Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

75 Jahre POUM (Teil 2) – Gemeinsam gegen die konterrevolutionäre Gefahr! (1937)

Posted by entdinglichung - 8. September 2010

Als zweiter Teil der Serie zum 75. Jahrestag der POUM-Gründung nun ein Artikel (als pdf-Datei, 22 kb hier) aus der deutschsprachigen POUM-Zeitung „Die Spanische Revolution“, welcher zustimmend einen Artikel aus der anarchistischen Zeitung La Noche kommentiert und zur gemeinsamen Verteidigung der Revolution und ihrer Errungenschaften gegen den Block aus der stalinistischen PCE, bürgerlichen RepublikanerInnen und rechten Sozialdemokraten aufruft:

Gemeinsam gegen die konterrevolutionäre Gefahr!

In einem Artikel der Zeitung >La Noche<, der Barcelonaer Abendzeitung unter Kontrolle der CNT, warnt der Genosse Jaime Balius die Arbeiter vor dem offensichtlichen Vormarsch der Konterrevolution und zeigt die Notwendigkeit auf, dem entgegenzuwirken, ohne weitere Schritte rückwärts zu tun.

Wir, die wir nicht aufhören, diesen Vormarsch der Reaktion aufzuzeigen, beglückwünschen uns dazu, daß unsere Sorge geteilt wird durch die Zeitung einer Organisation, mit der wir in den Grundfragen gleicher Meinung sind, das heißt in der Einschätzung des Charakters der augenblicklichen, revolutionären Situation und der Rolle der Arbeiterklasse. Es freut uns besonders, daß man die begangenen Fehler anerkennt, und daß man mit dem Freimut und der Aufrichtigkeit bekennt, die immer die Revolutionäre charakterisieren.

»Wir befinden uns in einer ähnlichen Epoche wie der, die Frankreich gekannt hat im Verlaufe der Revolution des 18. Jahrhunderts, als man mit großem Geschrei die Aufhebung der Clubs forderte, in einer ähnlichen Situation, wie der der Sowjet-Union, als man die Auflösung der Sowjets forderte. genügt nicht, historische Parallelen zu ziehen. Wir sind die Schuldigen, wir, die wir die Revolution in unseren eigenen Händen halten. Wir erschrecken vor der Größe des Augenblicks. Aus Angst vor den Geschossen der ausländischen Kriegsschiffe, liefern wir die Revolution Parteien aus, die sie zweifellos erdrosseln werden. Ist es nicht so? Sind wir auf der Höhe unserer Aufgaben? Sicherlich nicht.

In unserer Revolution fordert man die Auflösung der Komitees und Kontrollpatrouillen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir uns mitten in einer konterrevolutionären Welle befinden. Jeder Moment im Leben eines Volkes hat seine spezifischen Eigenheiten. Wenn man nicht die notwendige Weiterentwicklung vorantreibt, wird das Resultat der Entwicklung der Tagesereignisse für die Revolution entgegengesetzte Wirkung« auf politischem und sozialem Gebiet haben. Während der sie-ben Monate Krieg finden wir dafür unzählige Beispiele. Wir, die Anarchisten, sind an die äußerste Grenze der Konzessionen gelangt. Wenn wir fortfahren, Positionen aufzugeben, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir in ganz kurzer Zeit zurückgeschlagen werden und die Revolution nur noch eine Erinnerung ist. Aus diesem Grunde ist es notwendig, daß wir unserer Bewegung eine neue Richtung geben.

