Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

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Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML): Sind lange Haare fortschrittlich? (1974)

Posted by entdinglichung - 12. Oktober 2010

Zweifelsohne ein Tiefpunkt der Ideologieproduktion der deutschen K-Gruppenszene, ein vergeblicher Versuch der KPD/ML sich mittels verschwörungstheoretischer Pseudoanalyse populärkultureller Erscheinungen in das deutsche Spiesserherz einzuschleimen, … immerhin hielten sich nicht alle KPD/ML-Mitglieder an die mode-politischen Vorgaben ihrer Parteileitung.

Der nachfolgend dokumentierte Text wurde auf Seite 6 der Ausgabe 2/1974 vom 12. Januar 1974 des Roten Morgens veröffentlicht, einen herzlichen Dank und liebe rote Grüsse an die Genossen des Projektes Materialien zur Analyse von Opposition (MAO) für das Scannen und online Stellen dieser und anderer Dokumente zur Geschichte der BRD-Linken!

Sind lange Haare fortschrittlich ?

In der Nummer 34 des Roten Morgen vom 1. September 1973 veröffentlichten wir den Brief einer Leserin aus München, in dem die Kollegin schildert, wie begeistert sie war, als sie im Gespräch mit den Verkäufern des Roten Morgen und beim Lesen unseres Zentralorgans erfuhr, daß unsere Partei sich gegen Beat-und Popmode, lange Haare, Hippy-Kleidung usw. wendet und daß diese Einflüsse auch in den Volksrepubliken China und Albanien bekämpft werden. Dieser Brief, den die Redaktion kurz kommentierte, löste unter unseren Lesem – innerhalb und außerhalb der Partei und der Roten Garde – eine große Diskussion aus. Wir wollen deshalb, um gleichzeitig auch die vielen Leserbriefe zu diesem Problem zu beantworten, noch einmal auf die Frage eingehen, welche Haltung wir Kommunisten zu schädlichen Einflüssen der bürgerlichen Ideologie in der Jugend einnehmen müssen.

Wenn wir als Kommunisten die Frage stellen, ob eine Sache richtig oder falsch ist, dann gehen wir vom Standpunkt der Arbeiterklasse an diese Frage heran. Für uns steht die Frage so: Nützt die Sache der Arbeiterklasse, dient sie der proletarischen Revolution oder nützt sie den Kapitalisten und der Reaktion und schadet sie der Arbeiterklasse? Die Antwort auf diese Frage entscheidet nicht nur Fragen der Strategie und Taktik der Revolution, sondern auch Probleme kommunistischer Moral, wie sie zum Beispiel in der Frage auf getaucht sind, welche Haltung wir zu Modeerscheinungen wie lange Haare, Hippykleidung, superkurze Miniröcke, aber auch zu Erscheinungen wie Rauschgift und Sexwelle einnehmen.

Was heisst „kommunistische Moral“?

Für uns Kommunisten gibt es keine Moral, die über den Klassen steht, keine „sittlichen Werte“. die vom Himmel fallen. Die bürgerliche Moral der Kapitalisten dient den bürgerlichen Klasseninteressen. Die Bourgeoisie will dem Proletariat ihre Moral aufzwingen, damit die Arbeiterklasse sich schicksalsgleich in Ausbeutung und Unterdrückung ergeben soll. Im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen die Kapitalistenklasse, aber entwickelt das Proletariat seine, die proletarische Moral. Sie ist ausgerichtet auf die Eigenschaften und Tugenden, die die Proleten entwickeln und fördern müssen, damit sie als Klasse in der Lage sind, die Herrschaft der Kapitalisten durch die gewaltsame Revolution zu stürzen, um die Herrschaft der Arbeiterklasse über die Ausbeuter zu errichten,

Zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Moral findet ein ständiger Kampf auch innerhalb der Arbeiterklasse statt. Wo die proletarische Moral Solidarität und Geschlossenheit fordert, predigt die bürgerliche Moral Individualismus und Konkurrenz. Wo die proletarische Moral die kameradschaftliche Partnerschaft von Mann und Frau fordert, predigt die bürgerliche Moral die Unterdrückung der Frau, ihre Degradierung zum Sexualobjekt und setzt die egoistische Verabsolutierung sexueller Befriedigung, den Aufruf, sich gegenseitig zu betrügen, an die Stelle vertrauensvoller Kameradschaft zwischen den Eheleuten. Wo die proletarische Moral den Haß auf die Kapitalistenklasse fordert, predigt die bürgerliche Moral ‚Nächstenliebe‘ gegenüber den Ausbeutern. Wo die proletarische Moral die Vorbereitung der Arbeiterklasse auf die gewaltsame Zerschlagung des kapitalistischen Systems fordert, predigt die bürgerliche Moral den Pazifismus usw.

