Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for the ‘England’ Category

Zum 25. Jahrestag des Beginns des Bergarbeiterstreiks in Britannien 1984/85 – Teil 2

Posted by entdinglichung - 9. März 2009

Der Guardian, die Tageszeitung der aufgeklärt-linksliberalen KonsumentInnen mit Hochschulabschluss, gutem Einkommen und zuweilen einem partiellen schlechten Gewissen hat nach 25 Jahren Arthur Scargill, den damaligen Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) zum Bergarbeiterstreik 1984/85 (einige Filmberichte dazu ) Wort kommen lassen … bleibt anzumerken, dass die Zeitung damals die abgespaltene Labourrechte um Roy Jenkins, David Owen und Konsorten in der Social Democratic Party (SDP) unterstüzte und Menschen wie Scargill mit Begriffen wie „Loony Leftist“ und dass natürlich auch Scargill zuweilen mit Vorsicht zu geniessen ist, speziell seitdem er mit der Socialist Labour Party (SLP, auch Scargill’s Little Party genannt) seinen stalinoiden Privatclub gegründet hat, der Artikel ist aber in jedem Fall lesenswert, hier ein Auszug:

injury

„But the NUM’s historic battle did not begin in March 1984, as so many pundits claim. The seeds of the dispute had been sown long before. A pit closure plan in 1981 resulted in miners, including miners in Nottinghamshire, taking unofficial strike action (without a ballot) and forcing Thatcher into a U-turn, or in reality a body swerve.

At that time, Britain’s coal industry was the most efficient and technologically advanced in the world, a result of a tripartite agreement, the Plan For Coal, signed by a Labour government, the National Coal Board (NCB) and the mining trade unions in 1974, and endorsed by Thatcher in 1981. And yet, shortly after I became national president of the NUM in 1982 I was sent anonymously a copy of a secret plan prepared by NCB chiefs earmarking 95 pits for closure, with the loss of 100,000 miners‘ jobs. This plan had been prepared on government instructions following the miners‘ successful unofficial strike in 1981.

I took this document to the union’s National Executive Committee (NEC) – its contents were not only denied by government and NCB chiefs, but were disbelieved by militant NUM leaders who had been assured that their pits had long-term futures. However, the exposed revelations struck a chord among our members throughout Britain’s coalfields where colliery managers – clearly acting on instructions from above – had already begun unilaterally changing agreed working practices, affecting shift patterns and supplementary payments.

It became clear that the union would have to take action, but of a type that would win maximum support and have a unifying effect. The NEC accepted a report from me recommending that we call a special national delegate conference, and link our opposition to the pit closure plan with a demand that the coal board negotiate the union’s wage claim. The NEC agreed, and the special conference was held on 21 October 1983. Delegates from all NUM areas were given a detailed report so that they could vote on what action – if any – should be taken. Following a full debate, they agreed to call a national overtime ban from 1 November – until such time as the NCB withdrew its closure plan and agreed to negotiate an increase in miners‘ wages with the NUM.

Over the next four months, the overtime ban had an extraordinary impact. It succeeded in reducing coal output by 30%, or 12m tonnes, thus cutting national coal stocks to about the same level as they had been during the miners‘ unofficial strike in 1981.“

ansonsten hier noch ein Kurzfilm zum Streik im Allgemeinen und zu einer der heftigsten Auseinandersetzungen während des Streiks (Soundtrack by The Redskins):

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Zum 25. Jahrestag des Beginns des Bergarbeiterstreiks in Britannien 1984/85

Posted by entdinglichung - 5. März 2009

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North and South 2008

Posted by entdinglichung - 13. August 2008

Policy Exchange heisst eine konservative Denkfabrik in Britannien, welche u.a. den Tory-Vorsitzenden David Cameron berät und mit an dem Prozess der letzten Jahre, den Tories ein modernes Image zu verpassen, beteiligt war. Nun hat sich Policy Exchange zu einigen Städten Nordenglands wie Liverpool, Bradford und Sunderland (der Region, welche unter der (von Abgeordneten aus Südengland dominierten) Thatcher-Regierung (gleiche Partei wie Cameron, was viele zuweilen vergessen oder verdrängen) mit allen gesellschaftlichen Folgen deindustrialisiert wurde) geäussert:

Policy Exchange said current regeneration policies were „failing“ the people they were supposed to help.

A mass migration to London, Cambridge and Oxford would stop them becoming „trapped“ in poorer areas, it said.

„No-one is suggesting that residents should be forced to move, but we do argue that they should be told the reality of the position: regeneration, in the sense of convergence, will not happen, because it is not possible,“ it concluded.

