Entdinglichung

… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist … (Marx)

Gaddafi war schon immer scheisse!

Posted by entdinglichung - 20. Februar 2011

Peter Kratz/Uta Schulze-Lessel: Die nationalrevolutionäre Connection: Gaddafi – Mechtersheimer – Schönhuber. Quellen und rotgrüne Querverbindungen neofaschistischer Deutschland-Vereiniger (1990)

10 Antworten zu “Gaddafi war schon immer scheisse!”

  1. marxman2010 said

    also, die gaddafi-fans in der linken waren schon immer riesig…und leider sehr zahlreich…diese typische der feind meines feindes ist unser freund-mist…zum kotzen, wie der gerade menschen abschlachtet.

  2. Hamburger Linksdissident said

    Gen. „Marxman 2010“ meint, daß es „schon immer“ viele „Gaddafi – Fans“ in der Linken gab und beklagt sich darüber. Über wirkliche (!) „Fans“ des „Gaddafismus“ sollte man als genuiner Lin- ker auch sehr geschockt und aufgebracht sein ; allerdings nicht über solche (genuinen) Linken, die auch halbwegs progressive Aspekte neben reaktionären Seiten am „Gaddafismus“ w a h r nehmen u. würdigen, u. anerkennen, daß er -ähnlich wie andere (links – ) nationalistische Befreiungs – und Nationalbewegungen mehr oder weniger modernistischer Art und noch weit mehr der Spät – Stalinismus des post – chruschtschowistischen ehemaligen Blocks deformierter Arbeiterstaaten- eine Hybridform progressiver und regressiver Aspekte darstellt.
    Dies ist auch mit ein (Haupt – ) Grund, weshalb so viele genuine Linke den auf sehr paternalis- tisch – autoritäre, letztlich obrigkeitsstaat- liche Weise „real existierenden“ „Gaddafismus“, in ihrem (unter allen weltanschaulichen Lagern weit verbreiteten) Schematismus und davon ge- prägten Denkschablonen, bestimmt von dogmatischer und teilweise realitätsblinder Scheuklappen – Mentalität voller Grundbefangenheiten, unter Ausblendung seiner Schattenseiten quasi politro- mantisch verklärten. Da der „Gaddafismus“ als solche Hybridform einige, isoliert und ober- flächlich betachtet, eher progressive Anteile auf- weist, welche auch von denjenigen (genuinen) Linken wahrgenommen werden, die als genuine Linke wirklich nicht einmal ansatzweise Fans dieses autokratisch verkommenen hochnarzistischen halb- clownesken Polit – Caudillos sind.
    Lybien kann als eine führerstaatlich deformierte Pseudo – oder Halb – Räterepublik definiert werden, wenn man das lyb. Staatssystem sehr wohlwollend beurteilt, was ich nicht tue. Eine
    DLF – Magazin – Folge klärte mich allerdings vor einigen Jahren über die räterepublikanischen Aspekte des lyb. Staatssystems auf. Ich bin keineswegs Deiner in Proll – Fehlsprech vorgebrach- ten Meinung, daß der „Gaddafismus“ „schon immer“ einfach n u r „scheisse“ war. Dieser doch wirklich sehr (!) eindimensionalen und holzschnittartig vergröberten Einfach – Negation und Vollverurteilung in Bausch und Bogen kann ich mich nach dem Hören der durchaus kritisch aus – und abgewogenen, keineswegs „pro – gaddafistischen“ Magazin – Folge zum „Gaddafismus“ nicht (mehr) anschliessen.
    Im „Gaddafismus“ konnten Frauen (zumindest in den ersten zwei Jahrzehnten)auch höchste Staats- ämter besetzen und unterlagen keinem Vermummungszwang, und zwar weder in Schleier – noch Kopf- tuch – Form. Sie konnten Militärdienst absolvieren, qualifizierte Berufe ausüben und Politämter bekleiden. Ausserdem war die Großwirtschaft verstaatlicht und wurde durch ein Planungssystem gesteuert. Soziale Grundbedürfnisse wie Ernährung, Medifikation, Sanitäres und Wohnungswesen wurden staatlich organisiert und garantiert ; das Bildungswesen ebenso. Das Problem am lyb. System ist die Quasi – Usurpation formaler Basisdemokratie durch nur eine einzige und zudem noch in sich sehr hierarchisch – autoritär und paternalistisch grundverfassten „gaddafisti- schen“ Massenbewegung. Nach dem Sturz der tendenziell rätesozialistischen Revolutionsbewegung
    in Grenada durch einen us – amerikanische Militärintervention und der Teil – Bürokratisierung des castristischen Cuba der sechziger Jahre, des ehemaligen titoistischen Jugoslawien, der Zerschalgung des alt – sandinistischen Nicaragua und der ehemaligen Volksrepublik Jemen verblie-
    ben diese räterepublikanischen Anteile als weltweit einzigartige Gestaltungsformen von Staats-
    tätigkeit.
    Und die dies mitausdrückenden – u. institutionalisierenden führerstaatlichen Züge. Die Organisa-tionsform und Polit – Mentalität der caudilloistischen Bewegung Gaddafis und die ihm entspre- chenden führerstaatlichen Züge des Staatssystems überformen / deformieren die räterepublika- nischen Ansätze u. usurpieren u. „entwerten“ / ent- machten deren demokratischen Willensbil- dungs – und vollstreckungsgehalt. Die Volksmacht geht nur in paternalistisch kanalisierten, regimefunktional verfremdeten u. „Gaddafismus“ – kompatiblen Formen vor sich u. von der Basis aus, ohne zu ihr „zurückzukehren“. Der „Gaddafismus“ scheitert letztlich also an seinen führer-staatlichen Fehl – Anteilen u. somit an sich selbst. Bezüglich der oligarchisch – diktatorischen
    Art, wie sich der autokratische Polit – Bajazzo an seine Macht klammert, gebe ich Gen. „Marx- man 2010“ selbstverständlich völlig recht.