Wie in allen Fragen müssen die Kommunisten auch im Kampf gegen die bürgerliche Kultur, durch die sie verbreitet wird, vorangehen. Vorangehen müssen die Kommunisten in der Verteidigung und Stärkung der proletarischen Moral. So wie die Kommunisten letztlich keine von den Interessen der gesamten Arbeiterklasse verschiedenen Interessen vertreten, sondern als Trupp und Vortrupp ihrer Klasse diese Interessen und den Weg zu ihrer Verwirklichung nur am klarsten erkennen und am konsequentesten dafür kämpfen, so ist auch die kommunistische Moral nur der konsequenteste Ausdruck der proletarischen Moral. Die kommunistische Moral wird entscheidend dadurch geprägt, daß den Kommunisten bewußt ist, daß ihre Partei Führerin der Arbeiterklasse und des gesamten werktätigen Volkes ist.

Unsere Haltung zu langen Haaren. Hippy-Kleidung, Beat- und Popmode usw. entscheidet sich also an der Frage, ob diese Modeerscheinungen der Kapitalistenklasse oder Arbeiterklasse, der Reaktion oder der Revolution nützen.

1, SIE SOLLEN DIE JUGEND VOM KLASSENKAMPF ABHALTEN!

Die Bourgeoisie weiss genau, daß die Jugend der aktivste und kämpferischste Teil des Volkes ist. Darum will sie verhindern, daß die Jugend erkennt, daß ihre Freiheit untrennbar mit der Freiheit des gesamten werktätigen Volkes verbunden ist, daß auch die Jugendlichen nur im Sozialismus, unter der Herrschaft der Arbeiterklasse wirklich frei sein werden.

Stattdessen versucht die Bourgeoisie der Jugend einzureden, im Kapitalismus sei jeder seines Glückes Schmied: „Hans im Glück kann jeder sein“ (bekannter Schlager). Dem Jugendlichen, der Tag für Tag 8 Stunden am Fließband oder an der Maschine steht, rufen sie zu: Raus aus dem grauen Alltag! Die verrückteste Musik, die verrückteste Kleidung, die verrücktesten Discotheken und Lokale, die verrückteste Haartracht – Hauptsache, die Jugend wird von der kapitalistischen Wirklichkeit, damit vom Klassenkampf abgelenkt.

Die Jugendlichen denken, sie würden die „Regeln der Gesellschaft durchbrechen“, ihren „eigenen Weg gehen“. Aber in Wirklichkeit wird dieser ganze Rummel ja von der Bourgeoisie aufgezogen, die dabei ja auch finanziell und politisch profitiert.

2. SIE SOLLEN DIE JUGEND IN DIE SACKGASSE DES INDIVIDUELLEN PROTESTS TREIBEN!

Natürlich sind viele Jugendliche, die lange Haare tragen, in vielen Fragen fortschrittlich. Im antiimperialistischen Kampf, im Kampf gegen den Militarismus, bei Rote-Punkt-Aktionen, Hausbesetzungen usw. fällt auf, daß ein relativ großer Anteil der kämpfenden Jugendlichen lange Haare trägt Trotzdem sind auch hier die langen Haare Ausdruck eines falschen, kleinbürgerlichen Bewußtseins.

Warum tragen diese Kollegen und Genossen lange Haare? Offensichtlich, weil sie damit ihre „Opposition“, ihren Protest gegen die bestehenden Zustände deutlich machen wollen. Dieser Widerwille gegen die kapitalistische Gesellschaft ist gut und nicht schlecht. Er ist eine günstige Voraussetzung dafür, daß diese jungen Kollegen zu Klassenkämpfen und schließlich zu Kommunisten werden.

Aber genau bei diesem spontanen Haß vieler Jugendlicher auf die kapitalistische Gesellschaft setzt auch die Bourgeoisie mit ihrer Demagogie an. Sie sagt: „Laß Dir nichts gefallen, marschiere nicht in der grauen Masse, protestiere!“ So will sie die falsche Auffassung verbreiten, im Kampf gegen den Kapitalismus käme es vor allem auf den Einzelnen, auf seinen Protest an. Von diesem individuellen Protest aber hat die Bourgeoisie nichts zu fürchten. Sie fürchtet nur, daß die Arbeiterklasse sich unter der Führung der Kommunistischen Partei zusammenschließt, um ihre Herrschaft zu stürzen.

