Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Zur nationalsozialistischen Bücherverbrennung vor 75 Jahren

Verfasst von entdinglichung am Mai 10, 2008

Verbrennt mich!

Ein Protest von Oskar Maria Graf. (veröffentlicht in der Arbeiter-Zeitung, Wien, 12. Mai 1933 )

Wie fast alle links gerichteten, entschieden sozialistischen Geistigen in Deutschland, habe auch ich etliche Segnungen des neuen Regimes zu spüren bekommen: Während meiner zufälligen Abwesenheit aus München erschien die Polizei in meiner dortigen Wohnung, um mich zu verhaften. Sie beschlagnahmte einen großen Teil unwiederbringlicher Manuskripte, mühsam zusammengetragenes Quellenstudien-material, meine sämtlichen Geschäftspapiere und einen großen Teil meiner Bücher. Das alles hart nun der wahrscheinlichen Ver-brennung. Ich habe also mein Heim, meine Arbeit und – was vielleicht am schlimmsten ist – die heimatliche Erde verlassen müssen, um dem Konzentrationslager zu entgehen.

Die schönste Überraschung aber ist mir erst jetzt zuteil geworden: Laut „Berliner Börsenkurier“ stehe ich auf der weißen Autorenliste des neuen Deutschland und alle meine Bücher, mit Ausnahme meines Hauptwerkes „Wir sind Gefangene“, werden empfohlen! Ich bin also dazu berufen, einer der Exponenten des „neuen“ deutschen Geistes zu sein!

Vergebens frage ich mich, womit ich diese Schmach verdient habe.

Das dritte Reich hat fast das ganze deutsche Schrifttum von Bedeutung ausgestoßen, hat sich losgesagt von der wirklichen deutschen Dichtung, hat die größte Zahl ihrer wesentlichsten Schriftsteller ins Exil gejagt und das Erscheinen ihrer Werke in Deutschland unmöglich gemacht. Die Ahnungslosigkeit einiger wichtigtuerischer Konjunkturschreiber und der hemmungslose Vandalismus der augenblicklich herrschenden Gewalthaber versuchen all das, was von unserer Dichtung und Kunst Weltgeltung hat, auszurotten, und den Begriff „deutsch“ durch engstirnigsten Nationalismus zu ersetzen. Ein Nationalismus, auf dessen Eingebung selbst die geringste freiheitliche Regung unterdrückt wird, ein Nationalismus, auf dessen Befehl alle meine aufrechten sozialistischen Genossen verfolgt, eingekerkert, gefoltert, ermordet oder aus Verzweiflung in den Freitod getrieben werden!

Und die Vertreter dieses barbarischen Nationalismus, der mit Deutschsein nichts, aber auch schon gar nichts zu tun hat, unterstehen sich, mich als einen ihrer „Geistigen“ zu beanspruchen, mich auf ihre sogenannte weiße Liste zu setzen, die vor dem Weltgewissen nur eine schwarze Liste sein kann!

Diese Unehre habe ich nicht verdient!

Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!

Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selber wird unauslöschlich sein, wie eure Schmach!

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Aufschub für Dale Farm und Hovefields

Verfasst von entdinglichung am Mai 9, 2008

Mehr als 40 Familien in den beiden Traveller-Siedlungen Dale Farm (die grösste Traveller-Siedlung im UK) in Billericay und Hovefields in Wickford dürfen laut eines heutigen Beschlusses des High Courts in London nicht, wie von der von den Tories beherrschten Stadtverwaltung von Basildon/Essex geplant, unter einer bisher bestehenden Räumungsverfügung von ihren Wohnorten vertrieben werden. Gleichzeitig betonte das Gericht aber auch, dass die BewohnerInnen dort illegal siedeln würden und zu einem späteren Zeitpunkt den Ort verlassen werden müssen. Die Landflächen von Dale Farm und Hovefields sind im Besitz der dort wohnenden Traveller, für die dort errichteten Häuser (einschliesslich eines kürzlich errichteten Community Centres für Jugendliche) wurden (wie auch in vielen anderen Orten in Britannien, nach Schätzungen in vermutlich mehr als 90% aller Fälle) von einer zumindest unterschwellig rassistisch orientierten Kommunalverwaltung keine Baugenehmigung erteilt, seit der repressiven Verschärfung der Gesetzeslage 1994 im Rahmen des Criminal Justice and Public Order Act 1994 ist es für Traveller, Romnichal, Roma, Welsh Kale, etc. immer schwieriger geworden, Plätze zum Wohnen zu finden, da seit diesem Zeitpunkt Kommunalverwaltungen nicht mehr verpflichtet sind, Stellplätze zur Verfügung zu stellen. Die damals staatlicherseits ergangene Aufforderung an die Betroffenen, Land zum Siedeln zu käuflich erwerben wird durch die restriktive Genehmigungspraxis örtlicher Stellen ad absurdum geführt.

