Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for the ‘Kreta’ Category

Befreiungskomitee Kreta: Kalender 1995

Posted by entdinglichung - 17. November 2012

ein Befreiungskomitee Kreta hat es vermutlich – der Friesischen Befreiungsfront (FBF) vergleichbar – nie gegeben, wer also (und aus welchem Grund) jenen Kalender (pdf-Datei, 230 kb) produzierte, bleibt ein Rätsel:

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Archaeology Today

Posted by entdinglichung - 25. Juni 2010

1.) Die These, das die BewohnerInnen des minoischen Kretas womöglich aus der Levante stammten, gar eine semitische Sprache gesprochen haben könnten, kommt bei griechischen NationalIstinnen nicht so gut an, wie Nera Ide auf ChronoLogs berichtet (Hat Tip to kritische Geschichte) … anzumerken ist, dass der Begriff „Semiten“ und „semitische Sprachen“ erst 1781 von August Ludwig von Schlözer (unter Rückgriff auf die Völkertafel in 1. Buch Moses, Kapitel 10) erfunden wurde und den realen historischen Subjekten vor 3500 den Begriff gar nicht bekannt war:

“ … Die ganze lokale Prominenz ist zu der Buchvorstellung geladen worden und hat sich tatsächlich eingefunden. Der Saal ist voll. Metaxia Tsipopoulou ist beglückt. Noch. Sie schaut in den Mienen der vielen Gäste, die sich plötzlich versteinern, als sie Christakis’ These vorträgt, die keineswegs neu ist: Die Minoer waren keine Griechen. Sie kamen aus dem Osten. Wahrscheinlich aus der Levante.

Unmut im Auditorium. Murren. Füßescharren.

Der Autor Kostis Christakis meldet sich zu Wort „Ob es nun einigen gefällt oder nicht, die Minoer sind ein semitischer Stamm gewesen“, sagt er selbstbewusst.

Tumultartige Szenen im Saal. Der frühere Präfekt von Heraklion, Dimitris Sarris, springt auf. „Sie wollen uns sagen, dass die Minoer Juden gewesen sind?“ schreit er mit überschnappender Stimme.

Das will Christakis sicher nicht, denn zu jener Zeit, als die Paläste auf der Insel entstanden und die feine Keramik gefertigt wurde, setzte man überall in der Alten Welt noch auf viele Götter. Das Eingott-Modell war noch nicht erdacht, der ewig zürnende Jahwe noch nicht geschaffen worden.

Im Saal ist die Hölle los. Die Gäste gellen, ballen die Fäuste. Sarris packt nun die Kraft seines früheren Amtes in seine Stimme: „Wir einfachen Griechen können und wollen die These von Christakis nicht akzeptieren.“

Er schaut sich triumphierend um, breitet die Arme aus. „Wir waren die Minoer. Die Minoer waren Kreter. Punktum.“

Einer aus dem Auditorium tritt nach vorn, schlägt sich theatralisch an die Brust: „Hier drinnen fühle ich, dass die Minoer Kreter waren. So wie du und du und du.“ Er zeigt mit spitzem Finger in die Menge. Bevor er auf mich deuten kann, ducke ich mich weg, auf dass er nicht lügt.

Gefühle lügen nicht, auch wenn alle Kreter lügen – aber halt, wir wollen ja nicht ins Paradoxe abdriften, die Wortbeiträge bei dieser Buchvorstellung sind paradox genug.

„Das ist doch zionistische Propaganda, dass das alte Kreta jüdisch gewesen ist.“ Das sagt einer, der keineswegs dem rechten Rand des politischen Spektrums zuzurechnen ist, sondern ein Abgeordneter der PASOK, der sozialistischen Partei Griechenlands.

Das „jüdische Kreta“ wird in den nächsten Wochen zum Topthema der Insel-Medien. Keine der vielen Verschwörungstheorien kommt zu kurz, man spricht und schreibt gar von einem „Feldzug der Juden, Kreta wenigstens in der Antike in ihren Besitz zu bringen“.

Als die Anschuldigungen bizarrer werden, die Vorwürfe gegen Tsipopoulou und Christakis immer lauter, sieht sich der Verband der griechischen Archäologen gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Die Archäologen zeigen sich besonders darüber beunruhigt, dass die Angriffe auf die Vertreter ihrer Zunft von lokalen Politikern ausgegangen sind. Der Verband verweist auf die Freiheit von Lehre und Forschung und sichert seinen Mitgliedern die volle Unterstützung zu. Einige Forscher der Insel geben aber zu verstehen, dass sie sich als kretische und nicht als griechische Wissenschaftler betrachten.“

ansonsten ein Literaturhinweis zum Thema: Heinrich Lewy: Die semitischen Fremdwörter im Griechischen (1895) und ein Zitat von Homer:

