Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Archive for the ‘Vatikan’ Category

Zwei Priester und ihre Behandlung durch ihre Kirchenleitung

Posted by entdinglichung - 24. März 2010

Die römisch-katholische Kirche geht mit abweichendem Verhalten in ihren Reihen von Fall zu Fall durchaus unterschiedlich um:

Fall 1: Knallhartes Durchgreifen

„Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hat einen homosexuellen Pfarrer suspendiert. Der 41-Jährige aus Bad Driburg (Kreis Höxter) habe dem Erzbischof am Montag gestanden, eine Homosexuellen-Homepage im Internet zu betreiben, sagte Bistums- Sprecher Ägidius Engel und bestätigte damit Medienberichte. Mit der Amtsenthebung sei eine Rückkehr in eine Gemeinde ausgeschlossen, betonte Engel. Der Erzbischof erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Paderborn prüft nun einen strafrechtlichen Anfangsverdacht.“

Fall 2: Business as usual

„Christian Von Wernich, 69, was convicted for involvement in seven murders, 42 abductions and 31 cases of torture during the 1976-83 „Dirty War“.

Survivors say he passed information he obtained from prisoners to the police.“

„As of 1 February 2010 von Wernich has not been penalised by the Catholic Church and is permitted to officiate as priest at Mass in prison. On his conviction his superior, bishop Martín Elizalde, apologised for von Wernich being „so far from the requirements of the mission commended to him“ and said „at the appropriate time von Wernich’s situation will have to be resolved in accordance with canonical law“, but never again referred to the issue in public.“

Es gibt für die katholische Kirche eben weniger schlimme und schlimmere Verbrechen und im Kampf gegen den Kommunismus ist selbst die Verletzung des Beichtgeheimnisses nicht so wild.

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Das Wort zum Mittwoch

Posted by entdinglichung - 3. März 2010

Jürgen Becker zum „Fall Käßmann“ und umzu:

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Vermischtes

Posted by entdinglichung - 27. Oktober 2009

1.) Aus dem gestrigen Guardian:

2.) Das IBRP heisst jetzt Internationale Kommunistische Tendenz:

„Um unserer Existenz als vereinigter internationaler Organisation einen klareren Ausdruck zu geben, haben wir beschlossen den Namen der Organisation in Internationalistische Kommunistische Tendenz (mit dem Zusatz „für die revolutionäre Partei“ auf der Website) zu ändern. Dies drückt keine Veränderung in den Beziehungen zwischen unseren Gruppen aus, noch bedeutet es, dass die jeweiligen Gruppen ihre Verantwortung aufgeben, ihre Präsenz in der Arbeiterklasse zu verstärken.“

3.) Die Höflichkeit gegenüber den Cops in Oldenburg ist aus deren Sicht ungenügend, wie Regentied berichtet:

„Im Einsatz müssen sich Oldenburgs Polizisten immer häufiger schlimmste Beleidigungen anhören. Seit Anfang des Jahres kamen bereits 64 Fälle zur Anzeige. »Das hat eine Dimension angenommen, die wie bisher nicht kannten. Es ist erschütternd«, sagte Polizei-Chef Johann Kühme. »Das hat mit Respektlosigkeit zu tun. Und dieses Verhalten richtet sich nicht nur gegen Polizisten. Hier macht sich ein Wertewandel in der Gesellschaft bemerkbar«.“

4.) Aus einem offenen Brief von Rachel Tabachnik und Bruce Wilson auf Talk2Action an Elie Wiesel auf Grund von dessen Bestreben bei einer Veranstaltung von John Hagee’s Christians United for Israel (CUFI) aufzutreten:

„John Hagee teaches „theological racism,“ the idea that the destiny of peoples is based on their biblical genealogy. Hagee claims Jewish souls are different from those of gentiles and that, according to divine plan, Jews have no right to live anywhere on Earth but in Israel. Hagee’s fellow Christian Zionists predict that a coming, divinely ordained paroxysm of anti-Semitic violence, a „second Holocaust,“ will be necessary to force all Jews to make aliyah. From the pulpit, pastor Hagee and his fellow Christian Zionists preach their theological racism that risks provoking such a catastrophe.