Es ist nicht richtig, daß man, um die Massen an die Fronten des Bürgerkrieges zu führen, ihre revolutionären Wünsche ersticken muß. Ganz im Gegenteil! Es ist notwendig, die Revolution voranzutreiben, damit die Arbeiter sich mit Enthusiasmus in den Kampf um die Eroberung einer neuen Welt werfen, die in diesen Augenblicken der Unentschiedenheit nur ein leeres Versprechen ist.«

Die Verantwortung für das, was sich ereignet hat, fällt in der Tat zum allergrößten Teil auf diejenigen, die die Kontrolle über gewaltige Arbeitermassen ausüben, die entscheidende Positionen innehaben, und die sie aufgegeben haben zu Gunsten von Parteien, die die Revolution abwürgen werden. Das konterrevolutionäre Manöver, systematisch und zäh ausgeführt, hat seinen Höhepunkt erreicht in dem Versuch der Schaffung einer Volksarmee alten Stils, einer unpolitischen – das heißt bürgerlichen Armee – unter der Vorherrschaft des Berufsoffizierkorps, unter der bürgerlich-republikanischen Fahne. Das gleiche Manöver hat sich ereignet bei der Neuorganisierung des Sicherheitsdienstes, einer Neuorganisierung, die keinen anderen Zweck hatte, als das revolutionäre Machtinstrument aufzulösen, um wieder den Mechanismus des bürgerlichen Unterdrückungsapparates aufzurichten. Der Schlag, der gegen die Revolution gerichtet wurde, konnte nicht geschickter geführt werten: Der bürgerlich-demokratische Staat verfügt damit vollständig über die ausübende Gewalt, über die bewaffneten Machtorgane. Von da bis zur vollständigen Entwaffnung der Arbeiterklasse – das Ziel der Bourgeoisie in allen Revolutionen – ist nur ein Schritt. Wird man weiterschreiten auf dem Wege der Konzessionen – ein Weg, der die Revolution in die Vernichtung führt – oder wird man endlich einsehen, daß es Zeit ist, zu handeln? Noch ist es Zeit, es zu tun. Das Proletariat besitzt noch entscheidende Positionen. Man muß sie festigen und sich der Aufgabe widmen, die Position, die wir verloren haben, wieder zu erobern. Die Arbeiterklasse, dank deren Heroismus der Faschismus den leichten Sieg, den er erwartete, nicht erringen konnte, die Arbeiterklasse, die mit ihrem Blute in den Schützengräben für die Sache einsteht, ist gewillt, eher zu sterben, als Im Triumph der barbarischsten Reaktionen zuzulassen. Diese Arbeiterklasse wird nicht einwilligen, daß man zur Vergangenheit zurückkehrt, die Vergangenheit wird nicht zurückkehren. Die Erfahrung von fünf Jahren demokratischer Republik war schmerzhaft genug, um sie nicht nochmals zu wiederholen. Die demokratische Republik würde die günstigen Bedingungen schaffen für eine neue und siegreiche Attacke des Faschismus.

Der Augenblick ist entscheidend. Die Zukunft des Proletariats steht auf dem Spiel. Der POUM hat zum wiederholten Male seinen Alarmruf ausgestoßen. Wird er durch die anderen revolutionären Organisationen gehört werden? Die unbegreiflichen Konzessionen in der Frage des Sicherheitsdienstes erwecken in uns die allergrößte Sorge. Aber der Artikel, den wir eben kommentieren und das letzte Manifest des Regionalkomitees der CNT geben uns Hoffnung.

»Keinen Schritt mehr rückwärts. Es ist Zeit zu handeln. Retten wir die Revolution. Den Krieg gewinnen. Aber indem wir gleichzeitig die Revolution weiterführen«
, sagt das Manifest des Regionalkomitees der CNT.

Wenn diese Positionen, die von uns mit äußerster Energie unterstützt werden, sich umsetzen in eine entschlossene und klare Aktivität, dann wird die Revolution, die sich heute Todesgefahr befindet, gerettet werden.

Quelle: Die Spanische Revolution, Nr. 4, März 1937

Eine Antwort zu “75 Jahre POUM (Teil 2) – Gemeinsam gegen die konterrevolutionäre Gefahr! (1937)”

  1. syndikalismus said

    Sehr interessanter Artikel. Vielen Dank für seine Veröffentlichung. Auf das die Arbeiterinnen und Arbeiter nie wieder solche Fehler begehen und keine Abstriche an der sozialen Revolution zulassen – vom wem auch immer. Schön in diesem Artikel diese Einigkeit in den grundlegenden Positionen zu finden.

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