Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for 25. Februar 2012

Weiteres zu der KKE-Xrisi Afgi-Affäre

Posted by entdinglichung - 25. Februar 2012

Nachfolgend dokumentiert ein Nachtrag zu dem von KKE-/PAME-Vertretern autorisierten Auftritt von Xrisi Afgi-Faschos auf einer Streikversammlung bei Elliniki Halivourgia auf der Webseite der GIS:

Gestern (21.2.) hat die Führung der Gewerkschaft von Elliniki Halivourgia (Aspropyrgos) eine ekelhafte Erklärung bezüglich des (von ihnen zugelassenen und begrüßten) Auftritts der Nazis im Werk herausgegeben. In diesem Text verurteilen sie „den Versuch der Xrisi Afgi (Goldenen Morgendämmerung) und anderer Gruppen unseren heroischen Kampf zu diskreditieren und zu verhöhnen.“Weiter heißt es darin:„Wir erklären, dass die Stahlarbeiter von der „Goldenen Morgendämmerung“ und anderen diversen angeblichen Revolutionären gänzlich unbeeinflusst sind. Die Stahlarbeiter sind Teil der organisierten Klassenbewegung, die nach wie vor der wichtigste Unterstützer ihrer Sache ist. Es ist kein Zufall, dass die PAME von allen möglichen Leuten außerhalb wie innerhalb Griechenlands beschuldigt wird. Sie war von Beginn an der Hauptunterstützer unseres Kampfes.“

Gleichzeitig schreibt die Rizospastis (‘Radikal’), das Zentralorgan der KKE, am Dienstag den 21. Februar: „Die „Goldene Morgendämmerung“ hat eine Gelegenheit gefunden eine Provokation gegen die KKE, die Klassenbewegung und die Streikenden von Elliniki Halivourgia’ zu veranstalten.“

Erst lassen also diese Typen Nazis ins Werk (,die sich das ohne ausdrückliche Zustimmung niemals getraut hätten), geben ihnen ein Mikrofon, applaudieren, heißen sie willkommen, und dann sprechen sie von einer Provokation. Gleichzeitig setzen sie die Nazi-Schläger mit „diversen anderen Gruppen“ gleich. Und mit den „diversen angeblichen Revolutionären“ meinen sie linksradikale AktivistInnen und im besonderen Maße die anarchistischen Gruppen, die die Streikenden von Anfang an unterstützt und ihre Solidarität ausgedrückt haben. Um sie zu entmutigen, heißen die Gewerkschaftsführer nach 110 Streiktagen Nazis im Werk willkommen. Ihr Trick ist denkbar einfach: Erst lässt man Nazis ins Werk und wartet auf die Reaktionen der „Feinde der Partei und Klassenbewegung.“ Dann redet man laut von Provokation und erklärt alle zu Provokateuren. Meiner Meinung nach ist die Einheitsfront von Stalinisten und Nazis weder ein zufälliges noch ein zeitweiliges Phänomen. Die Lage in Griechenland ist sehr ernst. Ich will nicht das Orakel von Delphi spielen. Allerdings denke ich, dass es sehr wahrscheinlich zu einem massiven und gewalttätigen sozialen Aufstand kommen wird. Die Riots vom Dezember 2008 bis heute sind nur ein Vorspiel. In einem solchen Falle könnte weder die KKE noch sonst jemand die Bewegung kontrollieren und in geordnete parlamentarische Bahnen lenken. Aufgrund des niedrigen politischen Niveaus und der blinden Gewalt wäre ein solcher Aufstand sehr für staatliche Provokationen anfällig, die der Staat dann nutzen könnte um die brutale Repression zu intensivieren und die Unterstützung der „friedliebenden Bürger“ einzufordern. Die KKE würde das ganze Ereignis als staatliche Provokation hinstellen, um dann so (wie im Dezember 2008) dem Staat freie Hand zum Durchgreifen zu geben. Gleichzeitig würden paramilitärische Nazibanden mit den Spezialeinheiten von Polizei und Armee zusammenarbeiten.