John Hagee’s attacks on Judaism are well documented and have included calling Hillel an extremist whose followers incited both the killing of Jesus and centuries of anti-Semitism. From the pulpit Hagee has claimed that the anti-Christ is „partially Jewish, as was Adolf Hitler.“

Hagee also preaches that European-based Rothschilds control the US economy, through the Federal Reserve, and conspire to attack the American middle class by devaluing the dollar.“

5.) Papst Ratzingers Verein fhrt derzeit Gesprche in einer „herzlichen, respektvollen und konstruktiven Atmosphäre“ mit den reaktionären Piusbrüdern, mehr dazu auf Atheist Media Blog und auf Analyse, Kritik & Aktion … an anderen Orten und bei anderen Themen zeigt sich der Vatikan weniger konziliant, wie Splintered Sunrise anmerkt:

„Deposing the leader of an African Church: Earlier this month Pope Benedict accepted the resignation of Archbishop Paulin Pomodimo of Bangui, the most senior Catholic cleric in the Central African Republic (CAR). The resignation followed a visit to the CAR by a papal emissary, Archbishop Robert Sarah, secretary of the Congregation for the Evangelisation of Peoples, in March. It is widely thought that the Pope requested the archbishop’s resignation because he tolerated priests keeping mistresses.“

6.) Die Church of England hält ein Aktienpaket im Wert von 29 Millionen Pfund wo auch Anteile der Firma BHP Billiton dabei sind:

„But today, critics of the company will present an alternative report outlining the negative impacts of many of the company’s operations – in Australia, West Papua, Papua New Guinea, the Philippines, South Africa, Canada, Colombia and Chile.

The report is the work of organisations from many countries working with directly impacted communities, including church groups.

The report catalogues abuses of human rights, particularly of affected communities, issues of worker health and safety, livelihood and food security, and environmental problems. It also raises issues around climate change and BHP Billiton’s commitment to increased extraction and promotion of both coal and uranium for power production.

At the launch, representatives of communities in Colombia which are being removed to make way for expansion of the world’s biggest opencast coal mine, Cerrejon (one-third owned by BHP Billiton) will describe their own experience with the company. Farming families in villages around the mine have been deprived of their livelihoods as the mine expands and accuse the Cerrejon Coal company of failing to negotiate in good faith or offer sufficient assistance or compensation. They want BHP Billiton to make Cerrejon Coal deal with them fairly.“

7.)

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Linke Papstversteher?

Posted by entdinglichung - 9. Juli 2009

Vielleicht wächst hier ja zusammen, was zusammengehört:

„Die Neuauflage eines Puritanismus, der sich als Vollzugshelfer längst den islamischen Mob ausgeguckt hat, manifestiert sich seit nunmehr drei Jahren im zunehmend hysterisch zelebrierten Kirchenkampf gegen den Bischof von Rom gerade dann, wenn der an die universale Vernunft oder die Humanisierung der Sexualität appelliert.“ (BaHamas)

„Benedikt hat ja nicht die politischen Absichten dieses Williamson rehabilitiert und ihm auch kein kirchliches Amt zurückgegeben. Er hat lediglich ihn und die Seinen wieder als einfache Mitglieder in der Kirche akzeptiert. Die Kirche aber ist per definitionem eine Gemeinschaft von Sündern – dort hat der Lügner und der Ehebrecher ebenso seinen Platz wie der Mörder und eben auch der Holocaust-Leugner. Würde die Kirche nur diejenigen zulassen, die Heilige sind, wäre sie keine Volkskirche mehr, sondern nur noch eine Sekte.

Sowohl die katholische Kirche wie der Islam werden in der gegenwärtigen Kampagne als archaisch, mittelalterlich und intolerant dargestellt – als tödliche Gefahr für Minderheiten (vgl. die Lesbe im Film, Juden in der Papst-Debatte).“ (Jürgen Elsässer)

„“Es ist begrüßenswert, dass sich der Papst zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise äußert. Es wurde Zeit, für eine klare Äußerung Benedikts über die Ursachen und mögliche Auswege aus der Krise“, so Bodo Ramelow zur heute veröffentlichten Sozialenzyklika des Papstes. Der religionspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE weiter:“ (Bodo Ramelow)

bishop

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1. April … Gerhard Polt

Posted by entdinglichung - 1. April 2009

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Vermischtes

Posted by entdinglichung - 11. Februar 2009

1.) Labour Website of the Year 2008: die Homepage der unabhängigen klassenkämpferischen Gewerkschaft United Electrical, Radio and Machine Workers of America (UE) in den USA:

