Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 4. Februar 2011

Einige Gedanken und Fragen zur gegenwärtigen Lage

Posted by entdinglichung - 4. Februar 2011

Durch derzeitige Entwicklungen in Tunesien und eine Debatte auf The Great Unrest angestossen

Ist unter den Bedingungen neoliberaler Regulation nach der schrittweisen Aufkündigung des keynesianisch-fordistischen Klassenkompromisses durch das Kapital in der Periode nach 1973 (ohne gleichzeitiger Aufkündigung seitens der übergrossen Mehrheit der institutionalisierten ArbeiterInnenbewegung, welche sich verliebt an einen Kadaver klammert und mit diesem zusammen verwest) überhaupt noch möglich, die Offensive des Kapitals nachhaltig abzuwehren, ohne mit dem Staat des Kapitals, mit dessen geschäftsführenden Ausschuss namens Regierung direkt zusammenzustossen? Ist es letztendlich nur möglich, Konterreformen abzuwehren, den vorherigen Zustand zumindest in Teilen wiederherzustellen, ohne die mit dem kapitalistischen Projekt – welches die Krise als Waffe gegen die Klasse wendet – organisch verknüpften Regierungen zu überwinden? Und wäre eine Bewegung, welche in der Lage ist, dies zu bewerkstelligen, nicht zu sehr viel mehr in der Lage, als auf die darauf folgenden Wahlen zu warten und zu hoffen, dass eine „irgendwie linke“, „sozialdemokratische“ Regierung dann die Dinge wieder zurrecht rückt? Wäre eine derartige Klassenbewegung nicht auch in der Lage, sich eigene Strukturen zu schaffen, sich zur Gegenmacht (Versammlungen?, Räte?) zu entwickeln anstelle auf wie beispielsweise 1995/96 in Frankreich auf Jospin und seine Wohltaten zu warten? Und dürfte sich eine derartige Manifestation proletarischer Gegenmacht wirklich nur mit einigen (durchaus leckeren) Rumkugeln zufrieden geben, würden nicht die vorherigen Schritte sowohl objektiv darauf hindeuten wie es auch lächerlich erscheinen lassen, nicht nur die ganze Bäckerei zu übernehmen sondern sich auch für eine ganz andere (oder gar keine) Bäckerei zu engagieren (zumal die Zeit drängt)? Und handeln diejenigen subjektiv-revolutionären (d.h. die Notwendigkeit des revolutionären Bruches mit kapitalistisch-patriarchalen Zuständen anerkennenden) Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen nicht grob fahrlässig und wenig verantwortungsbewusst, welche eine derartige Perspektive als „abenteuerlich“ oder „derzeit utopisch“ abtun und sich nicht auf derartige Auseinandersetzungen vorbereiten, sondern lediglich den Status quo ante (eines keynesianisch-fordistischen Klassenkompromisses welcher immer ein Kompromiss unter bourgeoiser Hegemonie ist) als realistisches Ziel gegenwärtiger Abwehrkämpfe für möglich halten? Aber kann eine derartige Bewegung überhaupt vor dem Hintergrund der ideologisch-kulturellen Hegemonie des Kapitals, welche nicht nur bei den „Normalos“ sondern bis weit in die sich subjektiv sozialistisch verortende Linke dominant ist, alltäglich denkbar und praktizierbar werden, kann und wird sich dort ein Vorschein dessen manifestieren, was jenseits von Warenproduktion, Lohnarbeit, und der ganzen alten Scheiße liegt?

Was meint ihr?

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Weitere Lesehinweise zu den Revolten in Ägypten, Tunesien & umzu

Posted by entdinglichung - 4. Februar 2011

* Der Rais reist nicht und seine Freunde sind besorgt … (LabourNet)

* Roots of the Egyptian Revolutionary Moment (LibCom)

* Miami Autonomy & Solidarity: Tunisia is Everywhere

* Liveberichte von zwei Workers Power-Mitgliedern in Kairo: englisch, deutsch

* Yassamine Mather: Unity is only temporary (Weekly Worker)

* Algeria prepares protests despite govt threats (afrol News)

* Moroccan civil society groups call for large scale protest marches in the Kingdom (Sahara Press Service)

* Demonstration in El Aaiun against Moroccan occupation and looting of natural resources of Western Sahara (Sahara Press Service)

* Tunisie : les femmes dans la lutte – un témoignage (NPA)

* Jörn Schulz: Die Zeit der Befreiung (Jungle World)

* Bernard Schmidt: Tunesien: Präsident Ben ’Ali ging – die Bourgeoisie bleibt noch (trend)

* Proteste in Jordanien: Nieder mit der Regierung! Es lebe der König! (Spiegel)

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Bergarbeiterstreik in Georgien

Posted by entdinglichung - 4. Februar 2011

Nach einem erneuten Unfall, bei welchem ein Bergarbeiter getötet und mehrere verletzt wurden, sind die Arbeiter der Zeche Tkibuli in einen unbefristeten Streik getreten:

„The strikers’ demands are as follows: Open-end contracts for the workers in the mines; correction of health and safety state in the mines; Indexation of the wages (living cost adjustments) proportionally with existing inflation rate and increased prices on goods; Payment of all outstanding arrears for the workers who died as a result of work fatal accidents or inflicted severe injuries in the mines during 2010-2011; Improvement of working conditions for the employees of ‘’Saqnakhshiri (Geocoal); Establishment of fair remuneration system for the work carried out under hazardous, heavy and harmful conditions and etc.“

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