Zur Zeit versucht die KKE-Führung die Kontrolle über ihre Leute zu behalten, indem sie alle die links von ihr stehen als Provokateure denunziert. Sie ist sehr besorgt, besonders um ihre Jugend. 1989 verlor sie einen großen Teil ihrer Jugendorganisation als sie zusammen mit anderen linken Kräften eine Koalition mit der konservativen Nea Dimokratia einging. Das ist auch einer der Gründe für die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen AnarchistInnen und der KKE auf dem Syntagma-Platz. Die AnarchistInnen waren die einzigen die es wagen konnten sich auch praktisch zu widersetzen. Und so schluckten sie den Köder der KKE. Die Auseinandersetzungen waren sehr gewalttätig und es hätte auch Tote geben können. Die KKE-Führung konnte so die AnarchistInnen (und alle „Feinde der Partei“) gegenüber ihrer Mitgliedschaft als staatliche Provokateure hinstellen, die ihnen nach dem Leben trachteten.

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130 Jahre B. Traven?

Posted by entdinglichung - 25. Februar 2012

Wurde Ret Marut/B. Traven am 23. Februar 1882 in Świebodzin oder am 25. Feburar 1882 in San Francisco geboren? … hier der Hinweis auf einige seiner Romane:

* Der Karren (1930)
* Regierung (1931)
* Der Marsch ins Reich der Caoba (1933)
* Die Troza (1936)
* Die Rebellion der Gehenkten (1936)
* Ein General kommt aus dem Dschungel (1940)

ein kurzer Auszug aus Die Rebellion der Gehenkten

“ … In dem Kriegsrat der Muchachos wurde nicht um irgendwelche Programmpunkte geredet, nicht darum, welche Ansicht die revolutionärste sei und welche als Verrat angesehen werden müsse, sondern der Streit ging darum, welche der Companias von nun an, wo er ernst zu werden begann, an der Spitze marschieren sollte. Die erste Compania hatte die ruhmvolle Aussicht, bis auf den letzten Mann niedergemäht zu werden, sobald die Rurales ein Maschinengewehr auf den Boden brachten.

Glücklicherweise waren die Muchachos nicht verdummt worden von Artikelschreibern und Versammlungsrednern. Sie waren nüchtern und praktisch. Es war ihnen nicht darum zu tun, Ruhm zu gewinnen. Sie hatten keinen anderen Gedanken als den Rurales und Federales die schönen neuen Karabiner, Revolver und Maschinengewehre abzunehmen. Alle besaßen einen guten natürlichen Instinkt, der sie lehrte: Wenn du Waffen hast und dein Gegner hat keine, dann gewinnst du die Revolution oder die Rebellion oder wie du das nennst; denn in seiner letzten Form handelt es sich bei allen wahren Revolutionen nicht um mehr Lohn, nicht um Aufteilung allen Besitzes, nicht um Privilegien, sondern um unverbrämte und unverkleidete Gerechtigkeit.

Der Sinn ihrer Rebellion bestand für die Muchachos vorläufig in nichts anderem als darin, nicht mehr geknechtet, nicht mehr geprügelt, nicht mehr versklavt zu werden. Seit seiner Kindheit hatte jeder einzelne von ihnen erfahren und gesehen, dass immer derjenige, der einen Revolver auf dem Hintern trägt oder einen Karabiner umgehängt hat, den Indianer knechten, ausbeuten, prügeln und ihm befehlen darf; und weil er, der indianische Arbeiter, eben keinen Revolver hat, darum muss er gehorchen und sich alles, was ihm angetan wird, gefallen lassen, und wenn er das Maul auftut, um ein Wort dagegen zu sagen, wird ihm der Revolverkolben auf das Maul geschlagen und der Karabinerkolben in den Magen gestoßen.

So war es ganz natürlich, dass für die Muchachos der Besitz der Waffen gleichbedeutend wurde mit dem Sieg der Rebellion. Allen ihren Gegnern die Waffen abzunehmen, bedeutete für sie, die Ergebnisse der Revolution für alle kommenden Zeiten und Ereignisse zu sichern. …“

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