2.) Die FAU-IAA erinnert an eine Gedenkveranstaltung vor einigen Tagen in Paris für die SpanierInnen, die im Kampf um die Befreiung Frankreichs vom deutschen Faschismus gefallen sind oder in deutschen Konzentrationslagern wie Mauthausen ermordet wurden; eine Einheit von ExilantInnen (darunter vielen AnarchistInnen) aus Spanien hatte im August 1944 als erste alliierte Abteilung Paris erreicht und eine wichtige Rolle bei der Befreiung der Stadt gespielt:

„Mauthausen nimmt unter all den Lagern der Vernichtungsmaschine der Nazis eine ganz besondere Rolle ein. Es sticht nicht in erster Linie durch den industriell betriebenen millionenfachen Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas hervor wie Auschwitz oder Sobibor. Mauthausen mit all seinem Schrecken war stattdessen ein Schmelztiegel all dessen, wogegen sich der Vernichtungswille der Nazi-Barbarei richtete. In Mauthausen schleppten sich deutsche Antifaschisten die Treppe zum Steinbruch hinauf, zusammen mit jüdischen Menschen, russischen Kriegsgefangenen, jugoslawischen Partisanen. Mehr als 200.000 Menschen aus 30 Ländern gingen durch dieses Inferno aus Mord und Vernichtung.

Unter all den Menschen, die von den Nazis in Mauthausen ermordet wurden, wollen wir uns heute einer Gruppe ganz besonders erinnern. Nicht um sie gegenüber ihren Leidensgenossen hervorzuheben, sondern weil heute ein Tag ist, der in besonderer Weise ihrem Andenken gewidmet ist. Ich will von den mehr als 7.500 Spaniern sprechen, die ab 1940 nach Mauthausen verschleppt wurden und von denen mindestens 4.200 in den Steinbrüchen der infamen „Vernichtung durch Arbeit“ anheim fielen.“

3.) Offenbar erschien 1998 ein Aufsatz mit dem Titel „Freiheit und Wahrheit“ des heutigen Papstes Benedikt Ratzinger XVI. in dem vom österreichischen faschistoiden Magazin Aula heraugegebenen Sammelband „1848 – Erbe und Auftrag“ wobei momentan nicht klar ist, ob der damalige Grossinquisitor Chef der Glaubenskongregation von dem Nachdruck überhaupt wusste (auch Unfehlbarkeit hat ihre Grenzen) wusste oder ob hier eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Jedenfalls haben es Ratzinger bzw. sein Verlag in den letzten elf Jahren es nicht für notwendig angesehen, der Sache nachzugehen … stellt sich die Frage, ob ein derartiger Text sich in den genannten Sammelband nicht vielleicht problemlos einfügt.

„Das DÖW kommentierte den Artikel so: “Der rechtsextreme Aula-Verlag schmückt sich mit der Autorenschaft des Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Joseph Ratzinger.” Als Herausgeber der Denkschrift fungierte Aula-”Schriftleiter” Otto Scrinzi, ehemaliger SA-Sturmführer, Ex-NSDAP-Mitglied und dann – FPÖ-Nationalratsabgeordneter. Mitherausgeber der Schrift ist der deutsche Rechtsextremist Jürgen Schwarz. Für den Grünen Abgeordneten Karl Öllinger, der die Schrift entdeckte, muss die Stellung von Benedikt XVI. in der Debatte um die rechte Pius-Bruderschaft jetzt völlig neu bewertet werden.“

4.) Ein Interview mit Jayampathy Wickramaratne, Politbüromitglied der Lanka Sama Samaja Party (LSSP), … ein reformistischer Linker, der es allen und daher niemandem recht machen will und einen „sauberen Krieg“ statt des derzeitigen schmutzigen Krieges möchte:

„As far as the war is concerned, every government has the right to take back territory which it has lost to either a foreign power or to a separatist organization. So, I have no problems with regaining lost territory. But it must be done in such a way so that it is not perceived as a war against the Tamil community. Every effort should be made to distinguish between the Tamil community and the LTTE. And that can only be done if this military effort is supplemented on the political front. That is why if there is progress with the APRC, that will be reason for Tamils to have hope. While I have no problems with the military action against the LTTE per se, there has to be parallel efforts towards a political solution. So, what is a political solution? It is a constitutional settlement that takes into consideration the aspirations of the Tamil community, but also the other minorities and the Sinhala community. That can only be done through devolution to the provinces, safeguards for the minorities within those provinces, for example for Muslims and Sinhalese in the East. Power sharing at the centre, which will bring the Provinces into the centre, will be an effective inter-locking mechanism for the centre and the regions. And a strong fundamental rights charter, which can be used to safeguard the rights of all communities and of course a check on the Centre. Unfortunately, there are elements in the South who refuse to see the importance of such a political solution. There is now militarization of society and intolerance of dissent. Any criticism of the government is viewed as criticism of the war. That should not be so.“

