Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Berni Kelb († 05.12. 2011)

Posted by entdinglichung - 11. Dezember 2011

Am 5. Dezember starb in Bremen Berni Kelb (Bani Barfoot), laut taz „barfüßiger Prophet und gefallener kommunistischer Erzengel“ sowie „Anarcho-Kommunist und Querulant“, (hoch- und niederdeutscher) Schriftsteller und politischer Aktivist, den viele v.a. durch seine 1971 verfasste Betriebsfibel, eine Art Minihandbuch der revolutionären Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, kannten. Berni, möge die Erde dir leicht sein!

ein kurzer Auszug aus der Betriebsfibel:

„Auf der anderen Seite der Barrikade steht grundsätzlich jede Autorität, die nicht bereit ist, sich von unten in Frage stellen zu lassen. Dabei ist es gleich, ob es sich um Einzelpersonen oder um Institutionen handelt. Das gilt für den Meister ebenso wie für den Professor, den Oberkreisdirektor, Lehrer oder Generaldirektor. Es gilt gleichermaßen für Kirchen wie für Gewerkschaftsapparate, Aktiengesellschaften, Rote Zellen, Behörden oder zur Macht gekommene sich kommunistisch nennende Parteien. Das revolutionäre Ziel ist ein einfacher Sozialismus. So einfach, daß ihn jeder versteht und ihn haben will. Nicht nur ein Arbeiter, sondern selbst ein aufgeweckter Intellektueller. Das Ziel kann – etwas vereinfacht – auf die kurze Formel gebracht werden: Niemand darf anderen Menschen einen Vorgesetzten vor die Nase setzen, den diese nicht gewählt haben.
Dieses Prinzip – in allen Bereichen der Gesellschaft konsequent durchgeführt – schließt die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln ebenso ein, wie die Entmachtung von Bürokratie. Es beinhaltet gleichermaßen den Sturz des Kapitalismus und ein menschlicheres System in den nichtkapitalistischen Staaten. Es bedeutet eine durch Druck von unten erzwungene ständige Ausweitung der Demokratie. Sie fängt am Arbeitsplatz an. Jede erreichte Stufe bietet bessere Voraussetzungen für die weiteren Schritte. Sie ermöglicht eine Verbreiterung, Intensivierung und Beschleunigung des Kampfes. Bis dieser schließlich in eine die ganze Gesellschaft erfassende siegreiche Revolution mündet. Dieses Prinzip bedeutet hingegen niemals eine Einschränkung der Demokratie. Ganz gleich, wie sie begründet wird (»vorübergehend«, »durch die objektiven … Bedingungen erzwungen« usw.). Auch nicht im Namen der Revolution. Mit einer Einschränkung der Freiheit im Namen der Revolution beginnt die innere Konterrevolution.“

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