    • zur Situation von Frauen im „progressiven“ Libyen (WLUML)

      Officially portrayed as protective homes for women and girls ‚vulnerable to engaging in moral misconduct,‘ these facilities are de facto prisons.
      Libyan authorities are holding many women and girls in these facilities who have committed no crime, or who have completed a sentence. Some are there for no reason other than that they were raped, and are now ostracized for staining their families’ “honor.”
      “These facilities are far more punitive than protective,” said Farida Deif, Middle East and North Africa researcher for the Women’s Rights Division of Human Rights Watch and author of the report. “How can they be called shelters when most of the women and girls we interviewed told us they would escape if they could?”

      “Social rehabilitation” facilities have a distinctly prison-like character. The women and girls sleep in locked quarters and are not allowed to leave the gates of the compound. The custodians sometimes subject them to long periods of solitary confinement, occasionally in handcuffs, for trivial reasons like “talking back.” They are tested for communicable diseases without their consent upon entry, and most are forced to endure invasive virginity examinations. Some residents are as young as 16, but authorities provide no education, except weekly religious instruction.

      These women and girls have no opportunity to contest their confinement in a court of law, and typically have no legal representation. The exit requirements of “social rehabilitation” facilities are in themselves arbitrary and coercive. There is no way out unless a male relative takes custody of the woman or girl or she consents to marriage, often to a stranger who comes to the facility looking for a wife.

  3. marxman2010 said

    ich habe nicht die leiseste Ahnung, was du mir sagen willst.

  4. Bonustrack: http://www.youtube.com/watch?v=uPnMK8Cs3VI

  5. Unzeit-gemäß said

    Ich bin unschlüssig, was ich von dem Aufstand in Lybien halten soll. Dass Gaddafi keinen Menschenfreund ist, ist schon klar (siehe Flüchtlingspolitik). Aber hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter scheint seine Diktatur sehr fortschrittlich gewesen zu sein, bzw. in welchem arabischen Land würde man als Frau mehr Freiheiten genießen? (sozusagen: Abbbau feudaler/patriarchaler Strukturen durch 1-Mann-Diktatur = modernisierender Effekt)

    Es wird ja gesagt, dass in Lybien Stammesstrukturen noch eine größere Rolle spielen, und dass der Aufstand im Ostteil des Landes machtvoller ist, scheint dies zu bestätigen. Bin zwar kein Lybien-Experte, aber ich denke: Wenn Stammesführer von Freiheit reden, dann meinen sie nicht die Meinungsfreiheit und auch die Freiheit ihrer Frauen.

    • das einzige arabischsprachige Land mit einem säkularen Familien- und Zivilrecht ist m.W. Tunesien; und mit Gleichberechtigung ist es im Lande des Obersexisten Gaddafi auch nicht weit her, hier ein Zitat aus dem „Grünen Buch“:

      „Physical structure, which is naturally different in men and women, leads to differences in the functions of the organs, which in turn leads to differences in the psyche, mood, emotions, as well as in physical appearance. A woman is tender; a woman is pretty; a woman weeps easily and is easily frightened. In general, women are gentle and men are aggressive by virtue of their inbred nature.

      To ignore natural differences between men and women and to mix their roles is an absolutely uncivilized attitude, hostile to the laws of nature, destructive to human life, and a genuine cause for the wretchedness of human social life.“

      und was „die Stämme“ angeht, da sollte mensch immer genau achten, wie deren Struktur, Kultur, etc. konkret ist, gerade im Sahara-Raum gibt es da bezüglich der traditionellen Rolle relativ grosse Unterschiede bspw. ist sind die Rechte von Frauen in vielen Tuareg-Konföderationen traditionell durchaus weiter entwickelt als bei anderen „Stämmen“

  6. king mordechai said

    also ich erinnere mich an eine friedensdemonstration in den 80ern, bei der ein Typ von der „Münchner Anarchistischen Fraktion bei den Autonomen“ (MAFIA), statt eine der üblichen reden zu halten, wie seine vorgänger von den diversen parteien und bündnissen, es vorzog, ganze passagen aus gadaffis grünem buch vorzulesen. peinlich, aber wahr.

  7. king mordechai said

    „wir brauchen halt eine anarchie, aber mit einem starken führer.“ diesen witz, ich glaube, oskar maria graf hat ihn irgendwo in seinen erzählungen kolportiert, stellt gadaffi blendend zur schau. nun ist er angeblich bereit für ein zweites vietnam. ein schrecklicher anachronismus, hat doch vor bereits 44 jahren ein anderer irrer gefordert: „schafft ein, zwei, viele vietnams…“

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