5.) Die Uni Hamburg interessiert sich, so All Change Please, für private Finanzdaten von Studierenden:

„Die Uni fordert derzeit Studierende auf, für Entscheidungen über Stundungen nach Landeshaushaltsordnung ungeschwärzte Kopien von Kontoauszüge einzureichen. Wir finden, dass es die Uni nichts angeht, in welchen Vereinen und Organisationen ihr etwa Mitgliedsbeiträge zahlt oder wo ihr euer Geld abhebt. Ob die Uni das überhaupt darf, wird derzeit vom Hamburgischen Datenschutzbeauftragten geprüft, Arbeitsagenturen – das könnte durchaus vergleichbar sein – dürfen das jedenfalls nicht. Wir fordern euch auf, der Uni bis auf weiteres erst einmal nur Kontoauszüge zu geben, in denen die Informationen zu den kleineren Buchungen geschwärzt sind.“

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Vermischtes zur Vergangenheitspolitik

Posted by entdinglichung - 26. Januar 2009

1.) Wieder einmal Unsägliches von Papst Ratzinger: Nach der Seligsprechung francistischer Geistlicher (nebst Ablehnung des Gesetzes Ley de Memoria, welchen den Putsch von 1936 als illegal einstuft), einer die Rolle des katholischen Antisemitismus versteckenden Rede in Auschwitz 2006, Lobhudelei zu Pius XII., der Widerzulassung einer vor 40 Jahren abgeschaften antijüdischen Karfreitagsliturgie, etc. nun dies (Quelle Reuters, siehe auch hier):

„Das deutsche Oberhaupt der katholischen Kirche hob am Wochenende die Exkommunikation von vier Bischöfen auf, die 1988 ohne Zustimmung des Vatikans vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht worden waren. Einer von ihnen ist der in Großbritannien geborene Richard Williamson, der wiederholt das volle Ausmaß des Völkermords an den Juden während des Nationalsozialismus leugnete. So hatte er zuletzt in einem am Mittwoch im schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Interview gesagt: „Ich glaube, dass es keine Gaskammern gegeben hat.“ Zudem behauptete er, in den deutschen Konzentrationslagern seien nicht sechs Millionen Juden getötet worden, sondern lediglich bis zu 300.000.

Ein Sprecher des Vatikans räumte zwar ein, dass Williamsons Kommentare anfechtbar seien. Für die Aufhebung der Exkommunikation seien sie aber „absolut irrelevant“, betonte er.

Die vier Bischöfe gehören der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. an. Nach ihrer Exkommunikation und der ihres Gründers Lefebvre vor rund 20 Jahren spaltete sie sich von der römisch-katholischen Kirche ab. Der Bruderschaft gehören nach eigenen Angaben 493 Priester an, 600.000 Gläubige haben sich ihr angeschlossen. Mit der Rehabilitation der Bischöfe wollte Papst Benedikt XVI. die Einheit der katholischen Kirche wiederherstellen.“

Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X politisch zur reaktionären oder faschistischen Rechten (so in Frankreich, wo sie am stärksten ist, zum Front National) tendiert … vergleichbare Konzilianz gegenüber BefreiungstheologInnen und LinkskatholikInnen wie bspw. Leonardo Boff oder Jacques Gaillot sucht mensch beim recht(s)gläubigen Papst Ratzinger vergeblich, worauf beispielsweise auch die relativ gemässigte katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hinweist.

bishop

2.) Zur Diskussion um den neuen Tom Cruise-Film Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat ein Zitat aus dem Buch Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick (S. 309f, 1994) von Ian Kershaw:

