

Die Nazis sind zwar auch in diesem Verhältnis ein Problem, jedoch muss mensch sie auch als Produkt und verschärfte Form der momentan vorherrschenden kapitalistischen Struktur begreifen. Der durch den globalisierten Kapitalismus bedingte Konkurrenzkampf um wirtschaftliche Standortvorteile erzeugt nach wie vor ein Denken in Kategorien von Nation und Volk und bringt so unweigerlich Abgrenzungsideolgien wie Nationalismus und Rassismus hervor. Die VertreterInnen und TrägerInnen dieser Weltanschauung der gegenseitigen Abgrenzung sind in der sogenannten bürgerlichen Mitte zu finden. Sie legitimiert unter anderem die Ausweisung von MigrantInnen in der Institution des Abschiebeknastes am Haart in Neumünster. Die Nazis verschärfen diese Logik einer Nation mit dazugehörigem Volk, die sich gegen andere Nationen und Völker im Wettstreit um Ressourcen und Gebietsansprüche befindet, zur sogenannten „Volksgemeinschaft“, in der es keinen Platz mehr für „Nicht-Deutsche“ geben soll.

Die kapitalistische Logik im Allgemeinen erzeugt einen Zustand, in dem blinde, erfolgsorientierte „Erziehung“ – zuhause und in der Schule – das vermeintliche „Recht des Tüchtigen“ hervorhebt und Menschen in einen Zustand der Ohnmacht versetzt. Sie werden dadurch offen für die faschistische Ideologie der Nazis, die sich, obwohl auch hier auf Leistung und Ausgrenzung gesetzt wird, als Ausweg aus diesem Prozess versteht. Die Probleme, die durch die kapitalistische Produktionsweise erzeugt werden, wie die Existenz verschiedener Schichten und sozialer Unterschiede, werden (auch) von den Nazis aufgegriffen und entsprechend ihrer rassistischen und völkischen Wahnideologie aufgeladen. Die schleichende Ghettoisierung migrantisch geprägter Viertel, einhergehend mit sozialer Benachteiligung, wird auch von „bürgerlicher“ Seite als Problem der „Herkunft“ angesehen, womit die „Mitte der Gesellschaft“ weiterhin offen für rassistische Argumentationen ist.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der bürgerlichen „Extremismustheorie“, welche aktuell mal wieder stark im medialen Diskurs steht. Laut dieser gibt es neben der bürgerlich und demokratisch gefestigten Mitte links und rechts davon zwei politische „Extreme“, die die gesellschaftliche Grundordnung gefährden. Diese Theorie erklärt die bürgerlich-kapitalistische Grundordnung und ihre Prinzipien zum zu verteidigenden Status Quo und zum Ende der Geschichte. Es ist egal, ob Armut, Hunger, Krisen, Umweltzerstörung und allgemeine gesellschaftliche Verwahrlosung in ihr existiert, da auch diese Phänomene eine, wenn auch manchmal bedauerte, wichtige Funktion innerhalb dieses Systems besitzen.

Die Theorie vom politischen Extremismus macht in ihrer Bewertung von „links“ und „rechts“ keinen Unterschied darin, was als Alternative zur herrschenden Ordnung gelten soll. Hier werden vielfältige Vorstellungen über die Gestaltungsfähigkeit der Welt und ihrer BewohnerInnen hin zu einem befreiten Miteinander, wie sie von linken Bewegungen weltweit getragen werden, gleichgesetzt mit der antisemitischen, rassistischen, sexistischen, nationalistischen, faschistischen Gedankenwelt und auf das Moment der politischen Gewalt reduziert. Diese Theorie der Gleichsetzung ist unhaltbar! Doch sie ist der Grund für die staatliche Verfolgung von unabhängigen AntifaschistInnen, da die Extremismustheorie die Betonierung gesellschaftlicher Verhältnisse zum Ziel hat und die Unterscheidung zwischen „links“ und „rechts“ nicht für nötig hält.