3. SIE SOLLEN DAS VOLK SPALTEN!

Die Jugendlichen, vor allem natürlich die proletarische Jugend, sehen, daß das Leben ihrer Eltern gekennzeichnet war und ist durch Arbeit und noch mal Arbeit, häufig genug durch den Kampf um die nackte Existenz. Soll das auch ihr Schicksal sein? – Mit allen Mitteln muß die Bourgeoisie versuchen, zu verhindern, daß die Jugend erkennt, daß für die Werktätigen eine glückliche und sorgenfreie Zukunft nur im Sozialismus möglich sein wird, daß Kapitalismus, Ausbeutung und Unterdrückung für die Werktätigen bedeutet und die ständige Angst, das wenige auch noch durch Krisen, Inflation und Kriege zu verlieren.

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Statement der Kommunistischen Partei Iran zum internationalen Aktionstag gegen die Todesstrafe

Posted by entdinglichung - 12. Oktober 2010

Quelle: Webseite des Auslandskomitees der KP Iran

Statement by the Central Committee of the Communist Party of Iran on the Occasion of October 10, World Day against Death Penalty

This year October 10 the World Day Against Death Penalty is launched under the circumstances where death penalty is still carried out in 58 countries around the world and thousands of people in these countries are waiting to be executed. Considering the execution rate to the population, the Islamic regime in Iran tops the states and governments that carry out executions. As a result of people’s fights, 139 countries of the world have already abolished the death penalty in law or in practice.

Death penalty, which is an organized and conscious violence, is carried out by the government to kill and eliminate its political opponents, social dissidents and victims of the state-backed capitalist system. Capital punishment has been used along the history by the ruling classes in order to control the subordinate classes and the oppressed layers of the society. If now the majority of the capitalist countries of the world have abolished death penalty it is due to the fights by the oppressed classes and layers of the society and the freedom loving people.

In those countries where death penalty is still retained, the capitalist governments, in order to deviate the public attention from the true roots of all the social problems and insecurities, introduce death penalty as a treatment for all these insecurities and as a strong reaction to these social problems. However, according to social research experts there is no tangible or reliable evidence that death penalty is capable of preventing or decreasing crimes and social offenses. Instead, researches show that in societies where the gap between the rich and the poor is deep, the extreme poverty and other social deprivations pave the ground for the spread of crimes and offenses.

Historical experience shows that in advanced capitalist systems where the fight by the working class and freedom loving people has imposed some social reforms and welfare programs on the governments, the crime rate has declined dramatically. On the other hand, the experience so far shows the fact that where ever the governments maintain death penalty, the community is more vulnerable and the psychological backgrounds for reproduction and spread of violence and crime is more set.

In Iran, the Islamic republic which tops the world in handing down and executing death sentences, has continued this premeditated crime by relying on its reactionary and medieval Islamic laws and on the justification that the existence of death penalty can prevent crime by creating fear and horror among people; but in fact the regime has always used the death penalty more as a political weapon against the dissident, freedom loving and equality seeking people including its political opponents. Twenty two years ago, during two months of August and September, the Islamic regime with the aim of creating fear in the society committed a big crime, the evidence and tracks of which now bear live witness to the atrocities and ferocity of the regime’s officials and reformists inside the government. During these two months, the crime and killing machine of the Islamic regime including the current reformists sent thousands of prisoners with different political tendencies to the gallows. According to some reports more than 5 thousands militant people lost their lives in this terrible crime for holding different ideas and believes.

The Islamic regime in Iran despite the widespread protests inside and concerns expressed by the international organizations continues issuing and executing death sentences and killing people just to frighten the Iranian people including the political dissidents. Now the fight for the abolition of death penalty is becoming an integral part of the fight for unconditional political liberty and the fight for the immediate release of the political prisoners.

October 10 the World Day Against Death Penalty while being a good opportunity for activists of the abolition of death penalty to show to the public on a wider scale the inhuman and criminal nature of death penalty, it is at the same an opportunity to promote an alternative to a system that reproduces and generates all kind of social crimes and calamities.

There is no doubt that as long as the heinous act of death penalty shadows the progress of civilization, cultural promotion and human altruism, the demand for the abolition of death penalty will remain the main issue of the freedom loving and militant humanity. Let’s make October 10 the World Day Against Death Penalty a turning point for expanding the fight for the abolition of death penalty both inside Iran and all over the globe.

Down with the Islamic Republic of Iran!

Long Live Freedom, Equality and Workers’ Government!

Long Live Socialism!

Central Committee of the Communist Party of Iran, October 5, 2010

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