„Es wurde bereits angesprochen, dass sich die meisten der Männer, die sich später an der Stauffenberg-Verschwörung beteiligten, zunächst für das Dritte Reich begeisterten und viele von ihnen unter Hitler als Staatsdiener wichtige Funktionen in den höheren Rängen der Bürokratie und Wehrmacht wahrnahmen. Mit der wachsenden Radikalisierung des Regimes kam es bei ihnen zu einer allmählichen Entfremdung und Desillusionierung. Sie dienten dem Regime jedoch lange genug, um es so weit zu stärken, dass Widerstand in jeder Form schwieriger und sie selbst entbehrlicher wurden – und die NS-Führung sich von den traditionellen nationalkonservativen Eliten distanzieren und sie zu rein “funktionalen Eliten”degradieren konnte. In ihrer grossen Mehrheit billigten die Eliten 1933 die Zerschlagung des “Parteiensystems”, das sie in der Weimarer Republik so verabscheut hatten; sie lobten Hitler 1934 öffentlich für den Massenmord an den SA-Führern; über die Demontage der Verträge von Versailles und Locarno zeigten sie sich in den Jahren 1935/36 begeistert; 1936 akzeptierten sie den Sprung zur Autarkiewirtschaft und Kriegsvorbereitung; als 1937/38 mit Hilfe einer Terrorwelle immer mehr jüdisches Eigentum arisiert wurde, äußerten sie keine Kritik. Sie fügten sich stillschweigend, als die Konservativen im Februar 1938 von allen einflussreichen Posten in der Wehrmacht und im Auswärtigen Amt entfernt wurden, und sonnten sich nach dem Anschluss Österreichs im folgenden Monat im Widerschein des Hitlerschen Ruhms. Erst danach entstand im Gefolge der sich zuspitzenden Sudetenkrise aus der zunehmenden Besorgnis einer Minderheit innerhalb der Eliten der Keim für die spätere Verschwörung gegen den “Führer”. Doch aufgrund der weiteren aussenpolitischen Erfolge Hitlers- darunter der Triumph über die nachgiebigen Westmächte in München – sowie die erstaunliche militärische Erfolgsserie, die erst vor den Toren Moskaus ein Ende fand, blies der Wind auch dann noch der Opposition ins Gesicht. Unterdessen verstrickten sich die Eliten in Bürokratie, Militär und Wirtschaft immer tiefer in die wachsende nationalsozialistische Barbarei in Polen und der Sowjetunion. Mit zunehmender Kriegsdauer brachen sie gemeinsam mit dem NS-Regime immer mehr Brücken hinter sich ab.“

3.) Humoriges bei Missy zum 2000. Jubiläum der Varusschlacht:

… auf wessen Seite mensch als internationalistischeR LinkeR vor 2000 Jahren hätte stehen müssen (römischer Sklavenhalterstaat oder die gegen römische Besteuerung und Verwaltung revoltierende Stammeskonföderation), muss aber noch einmal ausdiskutiert werden … ;-)

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Der Teufel Bitru (1897)

Posted by entdinglichung - 25. November 2008

Der Teufel Bitru, ein Artikel aus der österreichischen sozialdemokratischen Regionalzeitung „Der Wähler – Sozialdemokratisches Organ für das Viertel unter dem Manhartsberg“ vom 29. April 1897 (mehr Informationen zur Zeitung hier, das Original hier) zum Taxil-Schwindel, als pdf-Datei (16 kb) hier:

Der Teufel Bitru

Quelle: Der Wähler – Sozialdemokratisches Organ für das Viertel unter dem Manhartsberg, 11. Jg., Nr. 9 (29. April 1897), S. 1

Im vorigen Jahre tagte in Trient ein Antifreimaurer-Congreß. Großes Aufsehen erregte damals die Darstellung des clerikalen Schriftstellers Taxil und der Miß Vaughan. Es wurde erzählt, daß dieses Fräulein im verkehre mit dem Teufel Bitru gewesen und dieses durch die Unterschrift des Teufels bestätigt. Herr Taxil und Fräulein Vaughan waren nämlich früher Freimaurer gewesen und hatten vollen Einblick in das Thun und Treiben dieser Leute erlangt. Sie waren daher auch in der Lage, über den Teufel, seine Großmutter etc. beste Auskunft zu geben. Vernünftige Menschen lachten zwar damals schon über diesen Unsinn, aber seitens der Clerikalen auf dem Trienter Congresse wurde in der Mehrheit die Glaubwürdigkeit dieser der Teufelsgeschichte angenommen und in ihren Zeitungen und Büchern diese im Volke überall verbreitet. nun ging für den Herrn Taxil die Sache aber etwas schief, und er sah sich veranlaßt, dieser Tage in einer Versammlung, welcher viele Geistliche beiwohnten, zu erklären, daß die ganze Teufelsgeschichte erlogen sei. Er sagte Folgendes: Die Sache war mit der Miß Vaughan abgemacht. Wir richteten an die Bischöfe und Cardinäle die Zuschriften und hatten guten Erfolg. Wir erhielten Antwortschreiben von allen Seiten, vom Generalsecretär Berzighi in Rom und Anderen, worin sie uns beglückwünschten; ein Prälat aus der Umgebung des Papstes ermuthigte uns wegen der Angriffe, welchen wir ausgesetzt waren. Wir sind im Besitz eines Schreibens, welches lautet:

