Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Der Kampagnenheinz war wieder da

Posted by entdinglichung - 28. Mai 2012

aus einem Artikel von Wolf Wetzel zu Blockupy Frankfurt, gefunden dank Indymedia:

Christoph Kleine hat für die Interventionistische Linke/IL einen klassischen und ebenso falschen Ausblick geliefert: »Das heute war ein Erfolg, den die Menschen errungen haben … Blockupy war erst der Anfang.« (FR vom 21.5.2012)
Jede Kampagne (von Heiligendamm 2007 bis M-31) behauptet von sich, erst der Anfang zu sein, ein Startzeichen, ein Startschuss für etwas zu sein … was dann bei der nächsten Kampagne erneut beschworen werden muss. Es ist doch offensichtlich, dass das Problem antikapitalistischer Proteste nicht mit Kampagnen zu lösen ist, auch nicht mit der x-ten Demonstration. Wenn wir Antikapitalismus nicht als einen kritischen Gestus verstehen, der vor allem unsere Freizeit kostet, dann müssen wir aus dem Kampagnenkarusell aussteigen und uns Zeit nehmen, um folgende Fragen zu beantworten:

Worum kommen über 20.000 zu einer Demonstration, wenn sie erlaubt ist und gerade einmal 1.000 – 1.500, wenn es verboten ist, den Kapitalfluss zu stören?

Wie muss ein Antikapitalismus aussehen, der den Schritt von der kritischen zur materiellen Negation kapitalistischer Verhältnisse wagt? Warum ist in aller Regel nach jeder Kampagne die Luft raus, wenn es darauf ankommt, die politischen Konsequenzen und Ausdeutungen nicht der Gegenseite zu überlassen?

Wie kann es gelingen, dass die Orgie von Rechtsbrüchen (von Verbotsverfügungen über Aufenthaltsverbote, Verschleppungen bis hin zu willkürlichen Festnahmen und vorsätzlichen Polizeiprovokationen) nicht als Ohnmachtserfahrung der Betroffenen zurückbleibt, sondern der schwarz-gelben hessischen Landesregierung und der schwarz-grünen Stadtregierung den Kopf kosten?

Welche Strukturen brauchen wir für diese Schritte, wenn wir uns eingestehen, dass eine Mehrheit aus Individuen und Vereinzelten einer kleiner (völlig überforderten) Minderheit von Organisierten gegenübersteht?

… vielleicht sollte die IL etwas in ihrer eigenen Vorgeschichte graben …

3 Antworten to “Der Kampagnenheinz war wieder da”

  1. sankara said

    ich verstehe nicht, woher die zahlen stammen? laut EA waren ja schon knapp 1500 leute in gewahrsam. „gerade einmal 1000-1500“ ist also massiv untertrieben. warum wolf wetzel nun so über blockupy herzieht ist mir nicht ganz klar. vermutlich hängt es mit dem scheitern der georg-büchner-aktionstage, die er maßgeblich (mit)gestalten wollte, zusammen. „Die inhaltlichen Differenzen im Bündnis und drum herum wirkten sich lähmend und irritierend aus.“ ist auch etwas was sehr wohl (und zu recht) auf georg-büchner zutrifft, auf blockupy allerdings nicht, einmal abgesehn vom (üblichen) absentismus der frankfurter strukturen in der vorbereitung.

  2. […] den sozialdemokratischen Weg gehen, einen Linienkampf zu eröffnen oder werden wir neben einer Kampagnenverheinzung auch eine schleichende Vereinigung von IL und DIE LINKE bewundern […]

  3. egal said

    Hallo Sankara,

    1000-1500 ist wirklich etwas niedrig geschätzt.
    Für den Freitag sind halbwegs realistische Zahlen wohl schwierig zu ermitteln, vor allem da viele AktivistInnen an mehreren Kurzdemons teilgenommen haben dürften, so dass es unredlich wäre, die TEilnehmerInnen einfach zusammen zu zählen.
    Aber am Donnerstag sind die Orte, an denen demonstriert wurde, ja überschaubar. Es gab Treffpunkte am Hauptbahnhof und auf dem Paulsplatz bzw. später auf dem Römerberg, der direkt gegenüber vom Paulsplatz liegt. Am Hauptbahnhof sollen sich 200-300 Leute getroffen haben, von denen die meisten oder fast alle später in der Innenstadt waren, also nicht doppelt gezählt werden dürfen. Auf dem Paulsplatz waren auf dem Höhepunkt maximal 700 DemonstrantInnen, von denen viele dann auf dem Römer zu weiteren AktivistInnen stießen, so dass sich im gesamten Bereich Römer/Paulsplatz, ohne Touris, so um die 1200 Leute befunden haben dürften. Dazu kommen noch die 200 Eingekesselten von der Bockenheimer Warte (meines wissens eine eher freundliche Schätzung) und 200-250 aus den gestoppten Bussen. Dies wären großzügig aufgerundet 2000, die das Demo-Verbot am Donnerstag durchbrochen haben oder dies zumindest wollten. Das ist enttäuschend und reicht vorne und hinten nicht, um die selbst gesteckten Blockadeziele zu erreichen.
    Zu den Zahlen des EA: Viele der Ingewahrsamnahmen waren nur kurzzeitg, so dass eine Person durchaus zwei- bis dreimal in Gewahrsam genommen werden konnte.
    Selbst mit 2500 kann die Farnkfurter Innenstadt ohne feindliche Unterstützung nicht blockiert werden. http://www.akweb.de/ak_s/ak573/27.htm
    Wir brauchen also nicht über die Zahlen zu diskutieren, sondern darüber warum trotz des Verbots so wenige Leute an den Aktionstage teilgenommen haben.

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