„Kreta ist ein Land im dunkelwogenden Meere,
Fruchtbar und anmutsvoll und ringsumflossen. Es wohnen
Dort unzählige Menschen, und ihrer Städte sind neunzig:
Völker von mancherlei Stamm und mancherlei Sprachen. Es wohnen
Dort Achaier, Kydonen und eingeborene Kreter,
Dorier, welche sich dreifach verteilet, und edle Pelasger.
Ihrer Könige Stadt ist Knossos, wo Minos geherrscht hat,
Der neunjährig mit Zeus, dem großen Gotte, geredet.“

2.) Einem verwandten Thema widmet sich die neue Ausgabe des Weekly Workers mit dem zweiten Teil des Artikels von Chris Gray Homer’s ‘Iliad’ and ‘Odyssey’ in social and historical context (Teil 1 hier)

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Vermischtes vom Klassenkampf

Posted by entdinglichung - 4. Februar 2009

1.) Zu den derzeit unter der peinlichen rechten Parole „British work for British workers“ ablaufenden wilden Streiks im Energiesektor im UK sei auf den Blog-Beiträge von Splintered Sunrise und The Commune (zur starken Beteiligung polnischer ArbeiterInnen), den Forderungskatalog der Gewerkschaft bei Lindsey Oil Refinery (nebst einem Statement der CGIL) sowie auf Artikel auf LibCom und das Kommunique von Socialist Resistance verwiesen, letzteres stellt fest:

„In fact the demands of the strikers themselves imply that Italian workers at IREM should be sacked and replaced by British workers, and that jobs in Britain should be ring-fenced against workers from outside. This is seriously wrong — where would it leave British workers working under similar conditions in other European countries?
If wages are being undercut by IREM at the Lindsey refinery the strike is absolutely legitimate and should be fully supported both by solidarity action and by the unions. But the facts have to be clear and that is not the case yet. Maybe the Italian workers themselves or their unions could shed light on the matter of their rates of pay and working conditions? Has anyone asked them?
Wage rates and collective agreements, of course, should be defended against all comers, not just foreign employers. Undercutting from anywhere, including just down the road, is completely unacceptable. Collective agreements have to be defended at all times and the trade unions have a direct responsibility in this.
The way to defend construction workers, or any other section of workers, in today’s conditions has to be by strengthening trade union organisation and by working class solidarity — and that included international solidarity.
The trade unions should make it clear that workers from abroad are welcome in this country. They should link up with the unions where workers come and ensure that all agreements, and obligations, are carried out by the employers.
Some of the unions involved in this dispute have rightly been having recruiting drives to recruit workers from abroad. This is the best way to build a fight-back. Pitting one group of workers against the other only benefits the employers who are always ready to divide and rule.“

2.) Hierzulande fast unbemerkt: Seit dem 20. Januar befinden sich die ArbeiterInnen in der französischen Karibik-Kolonie Guadeloupe im Generalstreik um insgesamt 146 Forderungen, darunter einer Erhöhung des Mindestlohnes auf 200 Euro, Senkung von Steuern, Benzin- und vor allem Lebensmittelpreisen sowie ein Einfrieren der Mieten durchzusetzen. Weitere Infos dazu auf Solidarité Ouvrière (1, 2 und 3) sowie auf den Seiten der NPA und von Combat Ouvrier, eine Solidaritätsadresse von Gewerkschaften und linken Parteien aus Matinique findet mensch hier.

3.) Indymedia Irland berichtet, dass mehr als 300 ArbeiterInnen (welche seit September 2008 keinen Lohn erhalten haben) eine Landmaschinenfabrik in Kherson/Ukraine besetzt und einen“ Sowjet“ gebildet haben:

„At this moment the council is meeting in the former cabinet of a technical director. Leonid Nimchinov, the chair of the workers council, says that these events must be widely spread and calls workers from other plants throughout Ukraine to display solidarity and support each other. In the near future he is going to address this call to workers of Lviv Bus Plant and other factories.

The main demands of protesting workers:
– payment of wage arrears (near 4.5 million Ukrainian hryvnias);
– nationalization of the plant without compensation to its owner;
– the state-secured plant’s production distribution – high-quality farm machinery

In case of ignoring their demands workers are ready to turn to the toughest forms of protest.“

4.) LibCom berichtet, dass Attacken auf protestierende kretische KleinbäuerInnen zu Solidaritätsaktionen und Streiks im öffentlichen Dienst auf Kreta geführt haben.

„Alarmed at the police attack of their compatriots, civil servants across Crete walked out their offices while shops shut down in protest across the island. Farmers occupied the two offices of the Ministry of Economics, the Central Civil command of the Island and blockaded the Bank of Greece. At the same time taxi drivers refused to drive their cabs, and gas stations closed down across Crete. The wildcat general strike informally declared is expected to last until Thursday.“

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