Restrictions on house-building in the south-east should be lifted to lower house prices and stop people on low incomes being „trapped“ in less prosperous parts of the country, the authors said.

The university cities of Oxford and Cambridge were well placed to become the economic power-houses of the 21st Century, it argued, like the industrial north more than a century ago.

„We should consider expanding both dramatically, just as Liverpool and Manchester expanded in the 19th Century. Dynamic economies require dynamic economic geography.“

Ansonsten ist davon auszugehen, dass das Gros der StrategInnen von Policy Exchange wahrscheinlich Public Schools wie Eton besucht und danach in Oxbridge studiert haben.

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Studie der Fawcett Society zur faktischen Straflosigkeit von Vergewaltigungen in England und Wales

Posted by entdinglichung - 17. Juli 2008

Einer neuen Studie der Fawcett Society zufolge (siehe auch den Artikel Convictions for rape a postcode lottery, says equality group im Guardian vom 7. Juni 2008) kam es im Jahr 2006 nur bei 6,1% der bei der Polizei in England und Wales angezeigten Vergewaltigungen an Frauen zu gerichtlichen Verurteilungen, dabei schwankten die Zahlen zwischen 2,8% in Leicestershire und 13,2% in Cleveland. Insgesammt bedeutet dies vor dem Hintergrund von nur 10%-15% aller Vergewaltigungen, welche vermutlich überhaupt angezeigt werden, eine faktische Straflosigkeit für sexualisierte Gewalt von Männern gegen Frauen. Ob mensch von den strukturell sexistischen Institutionen Justiz und Polizei in dieser patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft viel mehr erwarten kann, ist allerdings fraglich.

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Streiflichter aus Britannien

Posted by entdinglichung - 1. Juni 2008

Gloucestershire Cheese Rolling 2008

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Streiflichter aus Britannien

Posted by entdinglichung - 29. April 2008

Nach Berwick-upon-Tweed nun auch noch Audlem in Cheshire: offenbar strebt nach einem weiteren inoffiziellen Referendum ein nicht unbeträchtlicher Teil der 1.800 EinwohnerInnen des Ortes an, von England nach Wales zu wechseln. Der Grund hierfür besteht offenbar nicht in der Ablehnung des britischen Empires oder einer plötzlich einsetzenden Identifikation mit dem Konzept „Welshness“ oder dem historischen Bewusstsein, dass das an Wales grenzende Dorf bis zirka 650 u.Z. einmal Teil des Teyrnas Powys war, ehe es von Northumbria annektiert wurde, sondern ganz pragmatisch in der Tatsache, dass es in Wales anders als in England keine Rezeptgebühren für Medikamente gibt und das Parken vor Krankenhäusern kostenlos ist. Eine Minderheit brachte als weiteres (weitaus weniger praktikables) Szenario den Anschluss an Schottland ins Gespräch, wo es zusätzlich keine Studiengebühren aber bessere Sozialleistungen für RentnerInnen gibt.

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Zum St. George’s Day

Posted by entdinglichung - 23. April 2008

Heute feiert England seinen Nationalheiligen, die Folgen sind ein erhöhten Bierverbrauch sowie gelegentliche Festbeflaggung mit einem Kreuzfahrersymbol. Dass der traditionellen Legende (mit der Quellenlage gibt es da einige „Probleme“) nach Georg von Lydda zum christlichen Märtyrer wurde, weil er als Offizier der römischen Armee 303 uZ eine Befehlsverweigerung beging und sich weigerte, ChristInnen zu verfolgen (mit modernen Worten „Zivilcourage zeigte“) geriet dabei schnell in Vergessenheit, wurde zu seiner Zeit noch ein Widerspruch zwischen einer gleichzeitigen Zugehörigkeit zum Christentum und zur Armee gesehen und Soldaten teilweise von den Sakramenten ausgeschlossen, so wurden gut 10 Jahre später nachdem Kirche und römischer Staat unter Constaninus dem „Grossen“ eine langanhaltende Symbiose eingingen hingegen Wehrdienstverweigerer exkommuniziert (ein lesenswertes Buch zu der Gesamtthematik ist übrigens AD 381: Heretics, Pagans and the Christian State von Charles Freeman). Kaum verwunderlich, dass derartiges heutzutage kaum erwähnt wird, würde es doch nicht zum nationalistischen Identitätsstiftungsgehubere oder zumindest kaum zum abendlichen Besäufnis passen.

P.S.: Einen interessanten Artikel zum heutigen Feiertag findet mensch im übrigen auf Vaux Populi
P.P.S.: Nationalfeiertage gehören wie auch Nationen als solche überwunden!

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