„Mit lebhafter und tiefer Bewegung habe ich ihren Brief vom 29. November und ihr Neuvaine eucharistique gelesen. Der heilige Vater beauftragte mich, Ihnen seinen Segen mitzutheilen. Seit Langem fühlen wir für Sie. Ihre Bekehrung ist einer der größten Siege, die ich kenne. Ich lese eben ihre Memoiren, welche außerordentlich anregen … Empfangen sie auch meinen Segen und den Ausdruck meiner Ergebenheit.

Cardinal Parochi“

Die Enthüllungen des Herrn Taxil riefen in der Versammlung einen großen Tumult hervor. Von allen Seiten wurde er bedroht. Die anwesenden Priester wollten fort. Einer von ihnen, Abbé Garnier, sagte zu seiner Umgebung: „Ich mußte an diese außergewöhnliche Geschichte glauben, da ja auch die höchsten kirchlichen Würdenträger sie geglaubt haben.“

Taxil mußte unter dem Schutze der Polizei die Versammlung verlassen. So endete die Geschichte von dem Oberteufel Bitru früher als wir geglaubt hatten, und die Gläubigen sind um eine Erfahrung reicher. Der Herr Taxil und das Fräulein sollen bei der Sache eine halbe Million Francs verdient haben. Das Teufelsgeschäft ist also auch nicht schlecht, vorausgesetzt, daß man Glauben findet.

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Seligkeit

Posted by entdinglichung - 30. Oktober 2007

Papst Ratzinger hat 498 römisch-katholische „Märtyrer“ selig gesprochen: spanische Priester, Mönche, Nonnen und Laien, welche aus kirchlicher Sicht der Republik in der Zeit von Revolution und Krieg 1936 bis 1939 zum Opfer gefallen sein sollen. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bleibt sich damit durchaus treu, hatte der von ihm geleitete Verein doch von der Niederlage der spanischen Republik in kaum zu übertreffender Weise profitiert, die durch die Republik 1931 bewirkte Trennung von Kirche und Staat und die Enteignung von kirchlichem Landbesitz wurde von Franco & Konsorten rückgängig gemacht und gaben der römisch-katholischen Kirche eine privilegierte Stellung, welche sie in kaum einen Staat im 20. Jh. (vom Vatikan einmal abgesehen) inne hatte.

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Die damalige Haltung der römisch-katholischen Kirche wird auch deutlich durch eine Bilderserie auf der Webseite La Bataille Socialiste dokumentiert, welche auch uninformierte Menschen vielleicht erahnen lässt, warum viele Institutionen und Persönlichkeiten der römisch-katholischen Kirche nicht unbedingt bei allen Menschen in Spanien beliebt waren und sind. Nicht selig gesprochen wurden (die sehr viel zahlreicheren) Opfer des rechten Terrors, v.a. aus der Zeit nach 1939 oder baskische republikanische KatholikInnen (darunter 16 vom Franco-Regime ermordete baskische Priester, welche, ebenso wie die kleine protestantische Minderheit in Spanien keinen Repressalien durch die Republik ausgesetzt waren). Allerdings sollte einen derartige Seligsprechungen bei einer Organisation, welche sich einen Inquisitor und antijüdischen Hetzer als Schutzheiligen der Anwälte hält und diesen am 23. Oktober feiert, BefreiungstheologInnen Lehrverbote erteilt und gleichzeitig die reaktionären Lefebvre-AnhängerInnen umwirbt und auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gestalten wie Christian von Wernich (siehe auch hier) hervorbringt, nicht gross wundern. Kein Zufall scheint auch, dass die Seligsprechung kurz vor der Verabschiedung des Ley de Memoria stattfindet, welches (wenn auch in einer ungenügenden Weise) die Opfer des Franco-Regime und eines von der römisch-katholischen Kirche als Kreuzzug legitimierten Gemetzels rehabilitieren und teilweise entschädigen wird.

Einen ausführlicheren, lesenswerten Kommentar zu der ganzen Angelegenheit findet mensch hier.

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