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Neumann Kaffee Gruppe profitiert von der Vertreibung von BäuerInnen in Uganda

Verfasst von entdinglichung am Mai 9, 2008

Die Vertreibung von BäuerInnen oder Indigenas in Staaten des Trikonts von ihren Ländereien für die Profitinteressen von Grosskonzernen wie im kolumbianischen Chocó ist kein Phänomen, welches auf den “angelsächsischen Raubtierkapitalismus” beschränkt bleibt, auch der angeblich sozial fürsorgliche “rheinische (oder auch hanseatische) Kapitalismus” legt da kein anderes Verhalten sondern - wenn überhaupt - nur eine andere Rhetorik an den Tag. Hieran erinnerte eine Aktion am gestrigen Tage in der Speicherstadt in Hamburg (einem Symbol deutscher und hamburger kolonialer Herrlichkeit), wo im Rahmen einer Protestaktion AktivistInnen von FIAN Deutschland e.V. darauf hinwiesen, dass die Kaffeeplantage der Firma Neumann Kaffee Gruppe nur durch die Vertreibung von 2.000 Menschen in der Region Mubende/Uganda durch die ugandische Armee im Jahre 2001 entstehen konnten. Neumann (welcher unter den Kaffekonzernen als eher sozialen Fragen gegenüber “aufgeschlossen” gilt) selbst weigert sich nicht nur, angemessene Entschädigungen zu zahlen, sondern stellt den Zustand, welcher dazu führte, das 2.000 Menschen ohne ausreichende Unterkunft und Versorgung leben müssen, zynisch als Entwicklungshilfe im Rahmen eines sozial und ökologisch nachhaltigen Wirtschaftens dar.

Black Gold, ein sehenswerter Film über die Auswirkung der Preispolitik der Kaffeekonzerne auf KleinbäuerInnen in Äthiopien

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Justice for the Freightliner Five - gegen die Entlassung von fünf aktiven GewerkschafterInnen bei Daimler in den USA

Verfasst von entdinglichung am Mai 9, 2008

Der nachfolgend dokumentierte Solidaritätsaufruf stammt von der Homepage von Solidarity, hierbei geht es um den Kampf gegen die Entlassung von fünf ArbeiterInnen beim Lastwagenhersteller Freightliner LLC/Daimler Trucks North America LLC in Cleveland/North Carolina, welcher sich im Besitz der Daimler AG befindet. Die fünf hatten im vergangenen Jahr einen Streik organisiert und wurden hierfür gefeuert, aus diesem Grunde findet heute ein Aktionstag für die Wiedereinstellung der fünf statt. Weitere Infos zu dem Fall findet mensch unter anderem auf der Webseite justice4five.com.

An Injury to One Is an Injury to All
Justice for the Freightliner Five!

Five members of the UAW Local 3520’s bargaining committee at Freightliner LLC, a truck manufacturing plant, owned by Daimler need your help. The Freightliner Five were fired a year ago for leading a strike in their plant over health, safety and other issues. May 9th is an international day of action for the Freightliner Five. Join them in Cleveland, NC for an 11AM rally in Cleveland Park OR organize solidarity actions at Freightliner/Daimler locations. Demand immediate reinstatement of the five with full back pay.

Download and distribute the flyer for May 9 action to support the Freightliner Five!

Although Freightliner opened the plant in Cleveland, a small town in “right-to-work” (for less) North Carolina, almost twenty years ago it wasn’t until 2002 that the workers there got seriously interested in a union. Workers had just taken a $1.15 an hour pay cut to cover their health care. However a UAW-recognized plant in nearby Mount Holly were protected by a contract, and therefore didn’t have their wages slashed. So when the UAW held a meeting three months later, workers in Cleveland attended. A core of workers set up a volunteer organizing committee, working out of the Methodist Church and planned an effective campaign that led to union recognition. Four of the Freightliner Five were memb