Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 20. Dezember 2010

Kein Schweigen! Kein Vergessen! – Kundgebung in Hamburg in Gedenken an Ramazan Avci

Posted by entdinglichung - 20. Dezember 2010

Quelle des nachfolgend dokumentierten Aufrufes: Webseite der KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen

Kundgebung Dienstag 21.12.2010 um 17°° Uhr Hamburg S-Bahnhof Landwehr

Ramazan Avci

Vor 25 Jahren wurde am 21.12.1985 Ramazan Avci von den Nazis angegriffen. Am Bahnhof Landwehr hatten Nazis ihn, zusammen mit seinem Bruder und einem Freund aus einer bekannten Skinheadkneipe heraus angegriffen.

Sein Bruder und der Freund konnten in letzter Sekunde in einen Linienbus fliehen, der ebenfalls von den Nazis angegriffen wurde. Ramazan Avci rannte panisch auf die Fahrbahn. Er wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Nach dem er auf der Straße aufschlug, liefen mindestens drei Skins auf ihn zu. Ramazan Avci wurde auf dem Boden liegend mit Baseballschlägern, Axtknüppeln und Fußtritten brutal malträtiert und verstarb am 24.12.1985 an den Folgen dieser Schläge im Krankenhaus. Wenige Tage später wurde sein Sohn geboren, der nach ihm benannt wurde.

Bereits am 24.07.1985 wurde zuvor in Hamburg [Anmerkung Entdinglichung: im Stadtteil Langenhorn] Mehmet K. von Rechtsradikalen angegriffen und ermordet. Sie zertrümmerten mit einer Betonplatte seinen Schädel. Dieser Mord wurde kaum publik.

Die damaligen Reaktionen und Erklärungen waren dieselben, die bis heute nach rassistischen Übergriffen verbreitet werden. Die Täter sind verirrte und orientierungslose Jugendliche, unpolitisch, alkoholisiert, Einzeltäter, haben Angst um Arbeitsplätze, wurden von den Opfern provoziert etc.

Obwohl die Mörder von Ramazan Avci aus dem Umfeld der neonazistischen FAP stammten wurde auch hier offiziell kein politisches Motiv gesehen. Die Verharmlosung solcher Verbrechen durch Politik, Medien und die Justiz hat diesen Gruppen den Rücken gestärkt und diese zu neuen Verbrechen ermuntert. Hamburger Neonazis wie Christian Worch, Thomas Wulff, Michael Kühnen, Jürgen Rieger konnten ungestört ihre Strukturen ausbauen und zu dominierenden Figuren der deutschen Neonaziszene aufsteigen.

Die rassistische Hetze, die da lautet: es leben zu viele Ausländer (in den 80ern), das Boot ist voll (in den 90ern) findet in Deutschland aktuell seine Fortsetzung in der Figur der integrationsunwilligen Moslems, die bereit stünden Deutschland zu übernehmen. Der Mord an Marwa al-Sherbiny am 1. Juni 2009 in einem Dresdener Gerichtsgebäude ist das Ergebnis dieser Propaganda gegen Muslime von den extremistischen Rändern der Gesellschaft bis in deren Mitte. Seit geraumer Zeit werden unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit rassistische Thesen aus der Vergangenheit wieder aufgefrischt. Es befremdet uns nicht, dass gerade die weiße Mittelschicht offen ihre Sympathien für solche Thesen bekundet und den Mut der angeblichen Tabubrecher lobt. Der Politik kommt eine aufgeheizte Debatte und antiislamischer Rassismus sehr gelegen, kann sie doch angesichts der beschlossenen sozialen Entrechtungen und Milliardenschweren Umverteilungen zu Gunsten des Finanzkapitals von ihrer neoliberalen und unsozialen Politiken ablenken. Wir dürfen uns nicht auf die Lippenbekenntnisse der Politikerschicht verlassen.

Heute erinnert in Hamburg nichts an dieses Verbrechen vor 25 Jahren.
Wir wollen Ramazan Avci gedenken und uns mit seiner Familie solidarisieren.
Wir wollen an diesem Tag auch der anderen Opfer von rassistischen Übergriffen gedenken und die Erinnerung an sie wach halten. Mehr als 137 dokumentierte Todesopfer rassistischer Gewalt sind in Deutschland seit 1990 zu beklagen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.

Wir fordern die Anbringung einer Gedenktafel und die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in Ramazan-Avci-Platz.

Kein Vergeben! Kein Vergessen!

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Weltfestspiele der Jugend und Studenten 2010

Posted by entdinglichung - 20. Dezember 2010

Beinahe unbemerkt von der linken Weltöffentlichkeit finden derzeit, von den Gemischtwarenläden Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und International Union of Students (IUS) veranstaltet, in Pretoria/Südafrika die 17. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt … Obergockel Jakob Zuma wendete sich an die Weltjugend und wie bei prinzipielosen Blöcken zu erwarten gibt es auch Stress:

„Die von regierungsnahen Organisationen getragene marokkanische Delegation ist von den XVII. Weltfestspielen der Jugend und StudentInnen in Südafrika ausgeschlossen worden. Zuvor sei es zu einer »weiteren brutalen Attacke gegen eine andere Delegation« gekommen, berichten die VertreterInnen aus Spanien über ihren Facebook-Account. Schon zuvor war es mehrfach zu Zusammenstössen zwischen den Marokkanern und der Delegation aus der Westsahara gekommen.

Die saharauische Delegation hat ausserdem darüber informiert, dass die marokkanischen Behörden elf Jugendliche festgenommen haben, die eigentlich am Festival in Pretoria teilnehmen sollten. Bei ihrem Versuch, über die Flughäfen von El Aaiún oder Casablanca auszureisen, seien sie von den Marokkanern verhaftet worden. Zugleich warnt die Delegation der Westsahara, dass auch den 29 Aktivisten, die aus den von Marokko besetzten Gebieten nach Südafrika gereist sind, bei ihrer Rückkehr die Verhaftung droht.

Heute beginnt in Pretoria das Antiimperialistische Tribunal, bei dem die nationalen Delegationen die Verbrechen des Imperialismus anprangern werden. Die saharauischen Vertreter werden auch diese Veranstaltung nutzen, um die Besatzungspolitik Marokkos anzuprangern.“

offenbar handelt es sich bei der marokkanischen Delegation um Mitglieder der drei dortigen WBDJ-Mitglieder Istiqlal Party Youth, USFP Jeunesse Ittihadiya und Jeunesse Socialiste, die wie das Gros der marokkanischen Gesellschaft und auch die meisten Organisationen der marokkanischen Linken (lobenswerte Ausnahmen sind da u.a. Annahj Addimocrati und Al-Mounadhil) die Gross-Marokkopolitik des Staates voll unterstützen … schon bei den Weltfestspielen 2001 in Algier hatten Schläger des Saddam-Regimes exilirakische Studierende angegriffen

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Zanzibar & Shihr and Mukalla

Posted by entdinglichung - 20. Dezember 2010

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