Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Veranstaltung am 23.05. in Hamburg: „Grüner Kapitalismus“, Vergesellschaftung und indigener Widerstand

Posted by entdinglichung - 20. Mai 2012

Quelle: rhizom mailing list:

23.5. Veranstaltung: „Grüner Kapitalismus“, Vergesellschaftung und indigener Widerstand

Bettina Cruz zu Repression, grünem Strom und indigenen Kämpfen um Autonomie und Selbstverwaltung in Mexiko. Mittwoch 23. Mai 2012 Gängeviertel Hamburg 19:30 Uhr

Die Vergesellschaftung des Wohnraums ist eine der zentralen  Forderungen der Kampagne „Mietenwahnsinn stoppen“ und von Recht auf  Stadt Gruppen in Hamburg. Was sich als Perspektive jenseits privaten Eigentums hierzulande für manche utopisch anhört, ist anderswo  Realität. Indigene Gemeinden und Dörfer in Mexiko besitzen Landtitel, die allen gehören und Gemeineigentum sind. Bedroht werden solche  Formen kollektiver Teilhabe allerdings durch „grünen Kapitalismus“ und den Versuch, diese „schwarzen Löcher“ in der Eigentumsordnung als  natürliche Ressource kapitalistisch zu erschließen und verwertbar zu  machen.
Bettina Cruz ist Mitglied der „Assembly of Indigenous Peoples of the  Isthmus of Tehuantepec in Defence of Land and Territory“. Außerdem ist  sie Mitglied in einem bundesweiten Netzwerk gegen hohe Strompreise.  Der Isthmus von Tehuantepec ist der einzige Ort auf dem amerikanischen  Kontinent, wo es keine Bergkette zwischen Atlantik und Pazifik gibt.  Diese besondere klimatische Eigenschaft hat die Aufmerksamkeit der  Energiekonzerne geweckt, die nun ein Windrad neben dem anderen  aufstellen wollen. Auch wenn Windenergie als „saubere Energie“  verkauft wird, kann davon in Mexiko€“ keine Rede sein.

Der Aufbau der Windkraftanlagen hat starke negative Auswirkungen auf  die Umwelt. Z.B. stören die Fundamente der Windräder den normalen  Verlauf des Grundwassers und somit ist die Existenz von vielen  Kleinbauern und -bäuerinnen gefährdet. Das Land wird zudem durch  auslaufendes Öl verseucht. Die BetreiberInnen der Windparks zahlen  einen lächerlichen Pachtpreis und der durch die Windkraft erzeugte  Strom wird teuer als „grüner Strom“ in den USA verkauft, während die  AnwohnerInnen überteuerten Strom des staatlichen Konzerns CFE kaufen  müssen. Bettina und andere Aktivist_innen kämpfen gegen diese Form von  Ressourcenraub. Gegen mehr als hundert von ihnen liegen Haftbefehle  vor. Sie selbst wurde im März inhaftiert und ist dank einer groߟen  Soliaktion auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen worden.

Windkraftanlagen werden häufig auf kollektivem Land erreichtet. Auch  die Gemeinde San Miguel in der Region Chimalapas an der Grenze  zwischen Oaxaca und Chiapas besitzt Landtitel, die Kollektiveigentum  sind. In den 90er Jahren beschloss die Gemeinde, den Regenwald zu  schützen und geriet deswegen mit Holzfällern und Viehzüchtern in  Konflikt. Ausserdem wurden auf den kollektiven Ländereien immer wieder  Leute angesiedelt. Dies hatte zur Folge, dass die Gemeinde zunehmend  vom Staat unter Druck gesetzt wurde, ihr Land zu verkaufen. Die  Gemeinde San Miguel betonte immer, dass ihr Land nicht zum Verkauf  stünde, sie aber gerne die neu angekommenen Siedler_innen als  „comuneros“ aufnehmen würden. Somit wären diese ebenfalls Teil der  Gemeinde, die das Land kollektiv besitzt. Dieses Angebot wurde  systematisch abgelehnt. Da die geographische Lage der Gemeinde sehr  isoliert ist, wird sie häufig angegriffen. Die Regierungen von Oaxaca  und Chiapas sowie die Bundesregierung setzen auf eine bereits erprobte  Strategie: Konflikte werden geschürt, um Repression zu rechtfertigen.  Im November 2011 marschierte die Polizei mit dem Vorwand in San Miguel  ein, einen festgehaltenen Viehzüchter zu befreien. Vier Mitglieder der  Gemeinde wurden verletzt und weitere sieben wurden festgenommen.  Angélico Solano der zur Veranstaltung als zweiter Referent angekündigt  war, musste aufgrund aktueller Ereignisse leider absagen, wird aber  eine Grußadresse schicken.

Toni Negri und Michael Hardt beschreiben in Common Wealth das  Gemeinsame als Gundlage und Ergebnis gesellschaftlicher Produktion und  zugleich als Gegenstand und Perspektive sich weltweit entwickelnder  Kämpfe und Bewegungen. Auch die Frage nach Recht auf Stadt und  Vergesellschaftung ist für uns nicht nur eine lokale sondern eine  globale. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns auf der Veranstaltung  im Gängeviertel über die Kämpfe um kollektive Flächen indigener Dörfer  und Gemeinden informieren. Welche Impulse können wir für Diskussionen  und Auseinandersetzungen in Hamburg mitnehmen und wo ist es möglich,  sich aufeinander zu beziehen. Wie lässt sich ein politischer Begriff  des Gemeinsamen gegen kapitalistische Sachzwänge und Eigentumslogiken  weiterentwickeln?

Eine Veranstaltung von www.cafe-libertad.de und Aktivist_innen aus dem  Umfeld von Recht auf Stadt
http://das-gaengeviertel.info/programm/veranstaltungsdetails/termin/2012/05/23/event/tx_cal_phpicalendar/gruener-kapitalismus-vergesellschaftung-und-indigener-widerstand.html

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