Ein kleiner Lichtstreif am Horizont…

Doch der jahrelange antifaschistische Kampf ging auch an Neumünster nicht ganz spurlos vorbei. Strukturen wurden immer weiter gefestigt und antifaschistische Wurzeln immer tiefer verankert. So finden im Rahmen der Bündnisarbeit immer wieder Gespräche mit Vereinen und anderen Institutionen statt, die von sich aus sagen, dass sie ein Naziproblem haben und gemeinsam gegen dieses angehen wollen. Auch gibt es schon öffentliche Distanzierungen von Vereinen gegen Nazis, ihre Veranstaltungen und deren Ideologie. Dass auf Worte auch Taten folgen, zeigten engagierte BürgerInnen und entschlossene AktivistInnen z.B. am 1. Mai, als einem Haufen Nazis der Zutritt zur Veranstaltung des DGB verweigert wurde.

Wir wollen rassistischen Provokateuren und Nazis die Stirn bieten, ihnen ihren Spielraum nehmen und vor allem entschlossen gegen sie angehen. Den mittlerweile 14. Clubgeburtstag nehmen wir wieder als Anlass, Nazistrukturen in Neumünster zu thematisieren und ihnen praktisch keinen Raum zum Zelebrieren ihrer Ideologie zu lassen.

Das „Club 88“-Problem (als Synonym für den festen Bestandteil von Nazistrukturen in Neumünster) kann eine Antifa–Gruppe zusammen mit einem gut organisierten Bündnis jedoch nicht alleine lösen. Hier muss ein Problembewusstsein in der bürgerlichen Gesellschaft geschaffen werden, das über antifaschistische Lippenbekenntnisse hinaus geht. Faschistische Ideologie kann nur dort bekämpft werden, wo Nazis der Nährboden für ihre Ideen entzogen wird. In der Praxis werden notwendige antifaschistische Bestrebungen jedoch immer wieder von Seiten des Staates kriminalisiert und/oder verboten. Für uns heißt es deshalb vor allem: Alles muss mensch selber machen!

Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln den antifaschistischen Kampf weiterzuführen und voranzutreiben, begreifen wir als Weg zum Ziel, den „Club 88“ und die lokalen Nazistrukturen in Neumünster auf den Müllhaufen der Geschichte zu schicken.

Geht auf die Straße! Werdet antifaschistisch aktiv! Club 88 schließen!

Antifaschistische Demonstration
Samstag | 9.10.2010 | 18 Uhr | Neumünster Hauptbahnhof

http://www.club88-schliessen.tk
http://antifanms.blogsport.de

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75 Jahre POUM (Teil 4) – Wilebaldo Solano Homenaje

Posted by entdinglichung - 22. September 2010

Wilebaldo Solano (1916-2010)

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Aus der Welt des Dünnpfiffs

Posted by entdinglichung - 22. September 2010

heute mal nicht zu Elsässer … gibt noch genügend andere Vollpfosten … habe den meisten Kram nicht verlinkt, wer mehr lesen will (muss und braucht mensch wirklich nicht) bitte Suchmaschine benutzen:

1.) stalinistische Einzelgänger pupsen zuweilen besonders wild herum und die sich hinter dem WordPress-Blog bzw. Youtube-Kanal Maoist Rebel News verbergende Gestalt (Uniformfetischist?!) ist da ein besonders gutes Beispiel:

„… this uniform … there is a reason for it … it is a symbol of rejection for wearing a suit … it is a rejection of the bourgeois media …“

und einige Artikelüberschriften sind noch bescheuerter:

RevLeft is a Bunch of Pedophile-Zionists“ oder „Maoism and Pol Pot Myths

offenbar will ihn keine Partei haben …

2.) Lohnarbeit ist eigentlich geil … findet zumindest der Arbeitskreis Teeanager-Arbeit München des Missionswerkes Justus Wertmüller die gruppe monaco /// verein freier menschen (ao)

„Man will und kann nicht begreifen, dass gerade im Spätkapitalismus die Lohnarbeit einen emanzipatorischen Charakter annehmen kann, insofern sie dem Einzelnen die Möglichkeit verschafft, sein Leben jenseits von patriarchaler und staatlicher Bevormundung zu leben. Dass ein Arbeitsplatz, an dem man zur Akkumulation von Mehrwert beitragen kann, eben nicht nur Ausbeutung und Herrschaft bedeutet, sondern den Einzelnen im besten Falle zugleich befähigt, sich selbst als eigenverantwortliches und gesellschaftliches Subjekt wahrzunehmen anstatt als Funktionsträger einer türkischen oder sonst wie islamischen Gemeinschaftsidentität, wäre der kritische Kern, den man gegen Sarrazin aus dessen Thesen herausschälen müsste.“

Schon mein Grossvater meinte: Arbeit bildet den Charakter!

3.) frisch auf Marxists Internet Archive: Abortion, Population Control, Genocide: The ’Scientific’ Killers and Who Sent for Them der Canadian Party of Labour von 1973 … u.a. mit dem Kapitel Legalized Abortion: Barometer of Counter-Revolution in the Soviet Union and China

4.) Die Drückerkolonne Spartacist League US hat Probleme mit der Planerfüllung und wird daher bis zum Ende des Planzeitraumes ihre Mitglieder doppelt und dreifach ausbeuten und danach die Gruppe in New York wahrscheinlich nach Übersee strafversetzen:

Workers Vanguard Subscription Drive

August 19 to October 6

Local Quota
(in points)
Week 1
(Aug. 26-Sept. 1)
%

Bay Area 450 198 44%
Chicago 425 133 31%
Los Angeles 325 75 23%
New York 800 161 20%
At Large 175 28 16%

National Total 2,175 595 27%

5.) Aus einem anlässlich des Staatsbesuches von Papst Ratzinger in Britannien aktualisierten Kommuniques des International Journal of Anarchism der official IFA/IAF/AI:

„This resolution of the Anarchist International also includes the libertarian comments of Anarchon, also known as ‚the real pope in Rome‘, as opposed to the catholic beast-pope Benedict XVI. Anarchon is the elected spokesperson of AI in religious affairs, human ethics, spirituality and so on. Anarchon speaks for a) a movement toward heaven on earth, toward 100 percent anarchy and 0 percent authoritarian degree, and b) against hell on planet GAIA, i.e. economic-political systems with equal to or more than 666 per thousand authoritarian degree. That is why many call him ‚the real pope in Rome‘.

Anarchon is an atheist with a small dash of agnosticism, and promotes anarchist spirituality and human ethics, a scientific naturalistic point of view, as opposed to religion and similar, i.e. escapistic pseudo-sciences as astrology, reincarnation, supernaturalism, mysticism, so called ‚miracles‘, kabbalah, anthroposophy (Rudolf Steiner) and new-age ideology in general. If you have questions or need advice in such matters, including the ‚meaning of life‘, ‚where do we come from‘, ‚where do we go‘, ‚life and death‘ and so on, feel free to contact Anarchon – Click here! For a libertarian spirituality*!“

6.) Nachtrag: relativ merkbefreit auch die stalinistische MLPDoof in ihrem Statement zur Kandidatur in Sachsen-Anhalt 2011:

„Der Aufbau des Sozialismus in der DDR begann positiv. Nach dem 17. Juni 1953 zeigte sich bereits eine bürokratische Erstarrung der Parteiführung um Walter Ulbricht. Nachdem in der Sowjetunion auf dem 20. Parteitag 1956 eine neue Klasse von bürokratischen Kapitalisten die Macht übernommen hatte, folgte Ulbricht diesem Kurs. Alle Staaten des RGW wandelten sich in eine neue Art des Kapitalismus. Das war schwer zu erkennen. Wir wurden getäuscht. [eigene Hervorhebung, Entdinglichung] Hier begann der Niedergang, der zum Zusammenbruch 1989/90 führte. Daraus hat die MLPD Lehren gezogen.“

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